Ehemaliger Staatswald am Barsberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bodenbach, Bongard, Borler, Gelenberg
Kreis(e): Vulkaneifel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Tranchotkarte von 1809 mit der Eintragung des Staatswalds am Barsberg bei Kelberg.

    Tranchotkarte von 1809 mit der Eintragung des Staatswalds am Barsberg bei Kelberg.

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    Burggraaff, Peter / Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz
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Der ehemalige Staatswald am Barsberg war bis zum Herbst 1794 durch die Eroberung durch Frankreich zu 5/6 im Besitz der Kurfürsten von Trier und zu 1/6 in dem der Grafen von Manderscheid-Blankenheim. Er wurde bis 1794 von Forstmeistern (Förstern) und Forstknechten bewirtschaftet.

Die Waldgeschichte spiegelt die große Not der Eifel wider. Bis etwa 1800 fand neben Holzgewinnung vor allem die landwirtschaftlich geprägte Ausbeutung des Waldes statt. Die Förster vergaben neben dem Holzeinschlag auch die Schweinemast im Herbst in den samentragenden Eichen- und Buchenwäldern.
Die Weidenutzung und das Sammeln von Einstreu mit Laubrechen für die Ställe waren für den Wald verheerend. Hierdurch blieb die natürliche Verjüngung aus und Heide und Ödland nahmen rasch zu. Etwa 45% der heutigen Waldfläche waren hierdurch um 1800 verschwunden. Nach 1795 wurde der Wald französischer Staatsbesitz. Der Staat organisierte das Forstwesen neu. Zur Finanzierung der fortdauernden Kriege von Napoleon gab es große Holzeinschläge. 1815 übernahmen die Preußen den Wald. Seit 1819 war der Oberförster Adam de Lassaulx des Oberforstamtes Adenau zuständig. Er ist der Vater des Oberförsters Clemens de Lassaulx (1809-1906), der wegen der Wiederaufforstung als „Vater des Eifelwaldes“ bezeichnet wurde. Er war von 1844 bis 1885 Oberförster in Adenau.
Die anspruchslosen Kiefer und Fichten zeigten sogar auf den ausgelaugten Böden ein erstaunliches Wachstum. Jahrzehnte später erkannte man, dass der Fichte als Preußenbaum zu einem ertragreichen „Profitbaum“ geworden war.

Während der Weimarer Republik (1919-1933) und der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) waren der Staat und seit 1947 das Land Rheinland-Pfalz für den Staatswald zuständig. Die forstliche Betreuung lag von 1947 bis 2004 beim staatlichen Forstamt Kelberg und seit 1.1.2004 beim Forstamt Hillesheim.
Die großen Windwurfkatastrophen von 1984, 1990 und 2007 und der Wandel der gesellschaftlichen Ansprüche führten allmählich zu einer Rückbesinnung auf natürliche Waldgesellschaften und ihre Entwicklungsabläufe. Heute stehen neben dem nachhaltigen Holzertrag vor allem ökologische Vielfalt und Stabilität im Vordergrund der forstlichen Bewirtschaftung. Wichtig ist die Erschließung der Wälder für die Naherholung (Geschichtsstraße Kelberg, Abschnitt II, Station 35).

Seit 2009 ist der Staatswald als Ausgleichsfläche für den Weiterbau der A 1 in Bundesbesitz übergegangen.

(Peter Burggraaff, Universität Koblenz-Landau, 2013)

Literatur

Burggraaff, Peter (2009)
Die Geschichtsstraße Kelberg als vermittelndes interkommunales Projekt. In: Vermittlung von Kulturlandschaften. Initiative zur Förderung des Kulturlandschaftsbewusstseins (hrsg. vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland), S. 73-83. Bonn.
Burggraaff, Peter (1994)
Das alte Forsthaus am Barsberg in Bongard. In: Kreis Daun Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 1994, S. 83-88. 83-88, Monschau.
Burggraaff, Peter / Kleefeld, Klaus-Dieter / Bundesamt für Naturschutz und Bund Heimat und Umwelt (Hrsg.) (2010)
Landschaft erzählen – die Geschichtsstraße in Kelberg (Eifel) als Fallbeispiel für die Erläuterung von Natur- und Kulturerbe. In: Wege zu Natur und Kulturlandschaft (hrsg. vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland), S. 56-71. Bonn.
Manheller, Martin (1991)
Der Eifelwald - ein Jahr nach Vivian und Wibke. In: Landkreis Daun Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 1992, S. 177 ff.. Daun.
Manheller, Martin (1990)
Gewaltige Orkanschäden in unseren Eifelwäldern. In: Landkreis Daun Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 1991, S. 87 ff.. Daun.
Ottendorff-Simrock, Walther (1959)
Clemens von Lassaulx : Ein Beitrag zur Lebensgeschichte des "Vaters des Eifelwaldes". In: Eifeljahrbuch 1959, S. 100-105. o. O.
Rausch, Jakob (1962)
Ein Ehrenblatt für den Kreisoberförster Clemens de Lassaulx (1809-1906). In: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1963, Ahrweiler.
Schwind, Werner (1984)
Der Eifelwald im Wandel der Jahrhunderte. Ausgehend von Untersuchungen in der Vulkaneifel. Düren.
Wenzel, Irmund (1997)
Die Wiederbewaldung der Eifel im 19. Jahrhundert und ihre Bedeutung für Landwirtschaft und Forstwirtschaft. In: Der Wald. Beiträge der Colloquien „Wald und Naturschutz“ und „Kulturlandschaft Wald“, veranstaltet vom Rheinischen Verein und dem Landschaftsverband Rheinland, Amt für Rheinische Landeskunde, S. 51-58. Köln.
Wenzel, Irmund (1985)
Sturmkatastrophe im Eifelwald. 24. November 1984: 250.000 Festmeter Schadholz im Kreise Daun. In: Landkreis Daun Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 1986, S. 40 ff.. Daun.
Wenzel, Irmund (1962)
Ödlandentstehung und Wiederaufforstung in der Zentraleifel. (Arbeiten zur Rheinischen Landeskunde 18.) Bonn.

Ehemaliger Staatswald am Barsberg

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Fernerkundung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1813 bis 1815
Koordinate WGS84
50° 17′ 57,01″ N, 6° 50′ 59,94″ O / 50.29917°, 6.84998°
Koordinate UTM
32U 346879.54 5574105.35
Koordinate Gauss/Krüger
2560604.92 5574031.31

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„Ehemaliger Staatswald am Barsberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-61619-20130226-5 (Abgerufen: 21. August 2018)
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