Bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Paderborn, Zusammenfluss von Altenau und Alme sowie Almetal (KLB 07.03)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Raumplanung
Gemeinde(n): Bad Lippspringe, Bad Wünnenberg, Borchen, Büren, Lichtenau (Nordrhein-Westfalen), Paderborn, Salzkotten, Schlangen
Kreis(e): Lippe, Paderborn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Paderborn und der Raum um den Zusammenfluss von Altenau und Alme sowie das Almetal sind hier beschrieben als bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich (KLB) wie im Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen.

Nach der fränkischen Eroberung Sachsens wurde die Region um die Pader- und Lippequellen zum Kernraum der neu entstandenen Frankenherrschaft. Der Bedeutung Paderborns entspricht es, dass dieser Ort zum Pfalz- und Bistumssitz ausgebaut und mit Gebäuden ausgestattet wurde. Deren archäologische Untersuchung hat hervorragende Ergebnisse zur Frühzeit Paderborns erbracht. Wirtschaftlicher Mittelpunkt der karolingischen und hochmittelalterlichen Epoche war dagegen die Ortschaft Balhorn am Übergang des Hellwegs über die Alme, deren Standort ebenfalls in Teilen mit guten Ergebnissen ergraben wurde.

Den Konkurrenzkampf zwischen beiden Zentren, die nur zwei km auseinander liegen, gewann Paderborn, während Balhorn im frühen 14. Jahrhundert wüst fiel. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt Paderborn stark zerstört. Da seitdem ihr Potential fast nur noch im Boden erhalten ist, gilt Paderborn landesweit als „die Stadt der Archäologie“.

Konstituierende Merkmale aus dem Bestand an Bodendenkmälern sind der gesamte Stadtkern von Paderborn (insbesondere mit Kaiserpfalzen, Dom, Steinbruch „Grube“ u.a.) sowie die erhaltenen Reste der mittelalterlichen Wüstung Balhorn.

Rings um die Mündung der Altenau in die Alme gibt es eine seltene Konzentration jungneolithischer Denkmäler. Im Altenautal sind das die Großsteingräber von Atteln (eins von zwei überdacht und mit Besucherparkplatz versehen), Henglarn (eins von zwei obertägig sichtbar), Etteln (eins, sichtbar) und Kirchborchen (zwei, beide sichtbar), an der Alme die Großsteingräber von Wewelsburg (zwei) und weiter flussabwärts die Grabkammer von Schloss Neuhaus bei Paderborn, die unsichtbar im Boden erhalten sind. Hinzu kommen die sog. Erdwerke (große Grabeneinhegungen, deren kultische und/oder gesellschaftliche Deutung noch nicht klar ist) von Brenken, Oberntudorf und Kirchborchen, deren Gräben ohne Ausgrabung nur als Luftbildspuren in Erscheinung treten. Zusammen mit der dazwischen gelegenen eisenzeitlichen bis mittelalterlichen Wallburg Gellinghausen und der archäologischen Abteilung des Kreismuseums Wewelsburg lassen sich diese Bodendenkmäler sinnvoll vernetzen und kulturtouristisch besser erschließen, als es gegenwärtig der Fall ist. Vorstellbar wäre zumindest ein interkommunaler Kulturwanderweg mit Wanderführer und einheitlichen Erläuterungstafeln vor Ort.

Das Almetal, überwiegend in der Kulturlandschaft „Paderborner Hochfläche - Diemeltal“ gelegen, ist ein typisches Beispiel für das Kulturlandschaftsmosaik der Paderborner Hochfläche, bestehend aus dem tief in die überwiegend ackerbaulich genutzte Hochfläche eingeschnittenen Almetal, das im weiteren Verlauf als Trockental ausgebildet ist und an dessen steilen Talhängen Halbtrockenrasen und Kalktriften als Zeugnisse historischer Landnutzungen vorkommen.

Im Tal der Alme dokumentieren Baudenkmäler die wesentlichen Elemente der Kulturlandschaft und ihrer Entwicklung vom 16. bis ins 20. Jahrhundert.

Konstituierende Merkmale aus dem Bestand an Bodendenkmälern sind die Großsteingräber von Borchen, Büren und Lichtenau, die jungsteinzeitlichen Erdwerke von Borchen, Büren und Salzkotten-Oberntudorf und die mehrperiodige Wallburg von Gellinghausen (Borchen).

Konstituierende Merkmale aus dem Bestand an Baudenkmälern:
Graffeln (Mühle, Herrenhaus), Wewelsburg (Burg, Almebrücke), Kloster Böddeken (mit Meinolphuskapelle und Ortswüstung Kerkberg), Brenken (Kirche, Erpernburg und Niederburg), Büren (Jesuitenkolleg mit Nebenbauten, Jesuitenkirche, Altstadt, Pfarrkirche, Niedern- und Mittelmühle), Kloster Holthausen, Eisenbahnlinie.

Aus: Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen. Münster, Köln. 2007

Internet
Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung in NRW (Abgerufen: 03.10.2015)

Literatur

Landschaftsverband Westfalen-Lippe; Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2007)
Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung in Nordrhein-Westfalen. Grundlagen und Empfehlungen für die Landesplanung (Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen / Fachgutachten zum Kulturellen Erbe in der Landesplanung). S. 73, Münster, Köln.

Bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Paderborn, Zusammenfluss von Altenau und Alme sowie Almetal (KLB 07.03)

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Raumplanung
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 2001
Koordinate WGS84
51° 38′ 46,31″ N, 8° 42′ 5,02″ O / 51.6462°, 8.7014°
Koordinate UTM
32U 479339.44 5721730.79
Koordinate Gauss/Krüger
3479404.91 5723579.96

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„Bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Paderborn, Zusammenfluss von Altenau und Alme sowie Almetal (KLB 07.03)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-EK-20080730-0049 (Abgerufen: 23. März 2017)
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