Ringwallanlage Totenberg bei Staufenberg-Treis/Lumda

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Allendorf (Lumda), Staufenberg (Hessen)
Kreis(e): Gießen
Bundesland: Hessen
  • Blick von Süden auf den Totenberg im Lumdatal bei Staufenberg-Treis, Ober-Seilbach (2010).

    Blick von Süden auf den Totenberg im Lumdatal bei Staufenberg-Treis, Ober-Seilbach (2010).

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    Oberhessischer Geschichtsverein Gießen e.V. / Hess, Volker
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  • Mauerversturz (Schuttwall) im südlichen Teil der Ringwallstruktur auf dem Totenberg (2014).

    Mauerversturz (Schuttwall) im südlichen Teil der Ringwallstruktur auf dem Totenberg (2014).

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  • Freigelegtes Doppelschalenmauerwerk in einem Schnitt durch den südlichen Mauerversturz auf dem Totenberg (2013).

    Freigelegtes Doppelschalenmauerwerk in einem Schnitt durch den südlichen Mauerversturz auf dem Totenberg (2013).

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Lage
Nördlich des Staufenberger Ortsteiles Treis/Lumda dominiert die Basaltkuppe des Totenbergs das Landschaftsbild des Lumdatals. Der Totenberg bildet rechts der Lumda den westlichen Abschluss der zusammenhängenden Basaltbedeckung des Lumda-Plateaus und des Vorderen Vogelsbergs. Im direkten Sichtfeld liegt die Talweitung mit den Gemarkungen der Großgemeinden Allendorf/Lumda und Rabenau. Eine Begrenzung erfährt es am Horizont durch die Höhen des Vogelsbergs. Unter günstigen Sichtbedingungen im späten Winter gelingt zwischen lichten Baumkronen vereinzelt auch ein Blick nach Süden und Südwesten bis in den Taunus, auf den Stoppelberg bei Wetzlar oder den Dünsberg im Westen und vermittelt eine Ahnung von der besonderen Lage des Totenbergs.

Besiedlungsgeschichte
Nach den bisherigen archäologischen Untersuchungen lassen sich mehrere unterschiedlich stark ausgeprägte Begehungs- und Besiedlungsphasen des Berges ausmachen: Ältestes Relikt menschlicher Begehung stellt ein Steinwerkzeug aus dem ausgehenden Mittelpaläolithikum mit einem Alter von etwa 40.000 Jahren dar. Stark repräsentiert sind Hinterlassenschaften der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur aus der Zeit um 4.000 v. Chr. Im Fundspektrum deutet sich auch eine Anwesenheit von Menschen in der späten Bronze- und frühen Eisenzeit (Zeitraum von etwa 1.000 bis 500 v. Chr.) an. Deutlich tritt eine Nutzung des Totenbergs aber bislang nur durch eine in die Jahrzehnte um 500 v. Chr. zu datierende späthallstatt-/frühlatènezeitliche Fundkonzentration im nordwestlichen Teil der Anlage hervor, die als Ergebnis einer Notbergung nach einer Raubgrabung im Jahr 1994 bekannt wurde.

Menschliche Aktivitäten werden dann erst wieder in der Zeit 9. und 10. nachchristlichen Jahrhunderts fassbar. Diese Phase in der Geschichte des Platzes tritt durch zahlreiche Metall- und Keramikfunde besonders markant in Erscheinung. Damals wurde der Berg auch mit einer Befestigung umgeben. Diese stellt sich heute als Wall dar, der die höchste Erhebung des Berges sowie ein östlich davon befindliches, deutlich niedriger gelegenes Plateau einschließt. Die Innenfläche der Anlage beträgt etwa 2 Hektar.

Bei den Grabungen der letzten Jahre konnte im Inneren des Walles eine durchschnittlich 1,5 Meter breite zweischalige Mauer festgestellt werden. Die beiden Mauerschalen bestehen aus grob zugerichteten Sandsteinquadern, die wohl aus Vorkommen am Fuss des Berges stammen. Für das dazwischen liegende Füllmauerwerk verwendete man kleinteiliges Basaltmaterial, wie es unmittelbar auf der Kuppe ansteht. Als Bindemittel diente Kalkmörtel.

Auf der Südseite der Umwehrung sind auf etwa 20 Meter Länge keine Spuren einer Befestigung erkennbar. Da diese Lücke für ein Tor deutlich zu gross ist, scheint hier nie eine Mauer vorhanden gewesen zu sein. Vielleicht bestand an dieser Stelle eine andere Sperre, beispielsweise in Form einer hölzernen Palisade. Daneben besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Ringmauer unvollendet blieb. Ihre Errichtung ist wohl im Zusammenhang mit dem Landesausbau in karolingisch-ottonischer Zeit zu sehen, ebenso wie eine Reihe weiterer ähnlicher Wehranlagen im näheren und weiteren Umfeld.

Bislang gibt es keinen sicheren Hinweis auf die Existenz einer älteren Wehranlage auf dem Berg. Eine schwach ausgeprägte wallartige Struktur im Innenraum der frühmittelalterlichen Befestigung könnte aufgrund von Funden eventuell den Rest einer Fortifikation aus der Zeit der Michelsberger Kultur darstellen. Sicherheit können hier aber erst weitere Forschungen schaffen.

(Michael Gottwald, hessenARCHÄOLOGIE, 2015)

Internet
ohg-giessen.de: Projektseite der Arbeitsgemeinschaft Archäologie des Oberhessischen Geschichtsvereins Gießen e.V. (abgerufen 17.12.2014)

Literatur

Gerschlauer, Susanne / Gottwald, Michael / Hess, Volker / Röder, Christoph (2013)
"...von der alten Milchlingischen Burg vnnd Stammhauß mehr nit dann die rudera...". In: hessenARCHÄOLOGIE 2012, S. 210-213. o. O.
Gerschlauer, Susanne / Gottwald, Michael / Hess, Volker / Röder, Christoph (2012)
Der Totenberg. Fränkischer Rasthof mit schöner Aussicht. In: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Gießen 97, S. 15-28. o. O. Online verfügbar: http://www.ohg-giessen.de/mohg/97_2012/02-totenberg-out.pdf, abgerufen am 17.12.2014
Gottwald, Michael / Hess, Volker / Röder, Christoph (2011)
Die "Rudera vom schlos Todenberg" bei Treis an der Lumda. In: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins Gießen 96, S. 299-314. o. O. Online verfügbar: http://www.ohg-giessen.de/mohg/96_2011/12-gottwald-hess-rudera-out.pdf, abgerufen am 17.12.2014

Ringwallanlage Totenberg bei Staufenberg-Treis/Lumda

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kulturdenkmal gem. § 9 DSchG Hessen
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Geländebegehung/-kartierung, Archäologische Grabung, Auswertung historischer Schriften, Archäologische Prospektion
Historischer Zeitraum
Beginn -40000 bis 1000
Koordinate WGS84
50° 40′ 40,8″ N, 8° 47′ 29,78″ O / 50.678°, 8.79161°
Koordinate UTM
32U 485276.03 5614039
Koordinate Gauss/Krüger
3485344.6 5615845.4

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„Ringwallanlage Totenberg bei Staufenberg-Treis/Lumda”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-96161-20140714-2 (Abgerufen: 18. Februar 2018)
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