Germanische Siedlung in Überruhr-Hinsel

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Der bedeutendste römisch-kaiserzeitliche Fundplatz in Essen wurde bereits in den 1960er und 1970er Jahren ausgegraben. Damals dokumentierte man zahlreiche Funde und Befunde einer germanischen Siedlung. Es fanden sich Reste von mindestens zwölf Bauten, Abfallgruben, ein Rennfeuerofen und ein Brandgrab. Neben den Pfostenbauten gab es die so genannten Grubenhäuser, bei denen der Fußboden in die Erde eingetieft ist. Sie werden allgemein als Hütten beschrieben, in denen bevorzugt handwerkliche Tätigkeiten durchgeführt wurden (beispielsweise das Weben).
Im Rennfeuerofen bereitete man Raseneisenerz auf, das in der nahe liegenden Ruhrniederung aufgesammelt wurde. Das hier gewonnene Eisen wurde wohl direkt vor Ort weiter verarbeitet, da die Produktion nur eines Ofen als zu gering für einen Export in das Römische Reich angesehen wird.
Es bestanden Kontakte in das Römische Reich, wie importierte römische Keramik und eine Venus-Statuette aus Ton belegen. Hinzu kommen Funde einer römischen Zwiebelknopffibel und römischer Münzen. Darüber hinaus fanden sich, neben zahlreichen Scherben einheimisch-germanischer Produktion auch Handmühlen aus Basalt, eine eiserne Pferdetrense und eiserne Messer. Diese Funde erlauben die Datierung der Siedlungstätigkeiten im 2. bis 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Nach bisherigem Kenntnisstand ist anzunehmen, dass hier germanische Brukterer lebten.
Bei den archäologischen Untersuchungen fanden sich auch Reste einer Befestigungsanlage aus einem Graben und einer Palisade. Allerdings ist nicht eindeutig geklärt, ob diese auch zur germanischen Siedlung oder jünger datiert. Des Weiteren gibt es durch Einzelfunde von Feuersteinpfeilspitzen, Felsgesteinäxten und Keramikscherben deutliche Hinweise darauf, dass dieser Platz bereits in den Jüngeren Steinzeiten und in der Bronzezeit genutzt wurde.

(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2010)

Literatur

Hopp, Detlef (2002)
Essen vor der Geschichte. Die Archäologie der Stadt bis zum 9. Jahrhundert. In: Borsdorf, Ulrich (Hrsg.), Essen. Geschichte einer Stadt, S. 20-57. S. 45 f., Bottrop, Essen.
Schumacher, Erich (1970)
Ein germanischer Eisenverhüttungsplatz in Essen-Überruhr. (Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen 85.) S. 5-12. Essen.

Germanische Siedlung in Überruhr-Hinsel

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archäologische Grabung
Historischer Zeitraum
Beginn 101 bis 200, Ende 301 bis 400
Koordinate WGS84
51° 25′ 36,13″ N, 7° 04′ 20,24″ O / 51.4267°, 7.07229°
Koordinate UTM
32U 365983.35 5699040.61
Koordinate Gauss/Krüger
2574621.72 5699663.97

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„Germanische Siedlung in Überruhr-Hinsel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-CW-20090904-0001 (Abgerufen: 24. September 2017)
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