Industrieller Siedlungskern Burgaltendorf-Oberdorf (um 1900)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Besiedlung des ehemaligen Markenwaldes
Im westlichen Bereich des Essener Stadtteils Burgaltendorf befand sich in früheren Zeiten der germanische Markenwald. Er wurde als Allmende gemeinsam von den Bauern der Bauerschaften Altendorf, Dumberg und Niederwenigern genutzt. Die so genannte Holtgate, in der Altkarte von 1739 als solche eingezeichnet und Vorgängerin der heutigen Alten Hauptstrasse, führte von dem Bauerndorf um Burg Altendorf in den Wald. Hier gab es keine Bauernhöfe und erst ab dem 15. Jahrhundert wurden wohl vereinzelt Flächen gerodet, um Kottenstellen für nachgeborene Bauernsöhne einzurichten. Das Waldgebiet verlor durch Rodung und übermäßige Holzentnahme zunehmend an Wert und wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts in seiner Funktion als gemeinschaftliche Allmende aufgelöst. Die einzelnen Waldstücke wurden auf die jeweiligen Markberechtigten aufgeteilt, dazu gehörten z.B. „Schlütersbusch“, „Dickmannsbusch“ und „Brinkmannsbusch“. Diese Bezeichnungen finden sich heute noch in Straßennamen wieder.
Mit dem ausgehenden 18. Jahrhundert setzte langsam der industrielle Steinkohlenabbau in Stollenbergwerken auf der Ruhrhalbinsel ein. Durch den Zuzug von auswärtigen Bergarbeitern wurden im ehemaligen Markenwald sowie an bestehenden Strassen Bergmannskotten errichtet. Auf der Altkarte von 1803/06 ist in diesem Bereich eine ausgedehnte Streusiedlung aus Erb- und Bergmannskotten erkennbar. So reihten sich z.B. an der heutigen Überruhrstrasse die Kotten Oberdieck, Viehr, Hellersberg, Köster, Sternberg und Claas auf.

Entwicklung des industriellen Siedlungskerns
Im Verlauf des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts kamen im Zuge der Industrialisierung immer mehr Menschen nach Burgaltendorf, um in den Zechen zu arbeiten. Eine große Zahl zusätzlicher Arbeitskräfte wurde in den Zechen Charlotte, Altendorfer Mulde, Kandanghauer und Steingatt benötigt, als diese ab 1832 vom Stollenbergbau zum Tiefbau übergingen. Die Bebauung alter und neuer Siedlungsflächen mit Kötterhäusern für Bergleute schritt voran. Ab 1885 wurden Bürgerhäuser entlang der Strassen errichtet. Neben den Wohnhäusern kamen auch neue Einrichtungen zur Versorgung der Bevölkerung auf: bürgerliche Wohn- und Geschäftshäuser, Säle, Winkelier-Läden (Lebensmittel-/Kolonialwaren), Gaststätten, Apotheke, Schule etc. Für die vielen neuen Gläubigen wurde 1902 die katholische Herz-Jesu-Kirche gebaut. Das Baumaterial für den Bau von Häusern und Strassen kommt aus den Steinbrüchen und Ziegeleien. Weiterhin florieren Schmieden und Stellmachereien. Es entwickelte sich ein eigenständiger, industriell geprägter Siedlungskern, das Burgaltendorfer Oberdorf. Die Hauptachse bildeten die Strassen Überruhrstrasse, Alte Hauptstraße und Mölleneystrasse. Sie waren bereits um 1800 wichtige Verbindungsstrassen zwischen dem alten Burgaltendorfer Unterdorf und der Streusiedlung im ehemaligen Markenwald sowie als Verbindung nach Überruhr.
Das nördliche Ende des industriellen Siedlungskernes endet im Bereich der ehemaligen Stadtgrenze. Bis hierher, zum ehemaligen Claas-Kotten, reichte auch die Vorgängerstrasse der heutigen Überruhrstrasse in der Karte von Honigmann/Vogelsang von 1803/06. Die steile Geländekante wurde durch den Ausbau der Strasse als Serpentine erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überwunden. Dieser Knick in der Strasse wurde wie der Rest der Strasse mit Wohn- und Geschäftshäusern für die zugezogenen Industriearbeiter bebaut. Er wird aufgrund dieses funktionalen Zusammenhangs zum Burgaltendorfer Siedlungskern hinzugezählt.

Die heutige Stadtteilgrenze zwischen Burgaltendorf und Überruhr war bis zur Eingemeindung Burgaltendorfs in die Stadt Essen im Jahr 1970 auch die Stadtgrenze. Sie verläuft entlang des schmalen Weges zwischen der Gaststätte Ruhrblick und dem ehemaligen Maschinenhaus der Zeche Theodor, der heutigen Weinhandlung in der Charlottenstrasse 120.

(Kathrin Lipfert, LVR-Fachbereich Umwelt, 2010)

Internet
www.burgaltendorf.de: Burgaltendorf (abgerufen 06.08.2009)

Literatur

Bonnekamp, Dieter (2005)
Burgaltendorfer Denkmalpfade. Essen.
Heimat- und Burgverein Essen-Burgaltendorf e.V. (Hrsg.) (2000)
Burgaltendorf Bauerschaft und Bergrevier. Die Geschichte der Burgaltendofer Höfe, Kotten und Bergwerke, Band 3. S. 17-22, Essen.

Industrieller Siedlungskern Burgaltendorf-Oberdorf (um 1900)

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1844 bis 1891
Koordinate WGS84
51° 24′ 58,22″ N, 7° 06′ 16,38″ O / 51.41617°, 7.10455°
Koordinate UTM
32U 368195.74 5697811.12
Koordinate Gauss/Krüger
2576883.15 5698525.79

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„Industrieller Siedlungskern Burgaltendorf-Oberdorf (um 1900)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-KL-20090806-0006 (Abgerufen: 23. März 2017)
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