Ortsteil Niedergladbach

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bad Schwalbach, Heidenrod, Oestrich-Winkel, Schlangenbad
Kreis(e): Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen
Historische Siedlungsentwicklung
Die Ansiedlung liegt im schmalen Gladbachtal und damit an der Verbindung des vorderen Rheingaues zum Wispertal. Der Name erscheint erstmalig im ältesten Güterbuch des Klosters Eberbach um 1239; 1329 ist „in inferiori Gladibach“ (zusammen mit Obergladbach) erwähnt. Zu dieser Zeit soll schon eine Kirche mit eigener Pfarrei vorhanden gewesen sein.

Zunächst mit den Überhöhischen Dörfern zum Mainzer Territorium gehörig, geriet Gladbach in den Einflussbereich der Grafen von Scharfenstein, kam 1479 zur Niedergrafschaft Katzenelnbogen und zum Amt Hohenstein. 1583 wurden Nieder- und Obergladbach wieder ganz dem Mainzischen Rheingau zugesprochen und kehrten damit zum Katholizismus zurück. Im Dreißigjährigen Krieg zerstörte ein Brand fast das ganze Dorf und die Kirche; eine daraufhin erstellte Notkirche wurde durch den Neubau von 1725 ersetzt.

Die zwischen Ober- und Niedergladbach gelegene Siedlung Mittelgladbach blieb nach dem großen Brand wüst.

1648 zählte man in Ober- und Niedergladbach 25 Feuerstellen, heute leben fast 300 Einwohner in Niedergladbach. Zeitweilig herrschte relativer Wohlstand durch die örtliche Köhlerei, die den Rheingau mit Holzkohle belieferte.

Historische Ortsstruktur
In Niedergladbach findet man eine in besonderem Maße durch die Topographie des engen, von steilen Abhängen eingefassten Gladbachtales und eines Seitentales geprägte Ansiedlung. Die Ortsmitte ergibt sich am Schnittpunkt dieser Täler und der in ihrem Grund geführten Straßen; sie wird überragt von der höhergelegenen Kirche. Nach einem Bericht von 1960 werden seit 1563 Straßennamen genannt, die teilweise bis heute erhalten sind. Seifen bezeichnet ein sumpfiges Wiesental. Die befestigte Hauptstraße wurde 1901-02 erbaut; die Bezeichnung Marktstraße deutet auf die frühere Existenz eines Marktes hin. Der Kirchhof war bis 1819 als Begräbnisstätte in Benutzung, danach wurden der alte Friedhof am Heideweg und 1906 der neue Friedhof nördlich des Ortes angelegt.

Aus einer Ortsbeschreibung von 1960: „Die Häuser, die noch heute bewohnt sind, wurden fast alle zwischen 1670 und 1770 erbaut. Die Scheune des Michael Korn trägt die Jahreszahl 1671, und die des Jakob Petry (Ortseingang) 1678. Das Wohnhaus des Bernhard Korn ist 1696, das des Jakob Holz 1707 und das des Jakob Laufer 1711 erbaut. Auch von 1740 bis 1780 entstanden sehr viele neue Häuser. Das wohl älteste Haus dürfte das Haus Jörg Vogel Nr. 21 sein. Es wurde 1638 erbaut, also noch im 30jährigen Krieg.“ Diese Angaben sind heute kaum nachvollziehbar, da die genannten Gebäude, wenn noch vorhanden, überwiegend stark verändert wurden. In der Ortsmitte stand früher unterhalb der Kirchhofmauer das Gemeindehaus, ein verputzter Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach (LfD Hessen 2003, S.474-483).

Kulturdenkmale (Auswahl) (LfD Hessen, online)
  • Ägidiusstraße 1: Katholische Pfarrkirche St. Ägidius, erbaut 1726 in erhöhte Lage im Ort; Saalbau mit schmalerem Rechteckchor; Westturm, Oberbau 1897; kleiner Haubendachreiter; mit wertvoller Innenausstattung; terrassenartiger Kirchhof mit Stützmauer; in die Mauer eingelassenes altertümliches Steinkreuz
  • Ägidiusstraße 3: nahe der Kirche exponiert stehendes Fachwerkwohnhaus des späten 18. Jahrhunderts; Rest einer ehemaligen Hofreite mit Fachwerkscheune; zweizoniges Wohngebäude über fast quadratischem Grundriss mit hohem massiven Untergeschoss (vielleicht früher Stall); wichtiger Bestandteil des Ortsbildes im Umfeld der Kirche
  • Holzweg 1: Ehemalige Schule; in der Ortsmitte unterhalb der Kirche zentral gelegen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts errichteter Putzbau, in Größe und Proportionen den örtlichen Fachwerkwohnhäusern ähnlich; vor der zur Ortsmitte weisenden Giebelseite Denkmal für die Gefallenen beider Weltkriege (mit erneuerter Einfriedung); prägender Bestandteil der Ortsmitte
  • Holzweg 2: Katholisches Pfarrhaus; neben der Pfarrkirche, in erhöhter Lage errichteter klassizistischer Putzbau von 1835; flaches Walmdach mit Dreiecksgauben
  • Holzweg 3: Wohnhaus des 18. Jahrhunderts; Fachwerkgebäude, verputzt, gegenüber Pfarrhaus und Kirche auf nach Nordost steil abfallendem Gelände, dadurch bedingte Dreigeschossigkeit zur Marktstraße und zum tiefliegenden Hof; im massiven Untergeschoss ursprünglich wohl der Stall; Giebel zur Marktstraße verschiefert; zugehörige, teilweise veränderte Scheune vorhanden
  • Holzweg (Fl. 2, Flst. 52): Brunnen; Brunnen am Hang des Eckernberges oberhalb des Dorfes; erneuertes Gehäuse aus Backstein, außen verputzt, mit Satteldach über altem, rundem, aus Bruchsteinen gemauertem Brunnenschacht, mit Kurbelwelle, Rad und Kette des ehemaligen „Rollborns“ (Ziehbrunnen); altertümliche, selten erhaltene Brunnenform
  • Holzweg (Fl. 2, Flst. 55): Bildstock; am ansteigenden Weg auf den Eckernberg; Bildgehäuse des 18. Jahrhunderts aus Sandstein auf gemauertem Sockel; Nische mit Reliefbild der Dreifaltigkeit und Inschrift:„Cp gelobt und gebenedeit sei die Heil. Dreifaltigkeit“, am unteren Rand Blütenfries; Gehäuse außen verputzt, mit kleinem verschieferten Satteldach
  • Marktstraße 7/9: Zum Komplex der ehemaligen Alten Mühle gehöriges ehemaliges Doppelwohnhaus mit Wirtschaftsgebäuden im südöstlichen Ortsbereich; vor dem steil zum Gladbach abfallenden Hang erhebt sich das traufständige Fachwerkgebäude auf hohem Kellergeschoss mit seitlicher Steintreppe zum Eingang; die Holzkonstruktion des im Kern älteren Gebäudes wurde um 1800 besonders im Obergeschoss verändert und war für Verputz konzipiert; der Hof ist über eine Holzbrücke zugänglich
  • Marktstraße 13: Kleines Wohnhaus mit seitlich anschließender Scheune, am Gladbach gelegen; ggf. früheres Mühlengebäude der Alten Mühle (der Überlieferung nach 1670 bis 1740 in Betrieb); beide Fachwerkbauten verputzt, Scheune bez. 1701; Baugruppe ist Bestandteil des historischen Ensembles Alte Mühle am südöstlichen Ortsrand
  • Marktstraße 15: Giebelständiges, zweizoniges Fachwerkwohnhaus, um 1700; Erdgeschoss verputzt, Eingang mit Steintreppe, im Obergeschoss reizvolles barockes Zierfachwerk; kleines Fachwerknebengebäude
  • Marktstraße 17: Mit Abstand zur Marktstraße nahe am Gladbach gelegenes Wohnhaus in Traufstellung; erbaut um 1800, mit ornamentaler Schieferverkleidung von 1926; Mitteleingang mit Steintreppe; zugehörige Scheune bez.„1738 AP“
  • Marktstraße 25: Gladbachklause; ehemalige Gastwirtschaft Zum Wispertal mit Spezereihandlung und Tanzsaal im
    Obergeschoss; giebelständiges Wohngebäude des 17. Jahrhunderts mit seitlichen Anbau des 19. Jahrhunderts; Fachwerkhaus verputzt, teilweise verschiefert; parallel gestellte Fachwerkscheune, ebenfalls aus dem frühen 19. Jahrhundert
  • Marktstraße 29: Hofreite in der Ortsmitte, bestehend aus Wohnhaus und Scheune in Giebelstellung; Fachwerkhaus verputzt, bez. 1696; Erweiterung des Hauses (nördliche Traufseite, Dachgeschoss) im 19. Jahrhundert; ortsbildprägende Scheune des 19. Jahrhunderts mit Backsteinsockel und Fachwerkgiebel
  • Marktstraße 31: Wohnhaus einer Hofreite mit parallel gestellter, jedoch veränderter Scheune; giebelständiges, zweizoniges Gebäude des späten 18. Jahrhunderts; Fachwerk ganz verputzt; rückwärtig anschließendes Wirtschaftsgebäude aufgrund des Geländeabfalles nach Osten um ein Geschoss nach unten versetzt; Bestandteil der historischen Bausubstanz im Ortskern
  • Pfälzerweg 5: Am Hang freistehendes zweizoniges Fachwerkwohnhaus des späten 18. Jahrhunderts; der hohe, geländebedingte Massivsockel reicht bis in die Brüstungshöhe des Erdgeschosses; am Sockel seitlich anschließende Böschungsmauern aus Trockenmauerwerk; Bestandteil der Bebauung im Seifental
  • Pfälzerweg: Wendelinus-Kapelle; am früheren südlichen Ortsende im Seifental gelegene Wegekapelle des frühen 19. Jahrhunderts; kleiner Massivbau aus früher verputztem Bruchsteinmauerwerk, Korbbogenöffnung mit teils vergitterter zweiflügeliger Holztür; Satteldach auf Holzstützen vorkragend und eine Vorhalle bildend (Typus der Wendelinus-Kapellen); Nische für die (fehlende) Heiligenfigur mit neugotischem Baldachin; die Kapelle liegt am Weg, auf dem die Schäfer ihre Herde zur Weide trieben; der Standort wird heute durch Neubauten beeinträchtigt
  • Seifenstraße 4: Hofreite in erhöhter Lage in der Ortsmitte; kleines zweizoniges Fachwerkwohnhaus des 18. Jahrhunderts auf quadratischem Grundriss; Obergeschoss rückseitig auf gewachsenen Fels aufgebaut; Dachstuhl im 19. Jahrhundert erneuert; traufseitiger Eingang mit Sandsteinstufen; rechtwinklig anschließende, im 19. Jahrhundert erweiterte Scheune mit zeittypischem Holztor; mit Scheune an der Marktstraße das Ortszentrum prägend
  • Seifenstraße 12: Hofreite mit zurückgesetztem giebelständigen Wohnhaus und an die Straßenflucht vorgerückter Scheune; beide Gebäude auf fast quadratischem Grundriss; Wohnhaus des 18. Jahrhunderts auf hohem Massivsockel (früher vielleicht Stall); Fachwerk verputzt, überwiegend erhalten; Fachwerkscheune von 1763 im Erdgeschoss teilweise in Backstein ersetzt
  • Seifenstraße 24: Am Hang unterhalb Pfälzerweg 5 freistehendes Wohnhaus; zweizoniger Haustyp auf quadratischem Grundriss in Giebelstellung; massives Untergeschoss, darüber verputzter Fachwerkbau des späten 18. Jahrhunderts; mit Pfälzerweg 5 (und Scheune ohne Nummer) lockere, am Hang gestaffelte Baugruppe eigener Prägung im Seifental
  • Heideweg: Friedhofskreuz (Fl. 4, Flst. 28); Friedhofskreuz und Mauerreste des alten, am südöstlichen Ortsrand neben der Landstraße gelegenen Friedhofs; Teile der Friedhofsmauer sind als Trockenmauerwerk erhalten; der Friedhof wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt und war bis zur Anlage des neuen Friedhofes 1905 in Benutzung; Friedhofskreuz mit Korpus aus Sandstein, Sockelinschrift:„Errichtet von Andreas Weinbach und seiner Ehefrau Eva Rodenbach 1866“.
  • Marktstraße – Neuer Friedhof: Friedhofskreuz (Fl. 11, Flst. 2): Sandstein-Kruzifix auf hohem Sockel, datiert 1905; zu dieser Zeit wurde nördlich des Ortes der neue Friedhof angelegt, der den früheren, um die Mitte des 19. Jahrhunderts an den Heideweg ausgelagerten Friedhof ersetzte
  • Matzenmühle an der L 3035: Nordwestlich von Niedergladbach, im tiefeingeschnittenen, schmalen Talgrund des Gladbaches unterhalb der Landstraße freistehendes Wohngebäude aus dem 18. Jahrhundert; über hohem massiven Sockelgeschoss zwei Fachwerkgeschosse, traufseitiges Sichtfachwerk, Giebelseiten verputzt oder mit Kunstschiefer verkleidet; hohes, steilgeneigtes Satteldach mit kleinen Giebelgauben; jüngeres Nebengebäude; heute Gaststätte eines zugehörigen Campingplatzes
  • Erbacher Forsthaus: Lage südlich Niedergladbach am Rande des Rheingauer Hinterlandswaldes; Forstgehöft des 19. Jahrhunderts; ein „Försterhaus“ ist an dieser Stelle schon 1819 verzeichnet und gehörte früher zum Bezirk Erbach im Rheingau; Haupt- und Nebengebäude in Fachwerk errichtet, überwiegend verschiefert
(Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 2012)

Internet
denkxweb.denkmalpflege-hessen.de: LfDH, online (Abgerufen: 03.09.2012)

Literatur

Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) (Hrsg.) (2003)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis II. (Altkreis Untertaunus). Wiesbaden.

Ortsteil Niedergladbach

Schlagwörter
Ort
Schlangenbad - Niedergladbach
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1239
Koordinate WGS84
50° 06′ 2,56″ N, 7° 58′ 53,36″ O / 50.10071°, 7.98149°
Koordinate UTM
32U 427159.46 5550325.1
Koordinate Gauss/Krüger
3427205.37 5552105.8

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„Ortsteil Niedergladbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-FR-20091008-0005 (Abgerufen: 12. Dezember 2017)
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