Denkmalbereich „Oberkassel“

Düsseldorf-Oberkassel

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Düsseldorf
Kreis(e): Düsseldorf
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 13′ 52,83″ N: 6° 45′ 9,54″ O / 51,23134°N: 6,75265°O
Koordinate UTM 32.343.098,54 m: 5.677.951,11 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.552.614,22 m: 5.677.652,46 m
  • Blick auf die Rheinaue und die Rheinbrücke bei Düsseldorf-Oberkassel (2007)

    Blick auf die Rheinaue und die Rheinbrücke bei Düsseldorf-Oberkassel (2007)

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    Gregori, Jürgen / Landschaftsverband Rheinland
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    Jürgen Gregori
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Lage und Geschichte
Linksrheinisch, gegenüber der Altstadt von Düsseldorf im „Rheinknie“ liegt das Stadtviertel Oberkassel. Das ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebiet gehörte im 19. Jahrhundert zur Bürgermeisterei Heerdt. Der Ort Heerdt, im 9. Jahrhundert erstmals erwähnt und etwa drei Kilometer westlich gelegen, war seit jeher zum Hinterland orientiert.

Als Ende des 19. Jahrhunderts der zunehmend schnell wachsenden Stadt Düsseldorf rechtsrheinisch kaum noch Erweiterungsflächen zur Verfügung standen, bot sich linksrheinisch die ebene Innenfläche des Rheinbogens zur Anlage eines neuen Stadtteils an. Auf Initiative des Düsseldorfer Industriellen Heinrich Lueg übernahm die neu gegründete Rheinische Bahngesellschaft, unter Lueg als Vorsitzendem, 1896 den Bau einer Brücke. Damit war die Verbindung von Düsseldorf zur linken Rheinseite mit einer elektrischen Kleinbahn bis Krefeld möglich. Die Gesellschaft, die auch Ziegeleien betrieb, kaufte weite Flächen, baute einen Hochwasserdamm und übernahm die Erschließung der Flussschleife mit An- und Verkauf von Grundstücken und Häusern. Die ringförmig den topographischen Gegebenheiten folgende, parallel zum Ufer und um das ausgesuchte Areal führende Straße wurde ausgebaut; mit der Luegallee als Hauptachse in Verlängerung der Rheinbrücke erschlossen parallel und strahlenförmig an drei Stellen abzweigende neue Straßen das Gebiet und teilten es in unregelmäßige polygonale auch spitzwinklige Baublöcke. Diese Kreuzungspunkte an der Hauptverkehrsachse wurden zu Plätzen gestaltet: der Luegplatz am Rhein, der Barbarossaplatz mitten im Viertel und der Belsenplatz im Westen als Knotenpunkt und Beginn des Viertels aus Richtung Heerdt. Hier wurde 1898 der Oberkasseler Bahnhof angelegt und im selben Jahr der Brückeneinweihung die Kleinbahnstrecke in Betrieb genommen.

Planerische Grundlage der Stadterweiterung mit der geschlossenen Blockrandbebauung in hoher Dichte war die 1898 erlassene und 1903 präzisierte Bauordnung, auf deren Grundlage mit einem Gutachten des Stadtplaners Hermann Josef Stübben ein Bebauungsplan ruhte.
Mit der Fertigstellung der Oberkasseler Rheinbrücke als erster fester Verbindung nach Düsseldorf, hatte der Verkauf der Grundstücke begonnen. Über die Rheinbahn an den Stadtkern angebunden, entwickelte sich Oberkassel zu einem bevorzugten Wohnort für mittelständische und obere bürgerliche Schichten. 1909 wurde Oberkassel Stadtteil von Düsseldorf.

Charakteristik
In geschlossenen Reihen und beidseitig im Straßenraum entstanden etwa 100 Häuser im Jahr mit gehobenem Wohnstandard, auf eine harmonische Gesamtwirkung bedacht: Ein- und Zweifamilienhäuser, mit Giebeln, Erkern, Balkonen, stukkierten Schmuckfassaden mit zahlreichen architektonischen Details und mit schmiedeeisernen Gittern abwechslungsreich kombiniert.
Im Viertel planten und bauten namhafte Düsseldorfer Architekten: Klein & Dörschel, H. vom Endt, Brand und Stahl, W. Lenz, L. von Abbema, G. Utermann, Th. Balzer, J. Kleesattel, der 1909-11 die neuromanische Tuffsteinbasilika mit Doppelturmfassade St. Antonius baute. Die evangelische Auferstehungskirche, ein unverputzter Backstein, Teil einer Gebäudegruppe in niederrheinische Backsteinarchitektur mit Jugendstilelementen aus Kirche mit Gemeindehaus, Saal, Pfarrhaus und Garten entwarfen 1913/14 W. Verheyen und J. Stobbe. Bis zum Ersten Weltkrieg war Oberkassel weitgehend bebaut. Unverputzte Bautenreihen aus Backstein ergänzten den Bestand in den 1920er Jahren.

Die Straßen waren mit Baumreihen bepflanzt, die Bauten waren in drei Zonen gestaffelt: geschlossene viergeschossige, zum Teil mit Mezzaningeschoss fünfgeschossige Reihen an der Luegallee und an der Rheinfront, dreigeschossige Blockbebauung hinter der südlichen Rheinfront, offene und niedrigere Bauweise hinter der nördlichen Rheinfront.
In der Gestaltung der Fassaden wurde eine „malerische Gesamtwirkung“ bei individueller Ausformung der einzelnen Gebäude angestrebt. Es entstand ein in Zusammenspiel von Materialien und architektonischen Formen sehr vielfältiges rhythmisiertes und ausgewogenes Straßenbild in der überregional üblichen Formensprache der Zeit um 1900 mit Stilelementen des Historismus und des Jugendstils. Dabei ist das Motiv des Giebels ein sich wiederholendes und gliederndes Element. Vorgärten und rückwärtige und Gartenanlagen ergänzen die Gesamtkonzeption.
Die qualitätvollen mehrgeschossigen Reihenhäuser weisen zum Teil reiche Ausstattungen auf. Zum Rhein zeigt sich das Viertel mit einer repräsentativen Schauseite.
Neben den Kirchen tragen weitere öffentliche Bauten (wie Schulen, Postamt) zur Strukturierung des Viertels bei.

Der Denkmalbereich
Der Denkmalbereich lehnt sich an die von Stübben entwickelte Planung an und umfasst den Stadtteil mit den bis heute erhaltenen Merkmalen eines städtischen Wohnviertels des gehobenem Standards aus der Zeit kurz nach 1900. Im Inneren des Viertels liegen reine Wohnstraßen, zum Teil zweigeschossige Zeilen, abschnittsweise mit schmalen Vorgärten. Die äußeren, um ein Geschoss höheren Straßenzeilen schirmen das Viertel optisch und akustisch nach außen ab. Vier Geschosse mit Mezzaningeschoss heben die die Luegallee als Hauptachse städtebaulich hervor. Die Allee bündelt mit den öffentlichen Nutzungen, Geschäften und Lokalen die Infrastruktur, hier setzt etwa mittig die katholische Pfarrkirche St. Antonius städtebaulich ein markantes Zeichen.
Der Denkmalbereich schützt den Gesamtzusammenhang des Viertels, den Grundriss aus Straßenführung, Platzausbildung und Parzellenteilung, die einheitliche innere Wirkung der Straßenräume, das innere Straßenraumgefüge, die Bausubstanz insgesamt, auch die Einzelbäume und Baumreihen auf den Trottoirs und den Plätzen, die gestalterisch eingesetzt sind, und die Rheinfront als Stadtansicht und Silhouette zum Rhein, wahrgenommen von der Düsseldorfer Altstadtpromenade, außerdem innere Sichtbezüge und den Blickbezug zum Panorama der Düsseldorfer Altstadt.

Die Satzung zum Schutz des Stadtviertels ist seit 1992 rechtsgültig.

(Elke Janßen-Schnabel, LVR- Amt für Denkmalpflege im Rheinland, aus: Pufke (Hrsg.) 2016)

Literatur

Pufke, Andrea (Hrsg.) (2016)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 83.) S. 121-124, Petersberg.
Schürmann, Sonja (1988)
Düsseldorf. Eine moderne Landeshauptstadt mit 700jähriger Geschichte und Kultur. (Dumont Kunstreiseführer.) S. 336-337, Köln.

Denkmalbereich „Oberkassel“

Schlagwörter
Ort
40545 Düsseldorf - Oberkassel
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1896

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„Denkmalbereich „Oberkassel“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-80341-20131128-7 (Abgerufen: 17. Februar 2020)
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