Auf den Spuren von Gustav Gulden aus Landau-Mörzheim
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Gustav Adolph Gulden war ein deutscher Jurist und Politiker, der 1808 geboren wurde und als Abgeordneter an der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49 teilnahm. Er vertrat dort demokratische und liberale Ideen, setzte sich für Bürgerrechte, Gleichheit und politische Mitbestimmung ein und gehörte zur linken Parlamentsfraktion. Gulden stammte aus einem liberal geprägten Elternhaus und engagierte sich schon früh in der demokratischen Bewegung, etwa beim Hambacher Fest. Nach dem Scheitern der Revolution arbeitete er wieder als Anwalt und blieb politisch eher gemäßigt aktiv. Er starb 1882 und gilt als Vertreter des frühen demokratischen Gedankenguts in Deutschland.
Demokratisches Gedankengut als Grundüberzeugung „Es gibt keine von den sogenannten Tugenden des deutschen Volkes, welche weniger diesen Namen verdient und sich unheilvoller für das Volk selbst erwiesen hat als die gepriesene Treue zu den angestammten Herrschern! Erlangt das Volk in seiner großen Mehrzahl einmal statt dieser aus der Volkssklaverei stammenden Treue den Bürgerstolz und das Selbstgefühl des freien Mannes, dann ist die Souveränität des Volkes tatsächlich begründet und die Unterdrückung durch des Volkes Kräfte zur Unmöglichkeit geworden. Der Wille außerhalb des Volkes, der heute noch im Stande ist, durch seine auf der Imagination des Volkes allein beruhenden Macht das Volk selbst zu schrecken und seinen Willen in Fesseln zu schlagen, wird dann ein bloßer Popanz und die früheren Äußerungen des Gottesgnadentums werden zum Kinderspott“. - Prägnanter hätte die Analyse der wahren Machtverhältnisse zu Zeiten der in der Frankfurter Paulskirche tagenden Nationalversammlung kaum ausfallen können, kaum drastischer auch die Kritik daran, und kaum deutlicher die Forderung nach Schaffung von politischem Bewusstsein, nach dem politisch „mündigen Bürger“ also. Die handschriftliche Eintragung hat Gustav Adolph Gulden im „Parlamentsalbum“ hinterlassen. Als Abgeordneter vertrat er den westpfälzischen Wahlbezirk Homburg. Seine Überzeugung, die gleichermaßen Botschaft ist, hat er mit dem Datum 23. April 1849 versehen, just eben einem jener kritischen Tage, an dem über Wohl und Wehe der ersten Demokratie in Deutschland entschieden wurde. Nach dem König von Preußen hatte nun auch der bayerische Machthaber Maximilian II. Joseph die von der Nationalversammlung beschlossene Verfassung für einen demokratisch organisierten deutschen Nationalstaat zurückgewiesen.
Aufgewachsen im liberalen familiären Umfeld Am 18. Dezember 1808 in Mörzheim bei Landau geboren, war Gustav Adolph Gulden freiheitliches Gedankengut quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war der liberale Pfarrer Johann Jakob Gulden (1771-1830). Seine Mutter Juliane Henriette Culmann (1784-1812), die von Pfarrer Johann Friedrich Oberlin im elsässischen Steintal erzogen worden war, entstammte einer namhaften pfälzischen Familie, deren Sprösslinge in der demokratischen Bewegung im Vormärz wichtige Rollen spielten. Ihr Bruder Christian Culmann (1795-1837) war im Münchener „Sturmlandtag“ 1831 Wortführer der gemäßigten Opposition. Advokat wie er war der jüngere Bruder August Ferdinand Culmann (1804-1891), der ebenfalls Mitglied der Paulskirche war. Beide traten im Assisenprozess gegen die Galionsfiguren des Hambacher Festes, der im Juli und August 1834 in Landau stattfand, als Verteidiger von Angeklagten auf. Friedrich Wilhelm Culmann (1787-1849), ein weiterer Bruder, gehörte 1848/49 als Abgeordneter für das Departement Bas-Rhin der französischen Nationalversammlung an. Gustav Adolph Gulden trat in die Fußstapfen seiner Onkel: Er studierte in Heidelberg und München Rechtswissenschaften und Philosophie, 1827 trat er in München der Burschenschaft „Markomannia“ bei und wurde deren Sprecher. Als diese sich spaltete, war Gulden Mitbegründer der „Germania“ - was zur Folge hatte, dass er im „Schwarzen Buch“ der Bundeszentralbehörde, dem Index politisch gefährlicher, weil demokratisch gesinnter Personen, gelistet und damit auch bespitzelt wurde. Teilnehmer am Hambacher Fest 1832, bekam Gulden nach dem Abschluss seines Studiums als Anwalt zunächst Berufsverbot; erst 1837 wurde ihm erlaubt, in Zweibrücken eine Kanzlei zu eröffnen. In vielen Verfahren war er als Anwalt oder Verteidiger tätig. Aber auch Privates ist von ihm bekannt: So inserierte er im November 1839 in jener Lokalzeitung, die damals in Homburg und Zweibrücken verbreitet war, dass ihm „seit dem 22. vorigen Monats ein junges Königshündchen von weißer Farbe mit schwarzem Kopf und mit einem schwarzen Fleck auf dem Rücken abhanden gekommen? sei. Er setzte eine Belohnung dafür aus, sollte das Haustier aufgefunden werden.
Bei der Fraktion “Deutscher Hof„ in der Paulskirche Als Paulskirchen-Abgeordneter schloss sich Gulden der Fraktion “Deutscher Hof„ an; diese verbündete sich Ende 1848 mit dem radikaldemokratischen “Donnersberg„ zur “Vereinigten Linken„. Bei der Durchsicht der annähernd 7000 Protokollseiten fällt auf, dass Gulden zusammen mit seinen übrigen pfälzischen Kollegen zumeist das gleiche Abstimmungsverhalten an den Tag legte und auch Anträge gemeinsam eingebracht wurden. So votierte er für die Beseitigung des Adels und die Abschaffung der Todesstrafe, er vertrat die Meinung, dass Schulen nicht konfessionell gebunden sein dürfen, und er stimmte dafür, dass jeder wahlberechtigte Deutsche auch das “passive Wahlrecht„ haben müsse, also selbst für politische Ämter kandidieren darf. In einer seiner Reden trat der Homburger Abgeordnete für das grundsätzliche Verbot des Jesuitenordens ein. Der Nationalversammlung gehörte Gulden auch noch nach deren Umsiedlung nach Stuttgart an, wo sie als “Rumpfparlament„ bis zu ihrer Zerschlagung durch Militärgewalt tagte. Merkwürdigerweise beteiligte sich Gulden aber nicht aktiv an der “Pfälzischen Revolution„ im Mai und Juni 1849, die unmittelbar auf die Ablehnung der Verfassung durch den bayerischen König folgte. Während sein Onkel August Culmann und andere pfälzische Abgeordnete in diesem Aufstand an exponierter Stelle aktiv waren, hielt er sich auffällig zurück.
Wieder Advokat am Appellationsgericht Zweibrücken So konnte er - nach dem Ende aller demokratischen Träume - wieder unbehelligt als Anwalt in Zweibrücken arbeiten. Im Herbst 1849 verteidigte er bereits seinen Verwandten August Culmann, der letztlich gleichwohl zum Tod verurteilt wurde - in Abwesenheit (“in contumaciam„) allerdings, er hatte sich nach Frankreich geflüchtet. 1851 trat Gustav Adolph Gulden als Advokat jener “Bergzaberner Freischaren„ auf, die im Verlauf des Aufstandes den königstreuen Ort Steinfeld überfallen hatten. Gulden, der einer traditionell protestantischen Familie stammte, gewährte dem mittellosen katholischen Pfarrer Franz Tafel (1799-1869) über lange Zeit Obdach; der Geistliche, der Zweibrücken in der Paulskirche vertreten hatte, war wegen seiner liberalen Einstellung vom bischöflichen Ordinariat in Speyer ohne jedwede Ruhegelder suspendiert worden. In Zweibrücken gehörte Gulden lange Jahre dem Stadtrat an, war Mitglied im Vorstand der nationalliberalen Partei und brachte seine Verehrung für den Kaiser und seinen “eisernen Kanzler„ Bismarck im neuen deutschen Reich desöfteren in Festreden zum Ausdruck. Mit dieser Haltung stand nun aber im offenen Gegensatz zu seinem Onkel August Culmann. Dieser wie viele andere “Veteranen„ der 1848/49er-Zeit wollten mit diesem, durch militärische Gewalt durchgesetzten und weitgehend undemokratischen Nationalstaat nichts zu schaffen haben. Gustav Gulden starb am Karfreitag 1882. Guldens Grab auf dem Zweibrücker Hauptfriedhof ließ die Verwaltung der Stadt 2003 beseitigen. Mit seiner Person indirekt in Verbindung stehen der “Guldenweg„ auf dem “kleinen Exerzierplatz„ in Zweibrücken sowie die “Guldenschlucht„ beim Homburger Stadtteil Einöd. Sein Sohn gleichen Vornamens - übrigens geboren am 27. Mai 1848, jenem Zeitpunkt also, zu dem die Frankfurter Paulskirche gerade ihre Arbeit aufnahm - engagierte sich für die Verschönerung der Stadt Zweibrücken und ihrer Umgebung. Ihm zu Ehren wurde die Benennung vorgenommen. Wie sein Vater, so arbeitete auch er als Anwalt und gehörte dem Stadtrat an. Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, war mit 66 Jahren der älteste kriegsfreiwillige Leutnant überhaupt.
Quellen Saarbrücker Zeitung, Lokalausgabe Homburg, Seite C 5 “Heimat & Geschichte„: Martin Baus: Gustav Gulden, Abgeordneter der Paulskirche, 14. Februar 2022. Verhandlungen vor dem außerordentlichen Spezialgerichte der Pfalz zu Zweibrücken, 15. Januar bis 13. Februar 1851, Zweibrücken 1851 (Dokumentation des Verfahrens gg. die “Bergzaberner Freischaren„ wegen des “Steinfelder Zuges„)
Literatur
Baus, Martin / Glück, Charlotte; Baus, Martin (Hrsg.) (2015)
Am Anfang war das Berufsverbot für den Advokaten Gustav Adolph Gulden. In: Recht. Gesetz. Freiheit - 200 Jahre Pfälzisches Oberlandesgericht Zweibrücken. Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz / Bd. 121, Koblenz.
Die Bergzaberner Linie der Familie Culmann. Vom Ende des Alten Reiches bis zum Beginn der bayerischen Herrschaft. In: Zwischen demokratischem Aufbegehren und industrieller Revolution. August Ferdinand Culmann (1804 - 1891). 1993 (Schriften der Siebenpfeiffer-Stiftung, Bd. 2), Sigmaringen.
Volz, Günther / Reinalter, Helmut (Hrsg.) (2005)
Gulden, Gustav Adolph. In: Biographisches Lexikon zur Geschichte der demokratischen und liberalen Bewegungen in Mitteleuropa. Band 2, Teil 1, Frankfurt a.M..
Auf den Spuren von Gustav Gulden aus Landau-Mörzheim
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