Landesbedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Römische Straße Köln-Heerlen (KLB 24.03)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Raumplanung
Gemeinde(n): Aldenhoven, Baesweiler, Bergheim (Nordrhein-Westfalen), Elsdorf (Nordrhein-Westfalen), Frechen, Herzogenrath, Jülich, Köln, Pulheim, Übach-Palenberg
Kreis(e): Düren, Heinsberg, Köln, Rhein-Erft-Kreis, Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Ausschnitt aus der "Tabula Peutingeriana" mit dem Rheinland zwischen Maas, Mosel und Rhein.

    Ausschnitt aus der "Tabula Peutingeriana" mit dem Rheinland zwischen Maas, Mosel und Rhein.

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Die Römische Straße Köln-Heerlen ist hier beschrieben als landesbedeutsamer Kulturlandschaftsbereich (KLB) wie im Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen.

In römischer Zeit waren der Rhein und die Atlantikküste am Ärmelkanal durch die Fernstraße von Köln nach Boulogne-sur-Mer verbunden. Etwa 60 km dieses überregional bedeutenden europäischen Bodendenkmals liegen heute auf rheinischem Boden, von dort aus verläuft die Straße durch die niederländische Provinz Zuid Limburg, über die Wallonie in Belgien und das Departement Nord-Pas de Calais zur Küste an den Ärmelkanal.
Gebaut wurde die Straße vermutlich bereits zur Zeit des Kaisers Augustus und diente der West-Ost Erschließung der eroberten Gebiete in den Provinzen Niedergermanien und Belgica. Kaiser Claudius nutzte diese Verkehrsader für die Eroberung Großbritanniens, auf ihr fanden die Truppenbewegungen an die Küste statt.
Im Rheinland durchquert die Römerstraße ausgehend von Köln (CCAA), der ehemaligen Hauptstadt der Provinz Niedergermanien, Frechen, Bergheim, Elsdorf, Jülich, Aldenhoven, Baesweiler und Übach-Palenberg. Ihre Trasse verläuft in leichter Süd-West-Richtung durch die fruchtbare Lösslandschaft bis sie Rimburg an der heutigen Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland erreicht.

Kennzeichnendes Merkmal dieser Fernstraße ist die einheitliche Bauweise in meist geradlinigen Abschnitten, die heute noch in der Landschaft gut zu verfolgen sind. Sie besteht aus einem im Laufe der Jahre verbreiterten Straßendamm und meist zwei begleitenden Straßengräben. Ihr Aufbau ist durch zahlreiche archäologische Untersuchungen – wie z.B. im Staatsforst Ville und im Tagebau Hambach – umfassend belegt. Im Staatsforst Ville westlich Frechen ist die Straße heute noch als Damm deutlich unter dem Baumbewuchs auf einer Strecke von ca. 1,2 km zu erkennen.
Anfang des 20. Jahrhunderts hob sie sich noch als durchschnittlich 14-18 m breite und bis zu 1,30 m hohe Bahn von ihrem Umfeld ab. 1964 führte Wilhelm Piepers eine Untersuchung im Bereich des Straßenkörpers durch und legte eine Sondage an. Die beiderseits von Gräben begleitete Straße wies von Grabenmitte zu Grabenmitte eine Breite von 24,80 m auf. Der eigentliche bekieste Straßenkörper ist stets schmaler. Seine Breite schwankt von 4,90 m bei Anlage der Straße bis zu 7 m in der letzten Ausbauphase.
Die vielen übereinander liegenden dünnen Kiesbänder entsprechen wiederholten Ausbesserungen und Verbreiterungen des Straßenkörpers. Die zum Straßenkörper gehörigen jeweiligen seitlichen Sandaufschüttungen werden vom Ausgräber als „Sommerwege“ interpretiert.
Die Straße ist in ihrem Verlauf fast vollständig lokalisiert. Zwischen Köln und Jülich ist sie bis in unsere Zeit über weite Strecken als Straße erhalten geblieben (K 33 und B 55 alt) und wird heute noch als solche genutzt. Der Abschnitt der Straße von Jülich nach Rimburg verlor in nachrömischer Zeit seine Funktion als überregionale Verkehrsader und wurde von einer landwirtschaftlich genutzten Landschaft überprägt. Stattdessen gewann die Verbindung Jülich-Aachen an Bedeutung. Beschreibungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert geben aber an, dass die Trasse der Römerstraße Köln-Rimburg in den Feldern noch deutlich zu sehen war. Heutzutage ist sie auf der Erdoberfläche nicht mehr zu erkennen, nur einzelne, meist kurze Abschnitte werden als Feldwege oder Hauptstraßen in einzelnen Orten genutzt.

Dennoch sind Lage und Verlauf der römischen Fernstraße auch im Bereich zwischen Rurtal bei Jülich und Rimburg an der niederländischen Grenze bekannt. Die Lokalisierung der Fernstraße auf der Lösshochfläche zwischen Rurtal und Boscheln (Stadt Übach-Palenberg) gelang Gunter Amtmann durch systematische Erkundung aus der Luft in den Jahren 1981 bis 1984. Er konnte die Straße fast lückenlos auf einer Länge von circa 8 km dokumentieren. Die Straßentrasse ist im Luftbild deutlich an den begrenzenden Gräben zu erkennen.

Die Römerstraße von Köln nach Boulogne-sur-Mer ist eine bedeutende überregionale Fernstraße, die die Hauptstadt der Provinz Niedergermanien Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) mit dem Atlantik verband. Der Verlauf dieser römischen Hauptverkehrsachse ist durch die Tabula Peutingeriana, eine Karte, die das Straßennetz in spätrömischer Zeit wiedergibt, überliefert.

Entlang dieser Römerstraße lagen geschlossene Siedlungen, sog. vici wie in Jülich, Baesweiler oder auch Rimburg sowie verschiedene Einrichtungen, die einerseits zur Organisation und Sicherung des Verkehrs, andererseits zur Unterbringung der Reisenden dienten. In römischer Zeit erschloss die Straße den Zugang zu den römischen Gutshöfen (villae rusticae), die in unterschiedlicher Entfernung an beiden Seiten der Straße gelegen haben. Bereits ab der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. wird entlang der Straße außerhalb der jeweiligen geschlossenen Siedlungen bestattet. Auch die zu den villae rusticae gehörenden Grabanlagen lagen oft an der Straße.

Spezifische Ziele und Leitbilder:
  • Erhalt der archäologischen Substanz;
  • Stärkung der historischen Wahrnehmung.
Aus: Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen. Münster, Köln. 2007

Internet
Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung in NRW (Abgerufen: 10.10.2013)

Literatur

Landschaftsverband Westfalen-Lippe; Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2007)
Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung in Nordrhein-Westfalen. Grundlagen und Empfehlungen für die Landesplanung (Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen / Fachgutachten zum Kulturellen Erbe in der Landesplanung). S. 88, Münster, Köln.

Landesbedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Römische Straße Köln-Heerlen (KLB 24.03)

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Raumplanung
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 2001
Koordinate WGS84
50° 55′ 43,22″ N, 6° 30′ 50,42″ O / 50.92867°, 6.51401°
Koordinate UTM
32U 325302.72 5644836.35
Koordinate Gauss/Krüger
2536180.98 5643837.52

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„Landesbedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Römische Straße Köln-Heerlen (KLB 24.03)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-EK-20080730-0023 (Abgerufen: 23. September 2017)
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