Nebenfluss Wurm von der Quelle bis zur Mündung in die Rur

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Aachen, Geilenkirchen, Heinsberg, Herzogenrath, Hückelhoven, Kerkrade, Landgraaf, Übach-Palenberg, Würselen
Kreis(e): Heinsberg, Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Geilenkirchen-Trips, Burg Trips, Tripser Weg

    Geilenkirchen-Trips, Burg Trips, Tripser Weg

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  • Abschnitt der Wurm unterhalb der Baalsbrugger Mühle (2016)

    Abschnitt der Wurm unterhalb der Baalsbrugger Mühle (2016)

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Die Wurm ist ein Nebenfluss der Rur und hat eine Länge von 53 Kilometern, ihr Einzugsgebiet hat einen Umfang von 354 Quadratkilometern. Der Name hat keltischen Ursprung und geht auf die Bezeichnung „born“ ( = Wasser oder warmer Bach) zurück (Kalinka u. Schütten 1993, S. 24).
Wie die meisten Aachener Bäche entspringt sie auf den bewaldeten sandigen Höhen des Aachener Südens, am Fuß der Eifel und genauer am Quellhorizont am Fuße des Düsbergkopfes, der sich im Aachener Wald erhebt. Sie hat mehrere Quellen. Die Quellbäche sind: die nordöstliche und südöstliche Wurm, die Luttiz und die Wormel, die in den Stauweiher Aachen-Diepenbenden münden (Kalinka u. Schütten 1993, S. 16). Die Quelle der Wurm ist an sich kalt, aber im Aachener Stadtgebiet entspringen jedoch eine Vielzahl von Thermalquellen, die das Wasser der Wurm stromabwärts aufwärmen.

Die vereinigte Wurm fließt weitgehend verrohrt durch das Aachener Stadtgebiet. Bereits seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ist die Wurm in der Stadt Aachen kanalisiert worden. Sie ist deswegen im heutigen Stadtgebiet mit Ausnahme der Quelle und einem kleinen Abschnitt nördlich des Europaplatzes nicht an der Oberfläche zu sehen. Hier vereinigt sich die Wurm mit den anderen unterirdisch verrohrten Bächen in der Stadt. Es handelt sich hierbei um etwa 25 Kilometer verrohrte Gewässer.
Der Reichtum an Fließgewässern war für die wirtschaftliche Entwicklung Aachens ausschlaggebend. Die Bäche trieben die Mühlen der Tuchfabriken und Färbereien an, lieferten Trinkwasser und dienten als Abwasserkanäle. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, als der letzte von ihnen kanalisiert war, prägten sie wesentlich das Stadtbild.

Am Nordostrand der Stadt, wo die Wurm wieder zutage tritt, erhält sie große Mengen gereinigten Abwassers aus den verrohrten Stadtbächen. Durch die Versiegelung und Verrohrung gibt es außerdem wenig Geröll (Kies). Erst im Flussabschnitt bei Übach-Palenberg kann festgestellt werden, dass Geschiebe am Gewässerboden kleinkörniger wird; diese Kleinkörnigkeit behält die Wurm bis zu ihrer Mündung in die Rur bei.
Vom Europaplatz fließt sie als weitgehend begradigter Fluss bis zur A 4. Danach verfolgt sie ihren Weg in nördlicher und nordöstlicher Richtung über Herzogenrath, Übach-Pahlenberg und Heinsberg nach Heinsberg-Kempen. Dort mündet sie nach 53 Kilometern in die Rur (Kalinka u. Schütten 1993, S. 22). Zwischen der Baalsbrugger Mühle (Kerkrade) und Übach-Pahlenberg ist sie Grenzfluss. Die Grenze verläuft allerdings am östlichen Ufer und nicht in der Mitte.
Zwischen der Bundesautobahn A 4 und Übach-Pahlenberg hat der Fluss durch die vielen Mäander noch ein naturnahes Erscheinungsbild. Von Rimburg bis zur Einmündung in die Rur ist sie zwischen 1965 und 1972 reguliert und weitgehend kanalmäßig ausgebaut worden (Kalinka u. Schütten 1993, S. 24). Die Fließgeschwindigkeit hatte sich danach erhöht. Sie verläuft großenteils durch landwirtschaftliche Nutzflächen.

Die Wurm war für die kulturlandschaftliche Entwicklung ein zentraler Faktor. Die Besiedlung in ihrer Struktur war von Fließgewässern abhängig. Nach den Meliorationen mit Begradigungen und weiteren Maßnahmen ist das Gewässer an sich anthropogen verändert sowie gestaltet und dadurch als kulturlandschaftliches Linienelement zu betrachten. Die Bedeutung der Wurm ist aus kulturhistorischer Sicht, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Mühlengewerbe und der Industriegeschichte, sehr groß. Sie galt bereits im 19. Jahrhundert als ein durch Industrieabwasser stark verschmutzter Fluss. Die Wurm fließt durch das sogenannte ehemalige Wurmrevier, wo bis in den 1990er Jahren Steinkohlen abgebaut wurden. Der Kohlenschlamm führte in den 1960er Jahren zur zunehmenden Auflandung des Flussbetts. Deshalb wurde der Fluss seit 1965 reguliert. Der Kohlenbergbau hat dem Fluss und seiner Wasserqualität erheblich zugesetzt. Bis zur Einstellung des Kohlenbergbaus war der Fluss verschmutzt. Denn die Wurm wurde zu erheblichen Teilen durch die Abwässer der Zechen gespeist, eine sogenannte „schwarze Brühe“. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte man sogar den schwarzen Uferschlamm trocknen und für Heizzwecke benutzen. Nach der Einstellung des Kohlenbergbaus wurde die Wasserqualität ständig verbessert.

Die Wurm ist vor allem in den städtischen Bereichen begradigt und verrohrt sowie außerhalb der städtischen Siedlungsflächen an manchen Stellen eingedeicht. Nach der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union wird der Fluss nach dem Trittsteinprinzip renaturiert. Der Fluss kann außerhalb der städtischen Siedlungsflächen wieder mäandrieren und erhält seine Auenflächen als natürliche Überschwemmungsflächen zurück. Hierbei soll allerdings berücksichtigt werden, die wasserbauliche Infrastruktur der Wassermühlen erhalten wird.

(Peter Burggraaff u. Klaus-Dieter Kleefeld: Kartierung zur Datenerfassung im Kreis Heinsberg 2001 im Auftrag des LVR-Fachbereich Umwelt / Jan Spiegelberg, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e. V., 2016 / LVR-Fachbereich Regionale Kulturarbeit, Abteilung Landschaftliche Kulturpflege, 2016 / Peter Burggraaff, Universität Koblenz-Landau, 2017)

Internet
www.wver.de: Wasserverband Eifel-Rur, Die Wurm (abgerufen 02.05.2017)
de.wikipedia.org: Wurm (Rur) (abgerufen 28.02.2017)

Literatur

Kalinka, Günter; Schütten, Jakob (1993)
Naturraum Wurmtal. S. 16, 22, Herzogenrath.
Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2010)
Jakobswege. Wege der Jakobspilger in Rheinland und Westfalen, Band 9: In 9 Etappen von Dortmund über Essen und Düsseldorf nach Aachen, mit einer Variante über Mülheim an der Ruhr und Duisburg. S. 222, Köln.

Nebenfluss Wurm von der Quelle bis zur Mündung in die Rur

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Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
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Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Koordinate WGS84
51° 03′ 22,86″ N, 6° 08′ 41,16″ O / 51.05635°, 6.14477°
Koordinate UTM
32U 299909.56 5659970.24
Koordinate Gauss/Krüger
2510193.89 5657925.03

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„Nebenfluss Wurm von der Quelle bis zur Mündung in die Rur”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-KKL-20081012-0001 (Abgerufen: 16. November 2018)
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