Luftschiffhalle in Düren-Distelrath

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Düren
Kreis(e): Düren
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Historisches Foto von um 1915/17: Das Luftschiff LZ 77 (LZ 107) vor der Dürener Luftschiffhalle.

    Historisches Foto von um 1915/17: Das Luftschiff LZ 77 (LZ 107) vor der Dürener Luftschiffhalle.

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    Stadt- und Kreisarchiv Düren
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  • Luftschiffhalle mit hellen Bewuchsmerkmalen im grünen Getreidefeld (2003)

    Luftschiffhalle mit hellen Bewuchsmerkmalen im grünen Getreidefeld (2003)

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  • Früheres Gelände der Luftschiffhalle bei Düren-Distelrath. Obertägig sind keine Strukturen mehr zu erkennen (2013)

    Früheres Gelände der Luftschiffhalle bei Düren-Distelrath. Obertägig sind keine Strukturen mehr zu erkennen (2013)

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Der Luftschiffhafen in Düren-Distelrath wurde von 1915 bis 1917 genutzt. Mit dem Bau der Halle begann die „Deutsche Luftschiffhallenbau Gesellschaft – System Ermus“ im Oktober 1914. Am 14. Dezember 1914 wurde die Halle fertiggestellt. Es handelte sich um eine Zelthallenkonstruktion, die außer in Düren nur in Namur, Belgien, errichtet wurde. Bereits am 13. Februar 1915 zerstörte ein Südweststurm die Zelteinkleidung und den Torvorhang, sodass die Halle danach eine starre Holzverschalung und ein zweiflügeliges Schiebetor erhielt. Die Luftschiffhalle hatte eine Länge von 180 Metern, eine Breite von 70 Metern und eine Höhe von 30 Metern. Die Halle war in Tarnfarben gestrichen.
Der Luftschiffhafen wurde zunächst unter dem Rufnahmen „Siegfried“ von der Reichsmarine, dann von der Reichsheeresverwaltung unter dem Rufnahmen „Dietrich“ genutzt. Im April und Mai 1917 wurde die Stahlkonstruktion der Halle demontiert und auf Norderney zum Bau von Flugzeughallen eingesetzt. Einige Betonfundamente wurden im Neuen Friedhof Düren Ost verbaut, der nach dem Abbruch der Halle um Teile des Luftschiffhafens erweitert wurde. Weitere, bis zu 2 Meter mächtige Betonfundamente der Halle wurden erst 1984 abgebrochen und abtransportiert.

Infrastruktur des Luftschiffhafens
Zum Luftschiffhafen gehörten ein Hauptankerplatz und ein Nebenankerplatz mit Durchmessern von jeweils 360 Metern. Das Gelände war an die Dürener Kreisbahn angeschlossen, um die Versorgung der Luftschiffe beispielsweise mit Füllgas, Benzin und Öl zu gewährleisten. In der Nähe der Halle standen die Flaschenschuppen, das Benzinlager und Öllager, die Werkstatt, der Kohlenbunker, Feuerlöschgerät und Mannschaftsunterkünfte. In größerem Abstand zur Halle lagen die Bombenlager und Munitionslager, Abwehrbatterien und Schützengräben, ein Schießstand sowie Scheinwerfer, die bei Nachtlandungen zum Einsatz kamen.
Von der Dürener Kreisbahn wurde ein Gleisanschluss verlegt, über den Material herangeschafft werden konnte. Dies waren u.a. das Füllgas und der Treibstoff für das Luftschiff, aber auch Munition und Bomben.

Luftschiffe über Düren
In Düren war das Heeresluftschiff LZ (Luftschiff Zeppelin) 77 (LZ 107) stationiert. Die erstgenannte Nummer der Luftschiffbezeichnung ist die Produktionsnummer, die zweite die militärische Bezeichnung des Luftschiffs. Die erste Fahrt des LZ 77 (LZ 107) fand am 16. Oktober 1916 statt, am 17. November 1916 wurde es nach Düren überführt. Auf dem Truppenübungsplatz Elsenborn übten das LZ 77 (LZ 107) gemeinsam mit dem LZ 93 den Abwurf von Sand- und Gipsbomben. Aus Düren brach ersteres am 16. Februar 1917 zu einer Angriffsfahrt nach Boulogne-sur-Mer auf und warf dort 1440 Kilogramm Munition ab.
Weitere Luftschiffe waren nur kurzzeitig in Düren. Das LZ 79 kam zur Reparatur, wurde aber am 3. Oktober 1915 beim Aushallen beschädigt. Bis zur Fertigstellung der erneuten Reparaturen im Dezember blieb es in Düren. Das LZ 17 hat man hier am 6. September 1916 abgerüstet. Das in Troisdorf-Spich stationierte SL 11 (Hersteller Schütte-Lanz) startete am 2. November 1916 von Düren aus mit zwölf weiteren Luftschiffen zu einem Luftangriff nach England und war das erste Luftschiff, das über England abgeschossen wurde.

Die Archäologie der Luftschiffhalle
Sowohl auf Luftbildern der 1940er Jahre als auch bei einem Beflug im Jahr 2003 zeichnen sich die Hallenstrukturen als negative Bewuchsmerkmale in dem heute landwirtschaftlich genutzten Gelände ab. Bei einer geomagnetischen Untersuchung des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland konnten ebenfalls erhaltene Strukturen der Halle nachgewiesen werden. Der Standort der Luftschiffhalle in Düren ist der einzige Standort einer Luftschiffhalle im Rheinland, der nicht überbaut oder überprägt ist.

(Wiebke Hoppe, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2014)

Die Luftschiffhalle Düren-Distelrath war KuLaDig-Objekt des Monats im September 2014.

Literatur

Heege, Carl (1971)
Erinnerungen an den Dürener Luftschiffhafen. In: Heimatjahrbuch des Kreises Düren, S. 34-37. Düren.
Hoppe, Wiebke / Wegener, Wolfgang (2014)
Archäologische Kriegsrelikte im Rheinland. (Führer zu archäologischen Denkmälern im Rheinland 5.) S. 208-211, Essen.
Provan, John (2001)
Die deutschen Luftschiffhallen. Kelkheim.
Tutlies, Petra (2011)
Halle Siegfried. In: Archäologie im Rheinland 2010, S. 205-206. Stuttgart.

Luftschiffhalle in Düren-Distelrath

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Fernerkundung, Archäologische Prospektion
Historischer Zeitraum
Beginn 1915, Ende 1917
Koordinate WGS84
50° 48′ 13,29″ N, 6° 30′ 43,19″ O / 50.80369°, 6.512°
Koordinate UTM
32U 324693.29 5630945.61
Koordinate Gauss/Krüger
2536136.29 5629933

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„Luftschiffhalle in Düren-Distelrath”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-26543-20111207-2 (Abgerufen: 12. Dezember 2018)
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