Denkmalbereich „Solingen - Burg“

Schloss Burg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Solingen
Kreis(e): Solingen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Schloss Burg liegt im Bergischen Land, etwa 10 km südöstlich von Solingen im Nordwesten der Bergischen Hochfläche, die hier durch tiefe, enge Taleinschnitte gegliedert wird. Die Burganlage bekrönt einen der bewaldeten Berge an der Mündung des Eschbaches in die Wupper.

Unter Graf Adolf I. von Berg wurde 1133 auf den Grundmauern einer alten Befestigung eine neue Burg errichtet. Sie bestand aus einem inneren Burghof mit Bergfried, Herrenhaus und Wirtschaftsgebäuden und einem Vorhof mit Bastionsturm und Burgtor. Die Anlage war durch ringförmige Umfassungsmauern gesichert, denen nach Osten zur höhengleichen und daher günstigen Angriffsseite mehrere Gräben und an den Hängen bewehrte Terrassen vorgelagert waren.

Graf Engelbert I. (1165-89) gründete auf Schloss Burg eine Niederlassung des Johanniterordens. Damit hatte die Burg neben der weltlichen Oberhoheit für über 600 Jahre eine geistliche Instanz erhalten. Den Johannitern oblag die Pflicht, für Kirche, Pfarrer, Schule und für die Armen zu sorgen.

Unter Graf Engelbert II. von Berg fand eine Umgestaltung der Schlossanlage statt. Der südwestliche Teil der inneren Mauer wurde durch den Palas ersetzt. In den nachfolgenden Epochen wurde Schloss Burg Jagdschloss der Grafen von Berg und Ort höfischer Feste. Es wurden jedoch keine wesentlichen Änderungen des Gesamtgrundrisses vorgenommen. Lediglich das Palasgebäude wurde durch Vergrößerung von Küche und Wohnräumen erweitert. Ende des 15. Jahrhunderts fand ein Ausbau von Gästezimmern und eine Gestaltung des Außenbaus durch Eckerker und Turmdächer statt.

Die Zerstörung des Dreißigjährigen Krieges hinterließ eine Ruine, in der nur noch der Palas bewohnbar war. Er wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts notdürftig wiederhergestellt. Während der Religionskämpfe blieb die Kirche im Besitz der Johanniter und Oberburg blieb eine fast rein katholische Gemeinde. Nach der Säkularisation 1803, als der Besitz des Johanniterordens an den Staat gefallen war, bezog eine Deckenfabrikation die Gemäuer. 1839 wurden die verbliebenen Räume zu Schulzwecken genutzt, doch musste der Schulbetrieb kurz darauf wegen des schlechten baulichen Zustandes eingestellt werden. 1649 wurde der noch erhaltene Dachstuhl der Burg abgebrochen. ln dieser Zeit wurden auch die Stall- und Wirtschaftsgebäude zwischen Torhaus und Eckturm niedergelegt. So verfiel die Burgruine immer mehr, bis sich 1887 der Schlossbauverein zur Erhaltung der Ruine konstituierte mit dem Ziel, die Anlage zu rekonstruieren.

1890 bis 1902 wurde die Burg unter Leitung von G. A. Fischer nach vorhandenen Darstellungen wiederaufgebaut. Der rekonstruierte Bau erhebt sich über dem alten Grundriss, wogegen im aufgehenden Mauerwerk Teile frei ergänzt wurden. 1891-94 entstand der zweigeschossige Palas mit dem steilen Dach und den markanten Fachwerkaufbauten, 1892 der zweigeschossige Bruchsteinbau mit der Kapelle im Obergeschoss, 1895 das Wehrhaus auf der Schildmauer und 1901 der sechsgeschossige Bergfried, der 1902 einstürzte, aber bis 1904 unter W. Blaue wieder vollendet wurde. Ein Wohnhaus in Fachwerk wurde als Ergänzung der Anlage errichtet, und 1896 ersetzte der Neubau des Pfarrhauses neben der Kirche das alte Ordenshaus.

Die Innenräume des Schlosses wurden im 19. Jahrhundert neu gestaltet; zwischen 1898 und 1907 wurden die Kapelle und die Repräsentationsräume von Malern der Düsseldorfer Akademie ausgemalt. 1908-10 wurden die Bäume und Sträucher innerhalb des Burggeländes angepflanzt, ab 1911 fand der Bau des Batterieturmes statt, ab 1912 wurde im Nordwesten der Anlage das Johannitertor wiedererrichtet und nach dem Schlossbrand 1920 Torbau, Kapellenflügel und Palas.

Der Burgbereich wurde als Denkmalbereich unter Schutz gesteIlt, weil die historische Bausubstanz, einschließlich der dazugehörigen Freiflächen, innerhalb dieses Gebietes für die geschichtliche und städtebauliche Entwicklung von Burg und dem Bergischen Land bedeutend ist.

Die heutige Anlage als unverputzter Bruchsteinbau mit Fachwerkzierformen in der Dachzone und der verschieferten Dachflächen prägt mit dem dominierenden Bergfried nicht nur den gesamten Burgberg, sondern aufgrund der Fernwirkung auch die Umgebung.

Der äußere Bebauungshalbkranz ist bereits starken Änderungen in der Vergangenheit unterworfen gewesen. Hier wurden einige der Fachwerkeinzelbauten durch maßstabsprägende eingeschossige Terrassenüberbauungen umgebaut. Diese Gaststättenanbauten grenzen zum Teil unmittelbar aneinander und verwischen so die ursprüngliche Einzelbauweise. Aufgrund der Hangsituation zur Wupper stellen sie sich optisch als mehrgeschossige Anbauten dar.

Ein wichtiger Bestandteil der Gesamtanlage sind die Freiräume und Freiflächen auf den Terrassen (Gartenanlagen, Friedhof, Wiesen- und Waldflächen), die teilweise als Vorplatz oder Aussichtsplattform einen ungestörten Blick in die Landschaft oder auf die Schlossanlage gewähren. Auch hier sind in Verbindung mit den technischen Einrichtungen der Seilbahn sowie durch Behelfsverkaufsbauten störende bauliche Maßnahmen vorgenommen worden.

Der historische Bestand wird insbesondere bestimmt durch
  • die Verwendung folgender Baumaterialien: Naturstein, insbesondere Sandstein, Naturschiefer, Fachwerk mit geputzten und weiß gestrichenen Ausfachungen, Tonhohlpfannen sowie Holz unter bevorzugter Verwendung von Eiche.
  • Die Benutzung folgender Stilmittel: locker am Schlossplatz gruppierte Solitärbauten, wie Kirche, Schule, Pfarrhaus und Batterieturm, sowie traufständige, parallel zur Erschließungsstraße stehende ein- und zweigeschossige Fachwerkeinzelbauten des 18. und 19. Jahrhunderts; Verschieferung in altdeutscher Deckung; sichtbares Fachwerk.
Die Ausweisung des Denkmalbereiches soll der Erhaltung des Bestandes dienen, insbesondere dem Schutz des historischen Burgberges.

Die Denkmalbereichssatzung wurde seitens des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege bereits 1983 angeregt. Die Ausarbeitung erfolgte einvernehmlich zwischen der Stadt Solingen und dem Denkmalamt im Jahre 1991.
Die Satzung ist seit 1992 rechtskräftig.

(Helmut Fenner und Elke Janßen-Schnabel, Rheinisches Amt für Denkmalpflege, LVR, aus: Mainzer (Hrsg.) 1996)

Literatur

Clemen, Paul (1894)
Die Kunstdenkmäler der Städte Barmen, Elberfeld, Remscheid und der Kreise Lennep, Mettmann, Solingen. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz III 2.) Düsseldorf.
Fischer, Gustav A. (1892)
Schloss Burg an der Wupper. Die Burgen des Mittelalters und das Leben auf denselben; in Wort und Bild dargestellt. Düsseldorf.
Luchtenberg, Paul (1957)
Schloss Burg an der Wupper. (Rheinisches Bilderbuch Nr. 9.) Ratingen.
Mainzer, Udo (Hrsg.) (1996)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege 49.) S. 198-199, Köln.
Reinmöller, Lore (1962)
Geschichte des Schloßbauvereins Burg a.d. Wupper 1887 - 1962. Festschrift zum 75jährigen Bestehen des Schloßbauvereins. Neustadt/Aisch.
Schlossbauverein Burg an der Wupper; Bergisches Museum (Hrsg.) (1987)
"Für Kaiser, Volk und Vaterland". Der spätromantische Wiederaufbau von Schloss Burg seit 1887. Köln.

Denkmalbereich „Solingen - Burg“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Schlossplatz
Ort
42659 Solingen - Burg
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1133
Koordinate WGS84
51° 08′ 15,39″ N, 7° 09′ 7,9″ O / 51.13761°, 7.1522°
Koordinate UTM
32U 370728.93 5666750.97
Koordinate Gauss/Krüger
2580684.05 5667587

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„Denkmalbereich „Solingen - Burg“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-51911-14042017-266675 (Abgerufen: 19. November 2018)
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