Ringwall Alteburg in Heidhausen

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Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Ringwall Alteburg in Heidhausen

    Ringwall Alteburg in Heidhausen

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Auf einer durch zwei tief eingeschnittene Bachtäler isolierten Höhe des Pastoratsberges liegt wenige hundert Meter südlich der Herrenburg eine weitere Ringwallanlage, die Alteburg. Die jüngsten Untersuchungen und Funde belegten einen eisenzeitlichen Ringwall, der wahrscheinlich im 3. bis 1. Jahrhundert vor Christus genutzt worden ist. Nachdem die Anlage im 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung aufgegeben wurde, verfiel sie, bevor man sie im 7./8. Jahrhundert wieder aufgesuchte und erneut zu einer wehrhaften Anlage ausgebaut. Der nördlichere, Teufelssiepen genannte Bach stürzt in steilem, kurzem Lauf zur Ruhr hinunter, der südlichere fließt in einem breiteren und tieferen Taleinschnitt, der die Erhebung, auf der die Alteburg liegt. Der heute Peperbach genannte Bach trug ursprünglich den Namen »Borbeck« - hochdeutsch Burgbach -‚ unter dem er in den Gründungsurkunden von Werden um 800 als Besitzgrenze erscheint. Dies setzt die Existenz der Alteburg bereits zu jener Zeit voraus. In den historischen Urkunden des Mittelalters und der Neuzeit wird die Alteburg wiederholt genannt und war demnach im Bewusstsein der Werdener Bevölkerung stets gegenwärtig. In der Einsattelung östlich der Burganlage, die zum Teil vom Gelände der Vorburg eingenommen wird, befindet sich eine alte Hofstelle (Kotten), die sich im Besitz der Werdener Abtei befand und bereits 1404 unter der Bezeichnung »Alde borch - Oldeborch« urkundlich erwähnt ist. Sie erhielt sich bis in die jüngste Zeit hinein im Besitz der nach ihr benannten Aufsitzerfamilie »Alteburg«.
Die von der Alteburg eingenommene Fläche misst 400 x 200 Meter, etwa 6 Hektar. Das lang gestreckte Burgareal gliedert sich in eine untere, sanft zur Ruhr nach Westen hin geneigte Fläche und einen von ihr abgehobenen, lang gestreckten Höhenzug im Osten, der sie hoch überragt. Die Befestigung besteht aus einem sich längs der Anhöhe im Osten hinziehenden Doppelwallsystem mit vorliegenden Gräben, das etwa vor dem Beginn des unteren, südlichen Drittels endet. Dort setzt - stark nach innen versetzt - ein einfacher Wallzug an, dem ein sehr gut ausgearbeiteter Sohlgraben vorliegt. Der Vorsprung deutet auf eine hier befindliche Toranlage, die bei den Ausgrabungen in den Jahren 1923-1926 auch nachgewiesen werden konnte. Sie erhielt die Bezeichnung »Steintor«, da die Torgasse mit Steinen gepflastert war und das Tor allem Anschein nach einen aus Steinen aufgemauerten und überwölbten Durchgang besaß.
Im südlichen Abschnitt des einfachen Walles wurde von den Ausgräbern eine weitere Toranlage nachgewiesen, welche den Hauptzugang zur Befestigungsanlage gebildet zu haben scheint. Sie befand sich etwa an der Stelle, an der heute der Kutschenweg hinaufführt. Auch an der südlichen Spitze soll sich ein Durchlass befunden haben. Ein Grabenstück vor ihm wird von den Ausgräbern als »Wolfsgrube« bezeichnet.
Dem Gelände folgend, zieht sich entlang der Geländekante über dem Tal der Borbecke ein Wallzug von der Südspitze nach Norden hinauf, er endet nach etwa 50 Meter. Im oberen Abschnitt liegt ihm ein Graben vor. Vom Wallende zieht sich eine sehr gut ausgebildete und gerade geführte Terrasse nach Norden hinauf. In einem deutlichen Abstand zurückversetzt trafen die Ausgräber fünf unterschiedlich lange Mauerstücke an. Nicht geklärt werden konnte, ob die Terrasse und diese Mauerstücke die ursprüngliche Befestigung hier auf der Westseite der Anlage gebildet haben, oder ob sie als Teile einer nicht fertig gestellten Erweiterung zu betrachten sind. Hierauf deuten ein nur schwach ausgeprägter Wallzug sowie eine Terrasse hin, die östlich parallel verlaufen. Am oberen Ende der großen Terrasse setzt ein etwas übergreifender Wallzug an, der sich in nordöstlicher Richtung nach oben zum Teufelssiepen hinauf- zieht und an seinem Rand endet. Etwas weiter östlich dürfte auch das östlich umfassende Doppelwallsystem angesetzt haben. Es wurde in diesem Bereich - also am Nordende der Befestigung - beim Bau eines in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts errichteten Gebäudes (heute Altersheim) zerstört. Bei den Ausgrabungen 1923-1926 wurde als Verstärkung des Hauptwalles im Osten eine Mörtelmauer nachgewiesen. Der Durchlass zwischen dem Terrassenende im Westen und dem dort ansetzenden Wallzug wurde von den Ausgräbern als »Wassertor« bezeichnet, da man durch ihn zur Ruhr hinunter gelangen konnte. Das dem Doppelwall vorliegende, leicht nach Osten geneigte Gelände weist als östliche Begrenzung eine sehr gerade geführte Terrassenkante auf, vor der sich der Quelltopf des Teufelssiepens befindet. Wo die Terrassierung am Doppelwall ansetzt, zeichnet sich zudem eine leichte Erhöhung ab. Hieraus kann geschlossen werden, dass das von der Terrasse eingeschlossene Gelände ursprünglich als Vorburg zur Befestigungsanlage gehört hat und wohl auch mit einem Wall umschlossen gewesen ist.
Hinweise auf die frühmittelalterliche Zeitstellung der Anlage ergeben sich aus der Erwähnung des Burgbaches in den Werdener Gründungsurkunden, denen zufolge sie schon vor 800 existiert haben muss. Das Vorhandensein der Mörtelmauer sowie des aus Bruchsteinen auf geführten Tores lässt ebenfalls auf karolingische Zeitstellung schließen. Im Bereich des Wassertores fanden sich zudem Scherben von Tongefäßen aus dem Beginn und der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, die zumindest den Schluss erlauben, dass sich zu jener Zeit dort Menschen aufgehalten haben. Auch konnte nachgewiesen werden, dass die Alteburg wenigstens einmal im Mittelpunkt kriegerischer Auseinandersetzungen gestanden hat. Es fanden sich starke Brandspuren im Bereich des Haupttores, ferner zeigte sich, dass Mauer und Wall südlich des Steintores in beträchtlicher Länge zerstört und durch einen etwas zurückgesetzten neuen Zug ersetzt worden sind. Er musste durch eine Flankenmauer mit der alten Mauer verbunden werden.
Deutung und Zuweisung der Anlage wurden bisher erschwert, weil schriftliche Überlieferungen von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Franken und Sachsen im Umkreis der unteren Ruhr fehlen, zumal auch aufgrund der archäologischen Quellenlage in diesem Bereich von einem Siedlungsbeginn um oder kurz vor 800 ausgegangen werden musste. Genauere Bestimmungen des vorliegenden Fundmaterials sowie Neufunde haben jedoch ergeben, dass das untere Ruhrtal sowie andere Teile des Essener Stadtgebietes nordwärts der Ruhrhöhen bereits um oder nach 700 eine, wenn auch wohl schwache Besiedlung aufwiesen. Der vergessene merowinger- und karolingerzeitliche Friedhof von Mülheim-Saarn und die Grabfunde von Essen-Altenessen sprechen ebenfalls dafür. Danach nun erklärt sich das Vorhandensein einer Volksburg von der Größe der Alteburg recht zwanglos.
Die bisher veröffentlichten Pläne von der Alteburg, die auf den während der Grabungen vorgenommenen Vermessungen beruhen, vermitteln ein teilweise hypothetisches Bild von der Anlage. So wurden die Wallzüge der Vorburg vornehmlich aufgrund topographischer Gegebenheiten erschlossen. Auch die Angabe eines Abschnittswalles vom südlichen Abschnitt der Westseite zur Ruhr hin - die einige Pläne enthalten - beruht auf Annahmen. Der neue Plan enthält dagegen ausschließlich die erhaltenen und nachweisbaren Teile der Befestigungsanlagen und differenziert darüber hinaus nach deren Art und Erhaltungszustand, weist also auch zerstörte Teile - wie den Abschnitt im oberen Teil des Doppelwallsystems, der bei Anlage eines Schützenplatzes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingeebnet wurde - aus. Der in den Hauptwall eingebaute Schießstand ist ebenfalls darin eingetragen.
Eine Neubearbeitung der Funde von der Alteburg ergaben 1998 überraschende Ergebnisse. So waren bei den Grabungen des 20. Jahrhunderts Feuerstein-Artefakte gefunden worden, die als erste Hinweise auf Siedlungen der Jüngeren Steinzeit zu werten sind. Eine frühbronzezeitliche Tasse aus Keramik verdeutlicht die menschliche Nutzung des Berges in dieser Zeit. Und weitere Funde aus den frühen Grabungen belegen erneut die eisenzeitliche Besiedlung.

Die Alteburg ist eingetragenes Bodendenkmal (LVR-ABR E 5, Denkmalliste Essen, laufende Nr. BoD 34, Eintragungstext siehe PDF-Datei in der Mediengalerie).

(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2010)

Literatur

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Die große Unbekannte auf dem Pastoratsberg: Die Alteburg. In: Detlef Hopp (Hrsg.): Unter unseren Füßen. Ein archäologischer Streifzug durch Werden, S. 21-23. Essen.
Brand, Cordula / Hopp, Detlef (1999)
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Brand, Cordula / Hopp, Detlef (1995)
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Hopp, Detlef (2002)
Essen vor der Geschichte. Die Archäologie der Stadt bis zum 9. Jahrhundert. In: Borsdorf, Ulrich (Hrsg.), Essen. Geschichte einer Stadt, S. 20-57. S. 40 f., Bottrop, Essen.
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Ausgrabungen auf der Alteburg in Essen-Werden im Frühjahr 1992. In: Essen gräbt, Archäologie 1992, S. 74 ff.. Essen.
Kahrs, E. (1924)
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Kahrs, Ernst (1949)
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Die Alteburg in Essen-Werden. In: Bonner Jahrbücher 178, S. 605-624. Köln, Bonn.
Uslar, Rafael von (1964)
Studien zu frühgeschichtlichen Befestigungen zwischen Nordsee und Alpen. (Beihefte der Bonner Jahrbücher 11.) S. 40 ff., Köln.

Ringwall Alteburg in Heidhausen

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Archäologische Grabung
Historischer Zeitraum
Beginn -400 bis -1, Ende 600 bis 800
Koordinate WGS84
51° 22′ 36,09″ N, 6° 59′ 50,52″ O / 51.37669°, 6.99737°
Koordinate UTM
32U 360623.14 5693619.1
Koordinate Gauss/Krüger
2569486.7 5694026.37

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„Ringwall Alteburg in Heidhausen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-CW-20090514-0005 (Abgerufen: 26. Juli 2017)
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