Ehemaliger fränkischer Oberhof („Reichshof“) an der Leonardstraße

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Castrop-Rauxel
Kreis(e): Recklinghausen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die Entwicklung des Ortskerns Castrop geht neben der St. Lambertus-Kapelle auf dem heutigen Kirchplatz-Ring vermutlich auf einen ehemaligen fränkischen Oberhof („Reichshof“) aus dem 15. Jahrhundert am heutigen Standort an der Leonardstraße(in Nähe des Adalbert-Stifter-Gymanasiums) zurück.

Dieser stand inmitten der Gräfte des Mühlenteichs, der vom Landwehrbach gespeist worden ist. Die, im Volksmund als „altes Schloss“ oder „Burg“ bezeichnete, bauliche Anlage mit Nebengebäuden ging um 1900 mit dem umgebenden Gelände in den Besitz der Gelsenkirchener Bergwerks-Actiengesellschaft über, der auch die Zeche Erin gehörte. Nachdem schon der ehemalige Wiesengrund durch die Viktoriastraße durchquert und diese mit einer Anzahl schöner Häuser bebaut worden war„, ließ der neue Eigentümer im Zuge dieser Maßnahme alle Gebäude mitsamt der alten Mühle 1905 niederlegen und den Teich einebnen (Schröder, S. 15).
Heute erinnert dort auch ein Gedenkstein von 1910 an den Standort des ehemaligen “Reichshofs„: “Hier stand der ehemalige Reichshof Castrop, Sitz der Edlen von Castorpe. Nach Urkunden aus den Jahren 834, 902 und 1050. Verschönerungsverein Castrop 1910.„ Darüber in einem Relief steht “Zuletzt erhaltener Teil des Reichhofes. Niedergelegt im Jahre 1905.„ Auf der Rückseite des Steins erinnert eine Aufschrift daran, dass “Freiheit Castrop 1484, Johann von Gottes Gnaden, Herzog von Kleve und Graf von der Mark, diesen Ort Castrop in dem Jahre unseres Herrn dusend vier hunnert vier un achzig ob Sankt Michaelis Dage mit der Freyheit privilegieret„ hat (Schröder, S. 15).

Auf den ehemaligen Standort des Mühlengebäudes an der ursprünglichen Gräfte weist heute ein Mauerstück am Jugendheim Leonardstraße 2 hin.

Die eingeebneten Flächen wurden zu einer Kernzelle des Höheren Schulwesens der Stadt. Hier wurde zum einen nach 1905 an der Viktoriastraße Hausnummer 24 die “Rectoratschule„ errichtet, die aus einer Höheren Knabenschule mit angegliederter Mädchenschule bestand (das spätere Mädchengymnasium). Nachdem die Rektoratsschule als “Realprogymnasium„ aufgewertet worden war, entstand zum anderen an der Leonardstraße Hausnummer 8 nach 1912 ein weiteres Schulgebäude (das spätere Jungen-Gymnasium). Heute ist in diesen Gebäuden und späteren Erweiterungsbauten das Adalbert-Stifter Gymnasium untergebracht. Die Namensnennung bezieht sich auf den österreichischen Schriftsteller Adalbert Stifter (1805-1868).

Die Schulgebäude sind als Baudenkmalein die Denkmalliste der Stadt Castrop-Rauxel eingetragen.

Die ursprüngliche Situation des historischen Ortskerns ist heute so stark verändert und überformt, dass historische Mitteilungen nur schwer verortet werden können. Die gegebenen Informationen helfen jedoch, die historische Bedeutung und mahnende Erinnerung, die sich mit diesem Standort verbinden, zu überbringen.

Literatur

Lehmann, Klaus Michael (1981)
Grüße aus Castrop-Rauxel. Castrop-Rauxel.
Lehmann, Klaus Michael (1978)
Alte Ansichten aus Castrop-Rauxel. Castrop-Rauxel.
Schröder, Carl (1913)
Beiträge zur Geschichte der Stadt Castrop. Dortmund.
Sparkassenstiftung Castrop-Rauxel für Kultur, Wissenschaft und Umwelt (Hrsg.) (2005)
Das Rote Band - Ein stadtgeschichtlicher Rundgang durch Castrop-Rauxel. Castrop-Rauxel.
(1972)
Knaur Lexikon A-Z (Droemer-Knaur). München.
(o.J.)
Archiv des Immobilienmanagements der Stadt Castrop-Rauxel (Bezeichnung, Straße, Haus-Nr.). Bauakte "Adalbert-Stifter-Gymnasium", Castrop-Rauxel.

Ehemaliger fränkischer Oberhof („Reichshof“) an der Leonardstraße

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
keine Angabe
Historischer Zeitraum
Beginn 1900
Koordinate WGS84
51° 32′ 47,91″ N, 7° 18′ 39,58″ O / 51.54664°, 7.31099°
Koordinate UTM
32U 382885.05 5711968.46
Koordinate Gauss/Krüger
2590984.25 5713277.31

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„Ehemaliger fränkischer Oberhof („Reichshof“) an der Leonardstraße”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-P363N504-20090630-0002 (Abgerufen: 18. Oktober 2017)
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