Wollstrickerei und Hotel Halbe in Loope

später Bohrerfabrik Drux / Koene, heute Bankfiliale

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Engelskirchen
Kreis(e): Oberbergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Kurhotel Halbe in den 1930er Jahren

    Kurhotel Halbe in den 1930er Jahren

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  • Die "Alte Fabrik" nach der erfolgreichen Sanierung im Jahr 2010

    Die "Alte Fabrik" nach der erfolgreichen Sanierung im Jahr 2010

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  • PDF-Flyer "Loope - Auf den Spuren der Kulturlandschaft" (2014, 12 MB).

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    Biologische Station Oberberg
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Dieses Anwesen zwischen Aggerbrücke und Rochuskapelle erwarb im Jahre 1912 das aus Wuppertal-Elberfeld stammende Ehepaar Heinrich und Emma Halbe. Im linken Teil des Gebäudes wurde eine Wollstrickerei eingerichtet. Heinrich Halbe spezialisierte sich auf die Fertigung von Wollstrümpfen. Den anderen größeren Trakt des Gebäudes baute Familie Halbe aus zu einem Restaurant mit Hotelbetrieb. Mit behaglich eingerichteten Räumen, schönen Gartenanlagen und einer gut bürgerlichen Küche bot es sich an als Pension und Erholungsheim für Sommerfrischler im Luftkurort Loope. In den 1920er und 30er Jahren trug das Haus den Namen Kurhotel. Als Mitte der 1930er Jahre der Bedarf an Wollstrümpfen infolge der schnell wachsenden Seidenstrumpfproduktion zurückging, gab Heinrich Halbe seine Wollstrickerei auf.

Nach dem Tod ihres Mannes verkaufte Frau Emma Halbe im Jahre 1937 Hotel und Produktionshalle an die Gebrüder Paul und Fritz Drux. Diese bauten im ehemaligen Hoteltrakt Wohnungen für ihre Familien, im übrigen Teil des Gebäudes schufen sie einen Industriebetrieb, in dem sie mit einer Belegschaft von ca. 20 Mitarbeitern Werkzeuge, hauptsächlich Spiralbohrer, herstellten. Gegen Ende des Krieges wurde der Wohntrakt des Gebäudes bei einem Luftangriff auf Loope durch eine Fliegerbombe zerstört. Personen kamen hierbei glücklicherweise nicht zu Schaden, da die Bewohner in einem nahegelegenen alten Bergstollen, der als Luftschutzbunker diente, Zuflucht gefunden hatten. Noch während des Wiederaufbaus konnte die Produktion von Bohrern etliche Monate nach Kriegsende in der nur wenig beschädigten Fabrikhalle wieder aufgenommen werden.
Zu Anfang der 1950er Jahre ging das gesamte Anwesen durch Verkauf über in den Besitz von Herrn Heinrich Koene, der die Produktion von Spiralbohrern fortsetzte. Aus Altersgründen gab Herr Koene, nahezu 90jährig, seinen Industriebetrieb in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts auf. Erbin wurde nach seinem Tod Frau Sonntag, eine Verwandte von Heinrich Koene.

Der Betrieb lag etliche Jahre still und machte mittlerweile einen etwas heruntergekommenen Eindruck. Das änderte sich rasch, nachdem Ralf Rother, Architekt und gebürtiger Looper, das 100 Jahre alte Gebäude im Jahre 2008 von der Eigentümerin, Frau Sonntag, durch Kauf erworben hatte. Für Ralf Rother war die Umgestaltung der Alten Fabrik, wie sie in Loope genannt wurde, ein ganz besonderes Projekt und eine architektonische Herausforderung. Der alte Charakter des Gebäudes sollte sowohl in der Außenfassade als auch im Inneren der Fabrikhalle spürbar bleiben. Die Klinkerfassade wurde sandgestrahlt, die roten und gelben Ziegelsteine, zum Teil durch neue ersetzt, beleben den altmodischen Charme des Gebäudes. Auch die Sanierung der nostalgischen Gussfenster unterstreicht den gelungenen Versuch, das alte Industriegebäude in ein authentisches Stück Geschichte zurück zu verwandeln. Im Inneren wurde die Betonkappendecke mit ihren Stahl- und Gussabstützungen im Originalzustand belassen. Reproduktionen von alten Fotos zeigen Fabrik- und Hotelbetrieb.

Eine gewisse nachzuempfindende Fabrikatmosphäre sollte erhalten bleiben, ein Industriemuseum jedoch wollte Ralf Rother nicht schaffen. In der früheren Fabrikhalle entstanden auf einer Fläche von 300 Quadratmetern aus Stein, Glas und modernster Technik Geschäftsräume, zugeschnitten für die Bedürfnisse eines Bankinstituts. Anfang des Jahres 2010 eröffnete die Volksbank Oberberg e.G. hier eine neue Filiale. Neben der Volksbank Oberberg hat im Obergeschoss des Gebäudes auch die „Looper Physio“, Krankengymnastikpraxis Berfeld und Partner, die Arbeit aufgenommen. Mit dem Umzug wurde auch das Therapie- und Kursangebot erweitert. Außerdem wurden im Gebäude zwei Wohnungen und eine Büro-/Gewerbefläche erstellt.

Am Samstag, den 9. Januar 2010, öffneten Volksbank und Praxis Berfeld ihre Pforten und luden zum Tag der offenen Tür ein. Das Interesse der Bevölkerung war groß. Dicht gedrängt bewunderten die Besucher das restaurierte Gebäude. Ohne Übertreibung darf gesagt werden, dass durch die Umwandlung der „Alten Fabrik“ Loope um ein Schmuckstück reicher wurde.

(Karl-Heinz Lüdenbach, nach „Loope. Ein Heimatbuch“, 2012)

(Bürger- und Verschönerungsverein Loope e. V. in Zusammenarbeit mit der Biologischen Station Oberberg, 2013. Erstellt im Rahmen des Projektes „Hecke, Hohlweg, Heimat – Kulturlandschaftsvermittlung analog und digital“. Ein Projekt im Rahmen des LVR Netzwerks Umwelt.)

Internet
www.bvv-loope.de: Bürger- und Verschönerungsverein Loope e. V. (abgerufen 06.08.2013)

Literatur

Biologische Station Oberberg (Hrsg.) (2014)
Loope - Auf den Spuren der Kulturlandschaft (Informationsfaltblatt mit Karte). Nümbrecht. Online verfügbar: www.kuladig.de, Wollstrickerei und Hotel Halbe in Loope
Bürger- und Verschönerungsverein Loope e. V. (Hrsg.) (2012)
Loope. Ein Heimatbuch. Loope.

Wollstrickerei und Hotel Halbe in Loope

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1912
Koordinate WGS84
50° 58′ 41,53″ N, 7° 22′ 13,67″ O / 50.9782°, 7.37046°
Koordinate UTM
32U 385605.7 5648664.99
Koordinate Gauss/Krüger
2596289.86 5650116.54

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„Wollstrickerei und Hotel Halbe in Loope”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-71122-20130806-3 (Abgerufen: 17. August 2018)
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