Denkmalbereich „Remscheid - Lennep“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Remscheid
Kreis(e): Remscheid
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
1120 erstmals erwähnt, erhielt Lennep als eine der fünf Städte der Grafen von Berg 1230 Stadtrechte und wurde befestigt. An der Handels- und Pilgerstraße von Köln nach Dortmund entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden Marktort und wurde im 14. Jahrhundert Münz- und Zollstätte. Ab etwa 1400, als man begann, das starke Gefälle der Flussläufe im Bergischen Land zum Betrieb von Eisenhütten, Hammerwerken, Schleifkotten und Walkmühlen zu nutzen, wurden Herstellung und Vertrieb von Eisenwaren und Tuchen zur wichtigsten wirtschaftlichen Grundlage der Stadt bis ins 19. Jahrhundert, wobei Lennep die höchste Blütezeit in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebte. Im 16. und 17. Jahrhundert hatte sich unter dem Wirken von Adolf Clarenbach die protestantische Lehre durchgesetzt. Im Gegenzug gründeten 1642 die Minoriten in Lennep eine neue katholische Gemeinde. Drei Stadtbrände (1342, 1563 und 1746) zerstörten den mittelalterlichen Ort, doch die Wiederaufbauten erfolgten auf dem gegebenen Ortsgrundriss. Ab 1793 wurde die Stadtmauer niedergelegt. Nach französischer Herrschaft 1806 bis 1814 wurde Lennep unter den Preußen Kreisstadt bis zum Jahre 1929, als die Stadt durch Remscheid eingemeindet wurde und damit ihre Selbständigkeit verlor. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Altstadt nahezu unversehrt. So ist bis heute der Ort des 18. und 19. Jahrhunderts auf mittelalterlichem Grundriss erhalten.

Das kreisförmige Stadtgebilde passt sich in seiner Struktur der Topographie des bergigen Landes an. Im tiefsten Punkt bildet der Altmarkt das Zentrum. Hier münden die meisten Straßen, und von hieraus steigt die Hauptwegeführung zu den beiden ehemaligen Stadttoren leicht an. Am Altmarkt liegt - zurückgesetzt - die evangelische Pfarrkirche, die als massiver Grauwackebau im Volumen und mit der geschweiften Turmhaube in der Höhe das einheitliche Bild der übrigen verschieferten, in den Proportionen gleichen Fachwerkbauten des 18., 19. und 20. Jahrhunderts beherrscht. Das Ortsbild erscheint durch die kleinteilige Parzellierung und das Verspringen der Baufluchten insbesondere beim Durchblick durch die Straßen stark bewegt. In den Nebenstraßen stehen Wohnbauten, vereinzelt mit Kleingewerbe, entlang der Hauptstraße überwiegen Wohn- und Geschäftshäuser mit Ladeneinbauten des 20. Jahrhunderts im Erdgeschoss, wobei Maßstab und Einheitlichkeit nur durch wenige Neubauten gestört sind.

Der wichtigste Einbruch in das Ortsbild erfolgt durch die Zerstörung des am Altmarkt gelegenen Rathauses im Zweiten Weltkrieg. Nach der Niederlegung der Stadtmauern wuchs der Ort im 19. Jahrhundert über die mittelalterlichen Grenzen hinaus. Entlang der ringförmigen Straße um den Altstadtkern entstanden Ende des 19. Jahrhunderts freistehende Villen im gründerzeitlichen und neubergischen Stil.

Die auf sich konzentrierte weitgehend einheitliche Altstadt ist in dieser Geschlossenheit für das Bergische Land einzigartig. Über den Substanzschutz von Einzelbauten hinaus soll durch die Ausweisung eines Denkmalbereichs die Stadt als Ganzes im Bestand und im Ortsgrundriss geschützt werden. Schützenswert sind auch die Sichtbezüge auf die evangelische Kirche, dem wichtigsten Orientierungspunkt im Zentrum.

Die Satzungsgeschichte des Denkmalbereichs erstreckt sich über 10 Jahre. Kurz nach Inkrafttreten des Denkmalschutzgesetzes NW wurde 1981 vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege festgestellt, dass die historische Altstadt von Lennep ein klassisches Beispiel eines Denkmalbereichs darstellt, und mit der Übergabe der Denkmalliste des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege 1983 wurde die Ausweisung eines entsprechenden Denkmalbereichs beantragt. Etwa gleichzeitig hatte die Stadt Remscheid den Entwurf einer Gestaltungssatzung für Lennep erarbeitet. Daraufhin wurde zunächst beschlossen, auf eine Denkmalbereichssatzung zu verzichten. Erneute Anstöße zur Ausarbeitung einer Denkmalbereichssatzung gaben das Programm zur Erhaltung historischer Altstädte von nationaler Bedeutung und das Programm des Landes „24 historische Stadtkerne in Nordrhein-Westfalen“, in die Lennep jeweils aufgenommen wurde. 1986 wurde der Entwurf einer Bereichssatzung vorgelegt.

Das Rheinische Amt für Denkmalpflege hatte eine Grenze vorgeschlagen, die die Randbebauung entlang der die Altstadt umschließenden Straßen, d.h. die Villen jenseits der ehemaligen Befestigung als Zeugen der Stadterweiterung um 1900 und die für die Ortsgeschichte wichtigen und für das Stadtbild markanten Bauten schützt: die katholische Pfarrkirche gegenüber des niederlegten Schwelmtores, das Kaufhaus von 1912/13 an der Stelle des Kölntores und die Bauten mit öffentlicher Nutzung an der Hardtstraße. Dagegen folgt die von der Stadt Remscheid beschlossene Bereichsgrenze dem Verlauf der ehemaligen Befestigung. In einem zweiten Schritt wird nun abgewogen, welche Möglichkeiten für den Schutz des Erweiterungskranzes bestehen.

Am 19.11.1992 trat die Denkmalbereichssatzung für die Altstadt Lennep in Kraft.

(Elke Janßen-Schnabel, Rheinisches Amt für Denkmalpflege, LVR, aus: Mainzer (Hrsg.) 1996)

Literatur

Clemen, Paul (1894)
Die Kunstdenkmäler der Städte Barmen, Elberfeld, Remscheid und der Kreise Lennep, Mettmann, Solingen. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz III 2.) Düsseldorf.
Der Landrat des Kreises Lennep (Hrsg.) (1925)
Der Landkreis Lennep und seine Gemeinden. (Deutschlands Städtebau.) Berlin-Halensee.
Franz Pesch; et al. / Ministerium für Stadtentwicklung und Verkehr (Hrsg.) (1994)
Historische Stadt- und Ortskerne in Nordrhein-Westfalen. Duisburg.
Mainzer, Udo (Hrsg.) (1996)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege 49.) S. 186-187, Köln.
Stursberg, Ernst Erwin (1956)
Zur älteren Geschichte Lenneps. (Beiträge zur Geschichte Remscheids 7.) Remscheid.
Vom Berg, Carl (1900)
Geschichte der ehemalig bergischen Hauptstadt Lennep. Urkundenbuch. Lennep.

Denkmalbereich „Remscheid - Lennep“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Alter Markt
Ort
42897 Remscheid - Lennep
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1120
Koordinate WGS84
51° 11′ 33,67″ N, 7° 15′ 25,8″ O / 51.19269°, 7.25717°
Koordinate UTM
32U 378217.4 5672696.32
Koordinate Gauss/Krüger
2587925.9 5673834.66

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„Denkmalbereich „Remscheid - Lennep“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-29097-12042017-266659 (Abgerufen: 24. Mai 2018)
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