Judenfriedhof bei Binsförth

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Morschen
Kreis(e): Schwalm-Eder-Kreis
Bundesland: Hessen
  • Judenfriedhof in Binsförth, Gemeinde Morschen (2009)

    Judenfriedhof in Binsförth, Gemeinde Morschen (2009)

    Copyright-Hinweis:
    Büttner, Thomas / LfD Hessen
    Fotograf/Urheber:
    Büttner, Thomas
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  • Judenfriedhof in Binsförth, Gemeinde Morschen (2009)

    Judenfriedhof in Binsförth, Gemeinde Morschen (2009)

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Der Judenfriedhof von Binsförth (Gemeinde Morschen) ist die älteste jüdische Grablege Nordhessens. Die exponierte Lage am Waldrand der Wichter Höhe ermöglicht einen Blick auf die im Fuldatal gelegene Dorfkirche von Binsförth. Das Friedhofsgelände wurde Mitte des 17. Jahrhunderts von den Rittergutsbesitzern von Baumbach der jüdischen Gemeinde Beiseförth geschenkt, die im Nachbarort ansässig war (heutige Gemeinde Malsfeld) (alemannia-judaica.de, Friedhof Binsförth).

Die Entstehung der bis nach 1933 existierenden jüdischen Gemeinde in Beiseförth, der auch die in Binsförth, Malsfeld, Neumorschen und Rengshausen lebenden Menschen jüdischen Glaubens angehörten, reicht möglicherweise bis in die Zeit des 16./17. Jahrhunderts zurück. So werden 1542 erstmals Juden aus Beiseförth genannt. Anlass war die Klage des Juden Lipmann aus Beiseförth, der bei Fladungen beraubt worden war (nachzulesen unter Nr. 357 im Gemeinschaftlichen Hennebergischen Archiv). Auch lässt sich für die Zeit um 1600 jüdischer Hausbesitz in Beiseförth nachweisen. So geht aus dem „Maltzfeldischen Exercitenbuch“ des Rittmeisters Geörgen von Scholley u.a. hervor, dass „am 7. Juni 1654 'Borges Katz, der Erbjude, mit anderen von Beyseförth Handreichungen an dem Backofen der Rockenmühle gethan'.“ Als „Erbjude“ wurde ein Mensch jüdischen Glaubens bezeichnet, dessen Familie seit zwei oder mehr Generationen im Dorf ansässig war (vgl. Dippel 1998, S. 89).

Der bis 1937 genutzte Judenfriedhof in Binsförth „war – bis zur teilweisen Anlage eigener Friedhöfe – gemeinsamer Friedhof der jüdischen Gemeinden (bzw. in folgenden Orten lebenden jüdischen Familien): Melsungen, Spangenberg, Beiseförth, Binsförth, Neumorschen, Heinebach, Röhrenfurth, Malsfeld, Rengshausen, Nenterode.“ (alemannia-judaica.de, Friedhof Binsförth).

Grabsteine
Auf dem 55,4 Ar (5.540 Quadratmeter) großen Friedhofsgelände sind im ältesten Bereich noch etwa 39 Grabsteine vorhanden (Arnsberg 1971). Die älteste lesbare Inschrift eines Grabdenkmals ist aus dem Jahr 1694 (Ruben ben Jecheskel Segal) (alemannia-judaica.de, Friedhof Binsförth). Nach der von der „Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen“ durchgeführten Erhebung, die im digitalen Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen (LAGIS) des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde in Marburg eingestellt ist, sind für den jüdischen Friedhof in Binsförth 257 Grabsteine aus der Zeit von 1694 bis 1937 nachgewiesen (LAGIS Hessen).

(Thomas Büttner für LfD Hessen, 2013)

Der Judenfriedhof bei Morschen-Binsförth war KuLaDig-Objekt des Monats im August 2013.

Quelle
Gemeinschaftliches Hennebergisches Archiv, Sektion IV, Nr. 357, Thüringisches Staatsarchiv Meiningen (vgl. Alemannia Judaica, Synagoge Binsförth)

Internet
www.alemannia-judaica.de: Friedhof Binsförth (abgerufen: 29. Oktober 2011)
www.alemannia-judaica.de: Synagoge Binsförth (abgerufen: 10. September 2011)
lagis.online.uni-marburg.de, LAGIS Hessen: Binsförth, Jüdischer Friedhof, 1/257 (abgerufen: 06. Mai 2013)

Literatur

Arnsberg, Paul / Landesverband der jüdischen Gemeinden in Hessen (Hrsg.) (1971)
Die jüdischen Gemeinden in Hessen, Anfang-Untergang-Neubeginn. Frankfurt/Main.
Dippel, Walter / Heimat- und Verkehrsverein Beiseförth e.V. (Hrsg.) (1998)
Die ehemalige jüdische Gemeinde in Beiseförth. In: Beiseförth - Geschichte eines Dorfes. Chronik zur 650-Jahr-Feier 1998, S. 89-93. Beiseförth.
Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde / Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen (Hrsg.) (o.J.)
Jüdische Friedhöfe. Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Marburg. Online verfügbar: http://lagis.online.uni-marburg.de/de/subjects/index/sn/juf, abgerufen am 22.02.2013
Jäger, Friedrich / Gemeinde Binsförth (Hrsg.) (1963)
700 Jahre Binsförth. Binsförth.

Judenfriedhof bei Binsförth

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kulturdenkmal gem. § 9 DSchG Hessen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1694
Koordinate WGS84
51° 03′ 50,08″ N, 9° 34′ 0,52″ O / 51.06391°, 9.56681°
Koordinate UTM
32U 539718.11 5657084.98
Koordinate Gauss/Krüger
3539808.02 5658908.89

Empfohlene Zitierweise

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„Judenfriedhof bei Binsförth”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-TB-20121228-0001 (Abgerufen: 17. November 2018)
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