Heisinger Ruhraue

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die Landschaftsentwicklung
Die Heisinger Ruhraue ist schon lange durch die Siedlungstätigkeit des Menschen verändert. Der ursprüngliche Auwald wurde vollständig für Acker- und Grünlandflächen gerodet. Um 1800 war dieser Landschaftsbereich bereits ausschließlich Offenland. Lediglich entlang der Gewässerufer konnten sich kleinflächige Reste der Weichholzaue halten. Erst die Aufforstungen des 20. Jahrhunderts sorgten für eine teilweise Wiederbewaldung. In der Heisinger Ruhraue ist zwar kein echter Auenwald mehr erhalten, die Vegetation setzt sich dennoch zum größten Teil aus auentypischen Arten zusammen, die sich hier natürlicherweise etablieren. Dazu gehört die heimische Schwarzpappel, die jedoch leicht durch fremde Arten wie der Hybridpappel verdrängt wird. Diese Art wurde insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren zu größeren Gehölzbeständen angepflanzt, um der kriegsbedingten Holzarmut zu begegnen.

Wie die Karte von 1803/06 zeigt, waren die landwirtschaftlichen Flächen parzelliert und durch Wege miteinander verbunden. Entlang der Wege wurden Bäume und Sträucher gepflanzt, wahrscheinlich zum Schutz vor Wind. Um ein Relikt einer solchen Struktur könnte sich bei einer alten, krüppelwüchsigen Hainbuchenhecke nördlich der alten Schleuse handeln. Möglicherweise gehen auch andere ähnliche Landschaftselemente auf alte Pflanzungen an Ackerrainen zurück. So sind durchgängige Weißdornhecken und (Kopf-) Baumreihen aus Hainbuche und Esche typische und das Landschaftsbild prägende Bestandteile der Heisinger Ruhraue. Heute werden sie unter anderem aus Gründen der Biotopvernetzung erhalten und nachgepflanzt. Das gilt auch für die vielen Einzelgehölze, die häufig aus Pappel und Weide bestehen. Landschaftswächter markieren historische Standorte, wie z.B. eine alte, krüppelwüchsige Eiche an der Stelle der ehemaligen Annenfähre. Zum typischen Bild der Ruhrweiden gehörten auch die Hudebäume. Diese Einzelbäume, meist Eichen, dienten in früheren Zeiten dem Weidevieh als Schattenspender und Nahrungsquelle. Die Tiere wurden von den Bauern aus dem Dorf auf die Ruhrweiden getrieben.

Bergsenkungen und Aufschüttungen im Auenbereich
Durch den Bergbau verursachte Absenkungen führten zur Entstehung einer Vielzahl von Feuchtbiotopen, kleinen Stillgewässern vorwiegend im westlichen Bereich der Aue. Die Einbrüche erfolgten teilweise in reliktären Flussarmen. Zwischen 1930 und 1964 wurden drei Phasen von Bergsenkungen dokumentiert. Die Absenkungen im Bereich der Heisinger Aue lagen im ersten Zeitraum (1930-1935) bei 10-30 cm. Zwischen 1935 und 1946 wurden mit 20 bis zu 100 cm die größten Werte gemessen. Bis 1964 kam es abermals zu Senkungen von 25 bis über 50 cm. Insbesondere in der Nähe des ehemaligen Strandbades entstanden auf diese Weise mindestens zwei Gewässer mit typischer Auenvegetation; sie sind kaum von natürlichen Gewässern zu unterscheiden. Die Entwicklungsprozesse entsprechen der ursprünglichen Talbildung durch Flusserosion. Jedoch sind nicht alle Gewässer im Naturschutzgebiet durch Bergsenkungen entstanden, die wahrscheinlich überwiegende Anzahl besteht aus natürlichen, nährstoffreichen Altarmen, Weihern und Tümpeln.

Neben diesen indirekten Veränderungen wurden auch direkte Eingriffe in die Landschaft der Heisinger Ruhraue vorgenommen. Anfang der 1980 entstanden im Bereich der Theodor-Heuss-Brücke zwei Spülfelder. Das Aushubmaterial stammt aus dem Baldeneysee. Hier entwickelte sich ein üppiges Weidengebüsch.

Unterschutzstellung
In den 1970er Jahren wurde die Heisinger Ruhraue unter Naturschutz gestellt. Zum größten Teil ist sie weiterhin als FFH-Gebiet im europäischen Schutzgebietssystem „Natura 2000“ gemeldet. Mit einer Fläche von etwa 150 ha ist sie von beachtlicher Größe. Neben dem Erhalt eines einzigartigen Lebensraumes für auentypische Pflanzen und Tiere sowie als wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet für Zugvögel erfüllt sie eine Reihe weiterer wichtiger Funktionen. Dazu gehört auch der Erhalt der weitgehend natürlichen Auenböden durch die natürliche Flussdynamik. Die naturnahe ebene Auenlandschaft mit ihren Altarmen wird in großen Teilen noch immer periodisch überflutet. Sie wirkt dadurch auch als Retentionsraum für den Hochwasserschutz. Teilweise hohe Grundwasserschwankungen, verursacht durch die Wasserstände der Ruhr, prägen weite Bereiche. Die Ruhr wurde im 19. Jahrhundert durch den Kohlebergbau in ihren natürlichen Funktionen stark beeinträchtigt. Verschmutzungen durch Abwässer aus Siedlungen, Zechen und Gerbereien sowie Wehre zur Schiffbarmachung führten zum Aussterben der meisten Fischarten. Inzwischen ist das Wasser wieder von guter Qualität und ein gewisser Fischreichtum ist zurückgekehrt. Seitdem das Gebiet unter Naturschutz gestellt wurde, wird hier kein Ackerbau mehr betrieben. Die Grünlandnutzung in Form von Wiesen und Weiden nimmt indes große Flächen in Anspruch. Daneben gibt es eine intensive Erholungsnutzung, insbesondere Wandern, Radfahren und Angeln.

(Kathrin Lipfert, LVR-Fachbereich Umwelt, 2010)

Internet
www3.lanuv.nrw.de: Ruhraue Heisingen (abgerufen 17.11.2009, Inhalt nicht mehr verfügbar 22.11.2017)

Literatur

Stadt Essen (Hrsg.) (2005)
Landschaftsplan der Stadt Essen (Landschaftsplan Essen [rechtskräftig] vom 06.04.1992, zuletzt geändert am 04.01.2005). S. 55, 28, 78-82, Essen.
Wefelscheid, Heinrich / Lüstner, Otto (1925)
Essener Heimatbuch. Herausgegeben im Auftrage der Interessengemeinschaft für Heimatschutz im Industriegebiet und der Bezirksstelle für Naturdenkmalpflege im Gebiete des Ruhrsiedlungs-Verbandes. S. 203-219, Frankfurt/Main.

Heisinger Ruhraue

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1803 bis 1806
Koordinate WGS84
51° 24′ 47,58″ N, 7° 04′ 17,53″ O / 51.41322°, 7.07154°
Koordinate UTM
32U 365891.65 5697542.15
Koordinate Gauss/Krüger
2574591.43 5698162.65

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„Heisinger Ruhraue”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-KL-20090619-0010 (Abgerufen: 23. Januar 2018)
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