Landesbefestigungen 1917, Bunker und Deckungsgräben am Eltenberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Emmerich am Rhein
Kreis(e): Kleve (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Karte der beiden Verteidigungsanlagen des Ersten Weltkrieges am Eltener Berg und im Reichswald bei Kranenburg (2014).

    Karte der beiden Verteidigungsanlagen des Ersten Weltkrieges am Eltener Berg und im Reichswald bei Kranenburg (2014).

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  • Reste eines gesprengten Bunkers der Verteidigungsanlage am Eltener Berg bei Emmerich (2010)

    Reste eines gesprengten Bunkers der Verteidigungsanlage am Eltener Berg bei Emmerich (2010)

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  • Graben der Landesbefestigungen von 1917 am Eltenberg bei Emmerich (2012)

    Graben der Landesbefestigungen von 1917 am Eltenberg bei Emmerich (2012)

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  • Innenraum eines gesprengten Bunkers der Landesbefestigungen von 1917 am Eltenberg bei Emmerich (2012)

    Innenraum eines gesprengten Bunkers der Landesbefestigungen von 1917 am Eltenberg bei Emmerich (2012)

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  • Graben der Landesbefestigungen von 1917 am Eltenberg bei Emmerich (2010)

    Graben der Landesbefestigungen von 1917 am Eltenberg bei Emmerich (2010)

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An der Grenze zum Königreich der Niederlande ließ die Oberste Heeresleitung des kaiserlichen Heeres 1916 bis 1917 auf der rechten Rheinseite eine Landesbefestigung errichten, die aus mehreren Grabenstellungen und einzelnen Bunkern bestand. Die Anlagen lagen an der Nordwestspitze des Reichsgebietes, südlich der niederländischen Ortschaft Beek und erstreckten sich auf 3,8 Kilometern nach Südwesten bis an den Fuß der Endmoräne bei Elten. Auf der linken Rheinseite zwischen Kleve-Donsbrüggen und dem Reichswald bei Kranenburg erstreckt sich eine vergleichbare Befestigung auf 12,5 Kilometer. Die 1916/17 angelegten Gräben und Bunker mussten gemäß des Versailler Vertrages 1921 verfüllt und gesprengt werden, so dass heute nur ein Teil der Befestigungen erhalten sind. Die Befestigungen bestanden aus drei Linien von Lauf- und Deckungsgräben sowie einzelnen Bunkern in der ersten und zweiten Linie, die als Unterstände dienten.

Das interessante an den Befestigungsanlagen bei Emmerich und Kranenburg ist die Einmaligkeit einer solchen linearen Befestigungsanlage innerhalb des ehemaligen Deutschen Reichsgebietes. Es wird eine gezielte Sicherung des Rheins gegenüber den Niederlanden deutlich, das sich im Ersten Weltkrieg neutral verhielt und von dieser Neutralität bis zum Ende des Krieges nicht abgegangen ist. Trotzdem scheint die Reichsführung eine gewisse Unsicherheit in dieser Frage beschäftigt zu haben, so dass sie den Bau dieser Befestigungen veranlasst hat.

Die Befestigung bei Emmerich begann unmittelbar an der Grenze zu den Niederlanden. Durch die Gebietsabtretungen nach dem Zweiten Weltkrieg liegt ein Abschnitt der Befestigung heute nördlich der Autobahn A 3 in den Niederlanden. Westlich der Autobahn erstrecken sich die Befestigungen in einem Streifen von ca. 500 Metern‚ entlang des Westhanges des Höhenrückens auf Hochelten zu und weiter bis zur Bahnlinie von Emmerich nach Arnheim. Durch die weitere Besiedlung des Eltenberges seit den 1920er Jahren sind die Befestigungen im südwestlichen Teil fast vollständig zerstört. Erhalten geblieben sind allein ein Teilstück der Deckungsgräben an der Westspitze des Eltenberges und die Reste gesprengter Bunker direkt an der Bahnlinie.

Der nordöstliche Teil der Befestigungslinie ist dagegen in den Waldgebieten vom Eltenberg bis zur Hohen Heide noch gut zu erhalten. Hier gibt es noch umfangreiche Deckungsgräben und gesprengte Bunkerstandorte, die in Teilen überlagert werden von Laufgräben aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Diese hat man im Herbst 1944 angelegt und sie unterscheiden sich wesentlich von denen aus den Jahren 1917.

Das Befestigungssystem gliedert sich zunächst in eine Reihe von Bunkeranlagen, die vor dem ersten Deckungsgraben lagen und die vielleicht als Beobachtungsräume anzusprechen sind. Auf halber Höhe des Berghanges folgte der erste Deckungsgraben, hinter dem und teilweise auch damit verbunden eine Reihe Unterstände folgen. Diese Anlagen dürften eine direkte Sicherungsfunktion für die Mannschaften gehabt haben. Im Abstand von ca. 300 Metern folgte ein zweiter Deckungsgraben, wiederum mit dahinter liegenden Unterständen. Östlich des Wohn- und Industriegebietes Kattegatt liegt zwischen dem ersten und zweiten Graben eine einzelne zentrale Stellung. Sie besteht aus einem Graben und drei gesprengten, mit einem zentralen Hügel als Mittelpunkt. Über die Funktion dieser Stellung gibt es keine weitere Informationen, auch nicht in den historischen Quellen zum Befestigungsbau. Noch weiter östlich, im Bereich der Kreuzung Hohe Heide/Stockumer Straße ist ein dritter Deckungsgraben erhalten, der bis zum Funkmessturm auf dem Eltenberg dokumentiert ist. Bei allen drei Linien ist festzuhalten, dass sie ursprünglich weiter nach Nordosten und Südwesten reichten.

Die Deckungsgräben haben eine Breite von gut 2 bis 3 Metern, sind aber nur noch 0,40 bis 0,60 Meter tief. Zur Frontseite hin liegt ein aufgeschütteter Wall, der 1,50 Meter breit und 0,50 Meter hoch ist, die sogenannte Brustwehr. Neben einer natürlichen Erosion ist bei diesem Erscheinungsbild davon auszugehen, dass auch die Deckungsgräben 1921 verfüllt wurden. Ein weiteres Erscheinungsmerkmal sind die rechteckigen Versprünge, die sich vor allem an der Frontseite erhalten haben.

Historische Quellen
Über diese Bunker liegen nur wenige Informationen vor. In den Berichten des Auswärtigen Amtes wird lediglich eine Unterscheidung von Beobachtungsräumen und Untertreträumen getroffen und über die Bauweise (Zementbetonwerk, teilweise mit Eiseneinlagen) und die Größe von 90 Kubikmetern etwas gesagt. Die Anlagen wurden alle 1921 gesprengt und im Gelände haben sich zumeist nur die Sprengtrichter mit einzelnen Betonteilen erhalten, die kaum eine nähere Aussage zur Bauweise zulassen. Die erhaltenen Trümmerteile sind zumeist nicht größer als 80 mal 80 Zentimeter. Jede Anlage wurde nach der Sprengung von dem Vertreter der Interalliierte Militär-Kontroll-Kommission (IMKK), Pionieroberst Ver Eecke, auf seinen Zerstörungsgrad hin geprüft. Trotzdem lassen sich aus den erhaltenen Befunden einige Rückschlüsse auf das Aussehen und die Bauweise der Unterstände gewinnen. Die einzelnen erhaltenen Trümmer mit zwei glatten Seiten geben erste Hinweise auf die Wandstärken, die zwischen 0,50 Meter und 0,70 Meter gemessen wurden. Bei einem Bunker wurde die Decke weg gesprengt und ausgeräumt, allerdings sind drei Seiten des Unterstandes in Teilen erhalten. Die Südseite ist ebenfalls mit Trümmerteilen vorhanden. Der innere Bereich stellt sich als ein rechteckiger Raum von 7,20 mal 5,00 Metern dar, eine Unterteilung des Raumes ist nicht feststellbar. Im Innenraum und an den Seiten liegt Schutt und Astwerk, so dass der Boden nicht erfasst werden konnte. Auch die erhaltenen Seitenwände geben keinen Hinweis auf die ursprüngliche Höhe. Anhand der gemessenen Mauerstärken von bis zu 0,70 Metern kann ein Außenmaß von ca. 8,40 mal 6,20 Metern angenommen werden. Rechnet man eine Raumhöhe von ca. 2,10 Meter hinzu, kommt man auf in etwa auf die beschriebenen 90 Kubikmeter für die Unterstände. Dieser Bunker hatte zwei Eingänge, die direkt in den Deckungsgraben führten.

Geschichte
Über den Bau der Befestigungsanlagen liegen keine zeitgenössischen Informationen vor. Der Bereich Emmerich gehörte zum VII. Armeekorps in Münster und zum Stützpunkt Wesel. 1915 wird in Emmerich eine Garnison mit einem Bataillon eingerichtet, von dem vielleicht die Grenzsicherung angelegt wird. 1916 werden Grundstücke angekauft. Im Sommer 1916 treten Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff an die Spitze der deutschen Heeresleitung. Mit Ludendorff wird der Stellungsbau entsprechend seiner Denkschrift in Form eines Handbuches niedergelegt und umgesetzt. Die Umsetzung dieser Richtlinien wird an den erhaltenen Deckungsgräben deutlich.

Nach dem verlorenen Krieg besetzten französische, englische und belgische Truppen das Rheinland. Nach § 180 des Versailler Vertrages mussten alle militärischen Einrichtungen und Festungen in einem Streifen von 50 Kilometern östlich des Rheins innerhalb von zwei Monaten nach Inkrafttreten dieses Vertrages abgerüstet und innerhalb von vier Monaten geschleift werden. Das betraf im Rheinland vor allem die rechtsrheinische Festung Wesel.

Zur Durchsetzung der Entfestigung der Westgrenze Deutschlands war bereits Ende 1919 die Interalliierte Militär-Kontroll-Kommission (IMKK) eingerichtet worden, dessen Präsident der französische General Charles Nollet wurde. Zur Durchführung existierte eine Unterkommission für Befestigungen in Mainz mit einer weiteren Unterabteilung für das Rheinland in Köln, Hansaring 98. Auf deutscher Seite errichtete man eine Heeresfriedenskommission unter Führung von Generalleutnant August von Cramon. Zuständig für die Umsetzung war das Reichsschatzministerium mit den zuständigen Vermögensämtern in Köln und Wesel, hier in der Person des Regierungsbaumeisters Rabien.

In den Bestimmungenheißt es:
1. Kategorie. Kriegsmaterial im eigentlichen Sinne, d.h. Türme mit ihren verschiedenen Einrichtungen und Umfassungs-, Schutzmauern, Scheinwerfern, Vorrichtungen aus Metall wie Beobachtungsstände und Unterstände oder Nischen für die Bemannung, verschiedene Postenstände, Kabel und verschiedene Leitungen, Nebenverteilungsanlagen, schmalspuriges Eisenbahnenmaterial.
2. Kategorie. Material nicht rein militärischer Art, das in der bürgerlichen Wirtschaft Verwendung finden kann: Maschinen, Motore, Pumpen, Gerätschaften, Material von Eisenwaren und Schreinerarbeiten.
3. Kategorie. Verschiedenes von der Niederlegung herrührendes Material, Holz, Steine, Backsteine, Alt-Eisen, das von der Zerstörung des Mauerwerks oder von der Einebnung der Erdaufschüttung herrührt.
(R 33961, Schreiben vom 17.8.1920).

Die rechtsrheinischen Festungen wie Wesel mussten umgehend und in kürzester Zeit geschleift werden. Ein erster Bericht über den Stand der Arbeiten ging am 25. Juni 1920 an den Reichsschatzminister in Berlin. Bereits zu diesem Zeitpunkt bemängelte die IMKK, dass die Entfestigungsarbeiten nicht zügig genug durchgeführt werden (R 33961).

Über die Art und den Umfang der Entfestigungen gab es immer wieder Spannungen, so dass der gegenseitige Umgang geprägt war von Misstrauen und widerwilligem Handel auf deutscher Seite. Daher passte es überhaupt nicht, als General Nollet dem Leiter der Heeresfriedenskommission von Cramon im Herbst 1920 mitteilte, dass er die Information habe, „daß in der Nähe und längs der niederländischen Grenze in der Gegend von Cleve sich eine Befestigungsanlage befindet.“ (R 33961). Er fordert umgehend eine Übersendung von Plänen diese Anlagen betreffend. Das zuständige Wehrkreiskommando 7 in Minister kann aber dieser Aufforderung nicht nachkommen, da es keine Pläne zu diesen Anlagen gibt. Die Aufregung auf Seiten der IMKK wurde sicherlich nicht geringer als bekannt wurde, dass sich eine zweite Befestigungsanlage auf der rechten Rheinseite befindet. Neben den Anlagen in Cleve existiert noch eine zweite Gruppe von ca. 67 Unterständen und zwar östlich des Dorfes Elten, teilte Nollet im Herbst 1920 dem Generalleutnant von Cramon mit.

Aus den erstellten Plänen geht hervor, dass es sich bei Elten um 65 Untertret- bzw. Beobachtungsräume in Zementbetonmauerwerk, teilweise mit Eiseneinlagen versehen, handelt. Die IMKK legte allerhöchsten Wert auf die sofortige Zerstörung der Beobachtungs- und Unterstände bei Elten, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass diese Anlagen auf der rechten Rheinseite lagen und entsprechend den Bestimmungen des Versailler Vertrages schon längst hätten zerstört sein müssen. Ein entsprechender Plan lag nicht vor und musste erst erstellt werden.

Erste Skizzen über die Anlagen bei Elten waren Anfang Dezember 1920 fertig gestellt und der IMKK zugeschickt.

Da einige der Unterstände sich direkt innerhalb der Ortslage bzw. direkt an der Eisenbahnlinie von Emmerich nach Arnheim befanden, stellte der Reichsschatzverwaltung Düsseldorf den Antrag zum Erhalt von 10 Unterständen. Dies wird von der Kommission abgelehnt. Am 11. März 1921 wird auch die Abnahme der letzten, zerstörten Unterstände von den Vertretern der IMKK als ausreichend protokolliert.

(Wolfgang Wegener, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2014)

Die Landesverteidigungsanlagen am Eltenberg bei Emmerich waren KuLaDig-Objekt des Monats im März 2014.

Quellen
Politisches Archiv Auswärtiges Amt, Berlin, II F M (Militär und Marine), Akten: Wesel, R 33921, R 99926, R 33961 und R 33965

Literatur

Wegener, Wolfgang (2013)
Feldstellungen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg am Eltenberg und im Reichswald. In: Archäologie im Rheinland 2012, S. 245–248. Stuttgart.
Wegener, Wolfgang (2012)
Landesbefestigung des Deutschen Reiches. In: Kunow, Jürgen (Hrsg.), 25 Jahre Archäologie im Rheinland 1987-2011 / Archäologie im Rheinland 2011, S. 213–215. Stuttgart.

Landesbefestigungen 1917, Bunker und Deckungsgräben am Eltenberg

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Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Geländebegehung/-kartierung, Archäologische Prospektion
Historischer Zeitraum
Beginn 1916 bis 1917, Ende 1921
Koordinate WGS84
51° 52′ 42,19″ N, 6° 10′ 47,52″ O / 51.87839°, 6.17987°
Koordinate UTM
32U 305890.65 5751271.71
Koordinate Gauss/Krüger
2512429.28 5749387.05

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„Landesbefestigungen 1917, Bunker und Deckungsgräben am Eltenberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-85138-20140205-2 (Abgerufen: 22. Oktober 2017)
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