Denkmalbereich „Essen - Kettwig“

Kettwig-Ortskern

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Der Ort Kettwig wurde 1052 als „Kartuik“ erstmals erwähnt. Ausgangspunkt bildete der zur Abtei Werden gehörende „Sadelhof“, der vermutlich auf dem Platz der heutigen evangelischen Kirche stand.

1609 trat die Kellwiger Bevölkerung zum reformierten Bekenntnis über. Die ursprünglich katholische Pfarrkirche wurde übernommen, und 1721 wurde an ihrer Stelle ein Neubau errichtet. Der Westturm des 14. Jahrhunderts wurde dabei in die Neuplanung einbezogen. 1826-30 entstand die Peterskirche für den katholischen Bevölkerungsteil.

1802 wurde der Ort preußisch, war nach 1806 kurzzeitig Teil des Großherzogtums Berg und gehörte seit 1815 wieder zu Preußen. 1857 erhielt Kettwig Stadtrechte. Im Rahmen der kommunalen Neuordnung wurde die Stadt 1975 nach Essen eingemeindet.

Wichtig für die Entwicklung Kellwigs war die Lage direkt an einem wichtigen Ruhrübergang. Hier führte ein Abzweig des Hellwegs, der Frankfurt und Köln mit den Stiften Werden und Essen verband, über den Fluss. Die Ruhr bildete die Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Berg und der Abtei Werden. Am südlichen Ruhrufer lag auf bergischem Hoheitsgebiet die Zollstation „Kettwig vor der Brücke“.

Nach dem Siebenjährigen Krieg gewann die Ruhr als Transportweg für die im Umkreis geförderte Kohle an Bedeutung und wurde für die Schifffahrt ausgebaut. Neben dem recht früh betriebenen Kohleabbau bildete die Textilindustrie den Haupterwerbszweig. Bereits für das 16. Jahrhundert ist eine Tuchmacherzunft belegt. Die Industrialisierung führte im 19. Jahrhundert zum Bau ausgedehnter Fabriken am Ruhrufer. Um 1845 gab es 14 Fabriken für Tuchmacherei, Färberei und Gerberei. 1872 wurde die Ruhrtalbahn eröffnet, die von Düsseldorf über Kettwig nach Werden und Kupferdreh führte.

Der seit der ersten Katasteraufnahme (1821) nahezu unveränderte Ortsgrundriss besteht aus zwei, in leichten Kurvenformen parallel verlaufenden Straßenzügen, die vierfach durch Querspangen miteinander verbunden sind. Den alten Siedlungskern bildet die evangelische Kirche mit der umliegenden historischen Bebauung, die sich entlang des Kirchplatzes und der Kirchtreppe erstreckt. Die Straßen des alten Siedlungsgrundrisses sind bis in die heutige Zeit mit ihrer dichten, kleinteiligen Bebauung erhalten. Die schmucklosen Fachwerkhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts wurden überwiegend in Ständerbauweise errichtet. Die Fassaden präsentieren sich fachwerksichtig, verputzt, verschiefert oder auch mit Holzverkleidung.

Mit der rasch fortschreitenden Industrialisierung wurden im 19. Jahrhundert auch die Außenbereiche besiedelt. Neben Fabriken mit zugehörigen Villen und Siedlungen sind auch zahlreiche bürgerliche Wohn- und Geschäftshäuser aus dieser Zeit erhalten.

Neben dem Ortsgrundriss mit der historischen Bebauung schützt der Denkmalbereich ebenfalls die sich überwiegend von Süden her präsentierende Ortssilhouette. Die in terrassenförmiger Stufung am Hang über der Ruhr angeordnete Bebauung wird von der auf dem Bergsporn errichteten, evangelischen Kirche überragt. Ihr mächtiger Westturm und die am Ruhrufer gelegenen Fabrikgebäude, der Scheid'schen Tuchfabrik, bilden gemeinsam die städtebaulichen Dominanten.

Besondere Bedeutung erhält der Denkmalbereich Keltwig als anschauliches Beispiel einer niederbergischen Kleinstadt, die bis heute durch Ihren historischen Ortsgrundriss mit den sich abzeichnenden Wachstumsphasen, die Ortssilhouette, die Ruhr als Transportweg, die Produktionsstätten am Ufer und ihre erhaltene Bausubstanz geplagt wird.

Die Ausweisung eines Denkmalbereichs wurde im Jahre 1984 durch das Rheinische Amt für Denkmalpflege angeregt. Am 26.6.1993 trat die Denkmalbereichssatzung zum Schutz des Ortskern Kettwig in Kraft.

(Karin Herzfeld, Rheinisches Amt für Denkmalpflege, LVR, aus: Mainzer (Hrsg.) 1996)

Literatur

Bart, Jan (1971)
Kettwig wie es wuchs und wurde. 1200 Jahre seiner Geschichte (1. Auflage). Kettwig.
Clemen, Paul (1893)
Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Essen. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz II 3.) Düsseldorf.
Heimat- und Verkehrsverein Kettwig (Hrsg.) (1957)
100 Jahre Stadt Kettwig 1857-1957. Kettwig.
Keyser, Erich (1956)
Rheinisches Städtebuch. (Deutsches Städtebuch / Handbuch städtischer Geschichte, Band III, 3.) Stuttgart.
Mainzer, Udo (Hrsg.) (1996)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege 49.) S. 85-86, Köln.

Denkmalbereich „Essen - Kettwig“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hauptstraße
Ort
45219 Essen - Kettwig
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1052
Koordinate WGS84
51° 21′ 46,45″ N, 6° 56′ 20,26″ O / 51.3629°, 6.93896°
Koordinate UTM
32U 356515.56 5692198.45
Koordinate Gauss/Krüger
2565439.85 5692438.55

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„Denkmalbereich „Essen - Kettwig“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-59308-05012017-263117 (Abgerufen: 18. August 2018)
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