Bergische Kleinbahnen, Strecke Velbert-Neviges - Essen-Werden

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen), Velbert
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen), Mettmann
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Im Jahr 1899 wurde die Bergische Kleinbahn auf der Strecke Velbert – Werden eröffnet. Sie war Teil des Bergischen Meterspurnetzes der „Bergischen Kleinbahnen AG“.

Vorgeschichte
Das Projekt zum Bau einer elektrischen Straßenbahn von Elberfeld über Neviges nach Langenberg und Velbert legte die Elektrizitäts-AG aus Nürnberg (EAG; vormals Schuckert & Co.) der Stadt Elberfeld im Sommer 1894 vor. Nach Zustimmung der betroffenen Gemeinden erklärte sich die EAG zum Bau der Strecke bereit, beauftragte damit 1895 die „Continentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen“ in Nürnberg. 1896 begann der Bau der Strecke nach Neviges, wo auch die Zentrale und ein Betriebsbahnhof angelegt wurden. Die Continentale forderte jedoch die Gründung einer gesonderten Gesellschaft, worauf die Bergischen Kleinbahnen AG am 21. Juni 1897 mit Sitz in Neviges gegründet wurden. 1897 konnte der planmäßige Betrieb der ersten Strecke der Bergischen Kleinbahnen von Elberfeld nach Neviges aufgenommen werden.

In der Folgezeit errichteten sie zunächst das so genannte Nevigeser Netz mit Strecken von Neviges nach Elberfeld, Velbert, Essen-Werden, Langenberg und Heiligenhaus. Später übernahm sie einen Großteil der ursprünglich mit Dampf und später elektrisch betriebenen Straßenbahnen im Wuppertaler Raum, baute diese zu einem Verbundnetz aus und erweitert dies stetig.

Eröffnung 1899
Nach Eröffnung der Strecke von Elberfeld nach Neviges 1897 folgte 1898 die Verbindung nach Velbert, Denkmal. Die Verlängerung zum Friedhof kam noch 1898 und am 5. März 1899 eröffnete man den Abschnitt nach Werden, Denkmal. Die Verbindung war 7 Kilometer lang und wurde alle 20 Minten befahren. Ab 1908 fuhr hier die Linie 7: Hattingen – Neviges – Velbert – Werden.

Zusätzlich zu den Reichsbahnlinien, zu deren Trassenführungen die Kleinbahnen teilweise parallel verliefen, stellten diese eine weitere Verkehrsverbindung zwischen Ruhr und Wupper dar. Beide konkurrierten miteinander. Für den öffentlichen Nahverkehr boten die Straßenbahnen den Vorteil, mit kleinen Zugeinheiten in kurzen Zeitabständen verkehren zu können. Zudem waren die Fahrtkosten oft geringer.

Strecke
Die Strecken waren eingleisig mit Ausweichen, die Haltestellen befanden sich häufig an den Gastwirtschaften und waren auch nach ihnen benannt. Im Streckennetz fanden sich erhebliche und anhaltende Steigungen bis zu 53 ‰, so das die Fahrzeuge häufig unter Volllast laufen mussten. Zusätzlich verlängerten das Ausfahren von Flusstälern und Geländeeinschnitten, wie das 'Karussell' in Velbert, die 'Kaffeemühle' in Hattingen und die 'Platte' oberhalb Elberfelds, künstliche Längenentwicklungen zur Überwindung von Steigungen, enge Straßen und Ortsdurchfahrten die Fahrzeiten auf den bis zu 30 Kilometer langen Linien.

In Werden gab es am Endpunkt am Denkmal eine betriebliche Besonderheit: Die Endstelle lag im Gefälle und es gab nur eine Weiche, um den Triebwagen vor den Beiwagen setzen zu können. Daher musste beim Umsetzen der abgekoppelte Beiwagen auf der eingleisigen Strecke angebremst werden, der Treibwagen setzte ins Stumpfgleis um, der Beiwagen rollte abwärts in das andere Stumpfgleis. Danach setzte sich der Treibwagen vor den Beiwagen und die Rückfahrt konnte beginnen. Dieses Verfahren war unfallträchitig und kostete auch einmal mehrere Mneschenleben, wurde aber bis 1951 beibehalten.

Betrieb bis 1945
Bis 1910 war die Verlängerung der Werdener Strecke nach Bredeney mit Anschluss an die Essener Straßenbahn geplant, kam aber nie zur Ausführung. Zum 1. Mai 1914 wurden die Strecken der Bergischen Kleinbahnen neu geordnet, nach Werden fuhr nun die Linie 9: Ronsdorf – Elberfeld – Neviges – Velbert – Werden. Die Fahrzeit betrug 145 Minuten.

Ende der 1920er Jahre fuhren die Linie 7 von Werden nach Velbert – Neviges – Hattingen und die Linie 9 von Werden nach Velbert – Neviges – Elberfeld. Beide Linien fuhren stündlich, so dass sich zwischen Werden, Velbert und Neviges ein 30-Minuten Takt ergab.

1930 ordnete die neu gegründete Stadt Wuppertal das Straßenbahnnetz neu, nach Werden fuhren weiterhin die Linien 7 und 9. Erstere war zwischen Nierenhof und Werden 22,9 Kilometer lang, die Linie 9 von Ronsdorf nach Werden 30,9 Kilometer lang. 1940 kam es offiziell zum Zusammenschluss mehrerer Bahngesellschaften, auch der Bergischen Kleinbahnen AG, zu den Wuppertaler Bahnen AG. Die Linien 7 und 9 wurden in das Netz übernommen.

Betrieb nach 1945 bis zur Betriebseinstellung
Trotz Zerstörungen in Folge des Zweiten Weltkrieges konnte der Betrieb nach Werden bereits 1945 wieder aufgenommen werden.

Die Wuppertaler Bahnen AG firmierten ab 1. März 1948 als Wuppertaler Stadtwerke AG. Nach Werden fuhren nun die Linien 9: Elberfeld, Stadthalle – Neviges – Velbert – Werden, in 99 Minuten alle 30 Minuten und die Linie 19: Neviges, Weiche – Werden, in 65 Minuten im 30 Minuten-Takt.

Der Betrieb der Strecke nach Werden wurde am 1. Februar 1952 stillgelegt. Durch den zunehmenden Straßenverkehr und den wirtschaftlichen Aufschwung nahm die verkehrliche Bedeutung der eingleisigen Straßenbahn ab. Die Schienen nahmen zudem einen erheblichen Teil der Straße ein und behinderten den Verkehr. Man war in der Nachkriegszeit der Meinung, dass die Straßenbahn veraltet war.

(Claus Weber, 2012)

Internet
Wikipedia, Die freie Enzyklopädie: WSW mobil (Abgerufen: 2. April 2010)

Literatur

Essener Verkehrs-AG (Hrsg.) (1996)
Hundert Jahre in Essen auf Draht - Die Straßenbahn. S. 125-126, Essen.
Höltge, Dieter (1996)
Bergisches und Siegerland. (Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 5.) S. 64-84, Freiburg.

Bergische Kleinbahnen, Strecke Velbert-Neviges - Essen-Werden

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Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1899, Ende 1952
Koordinate WGS84
51° 20′ 48,5″ N, 7° 02′ 26,99″ O / 51.34681°, 7.04083°
Koordinate UTM
32U 363559.07 5690214.21
Koordinate Gauss/Krüger
2572560.11 5690743.68

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„Bergische Kleinbahnen, Strecke Velbert-Neviges - Essen-Werden”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-CW-20100331-0008 (Abgerufen: 20. Februar 2018)
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