Lochmühle bei Wehrheim

Philipsmühle, Jostenmühle, Lohmühle

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Friedrichsdorf
Kreis(e): Hochtaunuskreis
Bundesland: Hessen
Simon vermutet, dass die Lochmühle schon vor Gründung des Klosters Thron (1243) existiert hat; erwähnt wird sie in einem Weistum von 1482 als Philipsmühle, 1513 ist ein Pächter Johannes Müller belegt, 1539 erscheint sie als Jostenmühle (dieselbe Bezeichnung wird auch der Klostermühle zugeschrieben), 1545 als „Nidder moiln“. Sie ist Throner Mühle; als Pächter (noch nicht in Erbleihe) ist 1541 und 1560 Johann Deusing belegt. 1571 wird sie in Erbleihe an Dönges Grewen vergeben. Danach mehrfacher Müllerwechsel. Nach der völligen Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg wird sie 1693/94 neu erbaut durch Freiherr Friedrich Wilhelm Lothar von Hohenfeld und erblich an die Witwe Schärpf verliehen. Unklar ist, ob der Name „Lochmühle“, der tatsächlich erst ab 1767 verwendet wird, aus der Funktion einer „Mühle an der Grenze“ („Lochbäume“) herstammt. In Verzeichnissen wird sie auch als „Lohmühle“ geführt.

Mitte des 18. Jahrhunderts wird als Besitzer Philipp Colas genannt, dessen Söhne Wilhelm und Johannes die Mühle erben. 1766 wandert Wilhelm Colas mit Frau und drei Kindern nach Russland aus; seinem Besitz der halben Mühle nebst Äckern und Wiesenstücken stehen beträchtliche Schulden von mehr als 800 Gulden entgegen. Sein Bruder Johannes kann die gesamte Mühle erwerben, da er die Schulden des Bruders tilgt. Allerdings ist die Mühle bereits 1775 an Ludwig Leonhard verkauft. 1787-1815 wird Conrad Heil als Pächter genannt, danach folgt die Familie Münker. Bereits 1823 ist Müller Ernst von der Lochmühle nachgewiesen, der zusammen mit Jost Will von der Klingelsmühle (OBH) und Andreas Müller von der Kleinmühle Beschwerde führt über die „unsinnigen Gesuche“ der Anspacher Müller wegen des Einhaltens des Mühlenbanns.

Ungeklärt ist bisher die im Mühlenverzeichnis von 1818 aufgeführte private „Steinheimer Lochmühle bei Wehrheim“ des Philipp Rühl (siehe diese), der nach Anspach Gewerbesteuer zahlt. Eventuell hatte Philipp Rühl als Anspacher (siehe Stahlnhainer Mühlen) einen privaten Mahlgang an der Lochmühle, die im Mühlenverzeichnis von 1854 als Erbleihmühle (im Verzeichnis liest man „Lohmühle“) des Ernst Fischer geführt wird. Emminghaus nennt 1862 Jean Ernst als Betreiber der Lochmühle. Die Müllerfamilie Ernst aus Hunoldstal kam durch Einheirat an die Lochmühle. In den Akten der Unfallversicherung der Müller-Berufsgenossenschaft 1886 wird Jacob Ernst (Getreidemühle) genannt, der zwei Beschäftigte mitversichert. Ab 1890 ist die Lochmühle im Besitz der Familie Zwermann. 1903 Beschwerde über Müllermeister Zwermann, weil er während der Trockenheit das Wasser des Mühlgrabens zur Wiesenbewässerung nutzt. Bald danach Stilllegung des Mühlenbetriebs. Danach Landwirtschaft und später Freizeitpark.

Im Verzeichnis der Wohnplätze von 1880: 1 Wohnhaus, 6 Einwohner.

(Universität Koblenz-Landau, Geographie / Kreisarchiv des Hochtaunuskreises und Förderverein des Kreisarchivs e.V., 2012)

Quellen
Recherche von Wächtershäuser, Berg sowie diverse Literatur im Freizeitpark Lochmühle (Mühlensignatur 02.M12)
Bonnet, Rudolf: Zur Geschichte der Lochmühle bei Wehrheim im Taunus, in: Usinger Anzeiger 1962.

Literatur

Emminghaus, Friedrich (1862)
Die zehn Thäler und Wasserkräfte des Taunus; Der Taunusbote Nr. 14-21. o. O.
Koppenhöfer, Johanna (2009)
Die Lochmühle bei Wehrheim. Von der historischen Mühle zum Freizeitpark.. In: Jahrbuch des Hochtaunuskreises, S. 316 ff.. o. O.
Koppenhöfer, Johanna (2009)
Wirena-Wehrheim, Die Chronik.. S. 208 ff.. Kempten.
Simon, Ulrich (1986)
Das Zisterzienserinnenkloster Thron bei Wehrheim/Taunus.. In: Veröffentlichung der Historischen Kommission für Nassau, S. 122-128. o. O.
Steinmetz, Ernst Georg (1930)
Gaue und Waldmarken des Taunus in ihrer Beziehung zum Pfahlgraben. In: Saalburg-Jahrbuch VII, S. 124-220. Frankfurt am Main.
Struck, Wolf-Heino (1978)
Die Rußlandauswanderer von 1766 aus den gemeinschaftlich kurtrierischen und nassau-oranischen Ämtern Camberg und Wehrheim.. In: Nassauische Annalen, S. 255. Wiesbaden.

Lochmühle bei Wehrheim

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Köpperner Straße
Ort
61273 Friedrichsdorf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1482, Ende 1903
Koordinate WGS84
50° 16′ 59,61″ N, 8° 35′ 12,47″ O / 50.28322°, 8.5868°
Koordinate UTM
32U 470561.39 5570203.37
Koordinate Gauss/Krüger
3470624.41 5571992.26

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„Lochmühle bei Wehrheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-59842-20130128-2 (Abgerufen: 21. August 2018)
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