Bergische Kleinbahnen, Strecke Velbert-Nierenhof - Essen-Steele

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen), Hattingen, Velbert
Kreis(e): Ennepe-Ruhr-Kreis, Essen (Nordrhein-Westfalen), Mettmann
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Im Jahr 1907 wurde die Bergische Kleinbahn auf der Strecke Nierenhof - Kupferdreh – Steele eröffnet. Sie war Teil des Bergischen Meterspurnetzes der „Bergischen Kleinbahnen AG“.

Vorgeschichte
Das Projekt zum Bau einer elektrischen Straßenbahn von Elberfeld über Neviges nach Langenberg und Velbert legte die Elektrizitäts-AG aus Nürnberg (EAG; vormals Schuckert & Co.) der Stadt Elberfeld im Sommer 1894 vor. Nach Zustimmung der betroffenen Gemeinden erklärte sich die EAG zum Bau der Strecke bereit, beauftragte damit 1895 die „Continentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen“ in Nürnberg. 1896 begann der Bau der Strecke nach Neviges, wo auch die Zentrale und ein Betriebsbahnhof angelegt wurden. Die Continentale forderte jedoch die Gründung einer gesonderten Gesellschaft, worauf die Bergischen Kleinbahnen AG am 21. Juni 1897 mit Sitz in Neviges gegründet wurden. 1897 konnte der planmäßige Betrieb der ersten Strecke der Bergischen Kleinbahnen von Elberfeld nach Neviges aufgenommen werden.

In der Folgezeit errichteten sie zunächst das so genannte Nevigeser Netz mit Strecken von Neviges nach Elberfeld, Velbert, Essen-Werden, Langenberg und Heiligenhaus. Später übernahm sie einen Großteil der ursprünglich mit Dampf und später elektrisch betriebenen Straßenbahnen im Wuppertaler Raum, baute diese zu einem Verbundnetz aus und erweitert dies stetig.

Eröffnung
Im Jahr 1907 wurden die Strecken Nierenhof – Hattingen und Nierenhof – Langenberg eröffnet, somit der Anschluss an die bestehende Strecke von Neviges / Elberfeld. Die Verbindung von Nierenhof nach Kupferdreh, Rathaus folgte am 1. September 1907, die Fortsetzung zur Bergstraße am 13. September 1907, der Endpunkt in Steele, Grendplatz wurde am 24. November 1907 erreicht. Damit bestand zum einen Anschluss in Steele an die Essener Straßenbahn und die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn und zum anderen Anschluss an das Niederbergische Netz in Langenberg. Ab 1908 fuhr hier die Linie 8: Elberfeld – Neviges – Steele.

Strecke und Betrieb
Zusätzlich zu den Reichsbahnlinien, zu deren Trassenführungen die Kleinbahnen teilweise parallel verliefen, stellten diese eine weitere Verkehrsverbindung zwischen Ruhr und Wupper dar. Beide konkurrierten miteinander. Für den öffentlichen Nahverkehr boten die Straßenbahnen den Vorteil, mit kleinen Zugeinheiten in kurzen Zeitabständen verkehren zu können. Zudem waren die Fahrtkosten oft geringer.

Als elektrifizierte Straßenbahn prägte sie das Straßenbild unter anderen im Deilbachtal, wo die Bergische Kleinbahn AG ihr eigenes Kraftwerk, die Überland- und Zechenzentrale Kupferdreh, errichtete. Die Strecken waren eingleisig mit Ausweichen, die Haltestellen befanden sich häufig an den Gastwirtschaften und waren auch nach ihnen benannt. Im Deilbachtal war dies z.B. die ehemalige Wirtschaft „Eisenhammer“.

Im Streckennetz fanden sich erhebliche und anhaltende Steigungen bis zu 53 ‰, so das die Fahrzeuge häufig unter Volllast laufen mussten. Zusätzlich verlängerten das Ausfahren von Flusstälern und Geländeeinschnitten, wie das 'Karussell' in Velbert, die 'Kaffeemühle' in Hattingen und die 'Platte' oberhalb Elberfelds, künstliche Längenentwicklungen zur Überwindung von Steigungen, enge Straßen und Ortsdurchfahrten die Fahrzeiten auf den bis zu 30 Kilometer langen Linien. In Essen-Steele wurde von jedem Reisenden bei Überfahrt über die Ruhrbrücke ein Brückengeld von 2 Pfennig erhoben.

Geschichte bis 1945
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 brachte für die Bergischen Kleinbahnen erschwerte Betriebsbedingungen. Sie musste ab 1916 den Kohlenverkehr von Essen-Kray, Überruhr, Kupferdreh und Steele nach Wuppertal-Ronsdorf, Cronenberg und Heiligenhaus übernehmen. Es wurden Kohlen, beispielsweise von der Zeche Heinrich in Überruhr übernommen, die über einen eigenen Gleisanschluss zur Verladung ihrer Kohlen auf die Straßenbahn verfügte. Des Weiteren verlud man Kohlen von Bonifazius in Kray, Johann Deimelsberg in Steele und von den Kupferdreher Zechen Prinz Friedrich und Viktoria. Große Mengen von Kohlen wurden so in Richtung Wuppertal gebracht, auch dann, als die Reichsbahn aus mancherlei Gründen nicht hierzu in der Lage war. 1922 wurden zum Beispiel 63.000 Tonnen Kohle befördert.

Während der Ruhrbesetzung 1923/24 wurden auch Gemüse und Schlachtvieh transportiert. Der Güterverkehr erhielt in Langenberg Anschluss an die Reichsbahn und beförderter die Ladungen bis Essen und Bochum. 1926 gab man den Kohlenverkehr, 128 den Stückgutverkehr und 1932 den Güterverkehr insgesamt auf.

Da eine Verbindung über Werden nach Essen nicht zustande kam, führten die Bergischen Kleinbahnen eine Schnell-Straßenbahnverbindung von Elberfeld nach Essen über Nierenhof – Steele ein. Die Linie 58 verkehre ab 1. April 1924 alle drei Stunden bis Essen, Steeler Tor. Die Strecke verlängerte man noch am 15. April 1924 bis zum Viehofer Platz in Essen, gab sie jedoch am 14. Februar 1928 wegen Unrentabilität wieder auf.

1930 ordnete die neu gegründete Stadt Wuppertal das Straßenbahnnetz neu, nach Steele fuhr nun die Linie 17 von Nierenhof nach Essen-Steele auf 12,49 Kilometern. 1940 kam es offiziell zum Zusammenschluss mehrerer Bahngesellschaften, auch der Bergischen Kleinbahnen AG, zu den Wuppertaler Bahnen AG. Die Linie 17 behielt ihre Nummer und den Streckenverlauf.

Betrieb nach 1945 bis zur Betriebseinstellung
Trotz Zerstörungen in Folge des Zweiten Weltkrieges konnte der Betrieb nach Kupferdreh bereits am 23. Juni 1945 wieder aufgenommen werden, am 27. Juni weiter bis Überruhr. Steele erreichte man am 25. Oktober wieder. Von 1946 bis 1948 nutzte man die Strecken der Wuppertaler Bahnen wiederum zu Kohlentransport für die Bevölkerung und die Industrie, diesmal von Zechen in Oberhausen-Sterkrade, Essen-Kray, Herne und Bottrop nach Wuppertal. In Essen-Steele hatte man 1950 den durchgehenden Verkehr mit der Essener Straßenbahn unterbrochen, den Verkehr über die Ruhrbrücke um 1951 eingestellt. Die Wagen der Linie 17 endeten vor der behelfsmäßig wieder aufgebauten Brücke an der Haltestelle „Haus Hoheneck“.

Die Wuppertaler Bahnen AG firmierten ab 1. März 1948 als Wuppertaler Stadtwerke AG. Die Linie 17 fuhr weiterhin im 30-Minuten Verkehr in 41 Minuten von Nierenhof nach Steele, Ruhrbrücke.

Der Betrieb der Kleinbahn-Strecke Linie 17 wurde am 16. April 1954 eingestellt. Durch den zunehmenden Straßenverkehr und den wirtschaftlichen Aufschwung nahm die eingleisige Straßenbahn an Bedeutung ab. Die Schienen nahmen zudem einen erheblichen Teil der Straße ein und behinderten den Verkehr. Man war in der Nachkriegszeit der Meinung, dass die Straßenbahn veraltet war. Die Stilllegung der Strecke nach Steele und Umstellung auf Busverkehr verzögerte sich jedoch, da der Neubau der Ruhrbrücke noch nicht abgeschlossen war und damit keine Omnibusse darüber fahren konnten.

Im Deilbachtal, entlang der Nierenhofer Straße, zeugen nur noch die Sockel der Masten von der alten Kleinbahn-Trasse.

(Claus Weber, 2012)

Internet
Wikipedia, Die freie Enzyklopädie: WSW mobil (Abgerufen: 2. April 2010)

Literatur

Busch, Johann Rainer (2008)
Kupferdreh und seine Geschichte als Teil der Ruhr.2010 Kulturhauptstadt Europas (hrsg. von der Bürgerschaft Kupferdreh). S. 122-123, Essen.
Essener Verkehrs-AG (Hrsg.) (1996)
Hundert Jahre in Essen auf Draht - Die Straßenbahn. S. 112-116, 123-125, Essen.
Höltge, Dieter (1996)
Bergisches und Siegerland. (Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 5.) S. 64-84, Freiburg.

Bergische Kleinbahnen, Strecke Velbert-Nierenhof - Essen-Steele

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Kulturlandschaftspflege
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Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1907, Ende 1954
Koordinate WGS84
51° 22′ 28,03″ N, 7° 05′ 49,11″ O / 51.37445°, 7.09698°
Koordinate UTM
32U 367548.6 5693185.52
Koordinate Gauss/Krüger
2576425.7 5693876.43

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„Bergische Kleinbahnen, Strecke Velbert-Nierenhof - Essen-Steele”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-CW-20100331-0007 (Abgerufen: 21. Mai 2018)
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