Untermühle am Mühlweg in Oberems

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Glashütten (Hessen)
Kreis(e): Hochtaunuskreis
Bundesland: Hessen
1561 Gesuch der „Gemeinen Nachbarschaft in der Emps“ auf Nichtzulassung einer weiteren Mühle zu „Niedern Emps“, die gar nicht von Nöten sei, da man sonst vier Mahlmühlen „in der Emps“ habe. Dass eine der drei damaligen Mühlen zum Dorf Oberems gehörte, also Vorläufer der Untermühle war, ist möglich, aber bisher nicht belegbar. Ein erster Nachweis für eine Mahlmühle in Oberems ergibt sich 1732 durch eine Beschreibung „oberhalb der Mühle, so im Dorf gelegen“; 1749 berichtete Philipp Peter Becker, er habe die Mühle unlängst von seinem Schwager Peter Nickel Dattenberger von Oberems käuflich erworben. Sie ist Privatmühle und keine Bannmühle. 1776 stellte Philipp Becker einen Antrag auf Minderung der Mühlenpacht wegen der Ableitung des Großen Seelborns nach Königstein. 1776 Wasserschaden an beiden Oberemser Mühlen; Auseinandersetzungen wegen des Mühlbriefes und der Beholzigung. 1781 Antrag auf Errichtung einer Ölmühle neben der Mahlmühle. Ölmühle und Kelter sind allerdings erst seit 1813 nachgewiesen. 1807 Witwer Philipp Heinrich Becker (2 Töchter; ein Sohn gestorben) klagte, dass im Sommer die Mühle nur mit halbem Gang laufen könne, weil das Wasser des Seelborns durch Königsteiner Müller abgegraben sei; er blieb die Mühlenpacht schuldig. Da er Wiesen und Hofreite besaß, erhielt er keinen Pachtnachlass. 1813 Gesuch zur Erneuerung eines Wehrs, das durch einen heftigen Regenguss ganz weggerissen worden war. 1819 heiratete Johann Philipp Löber (geb. 1797 in Rod an der Weil) die Beckertochter Maria Christina und übernahm die Mühle.

Auf einem Oberemser Kartenblatt von 1845 sind zwei am Mühlgraben gegenüberliegende Gebäude mit je einem Mühlrad eingezeichnet. 1846 wurde der Originalmühlenbrief von 1805 erneuert. In der Schulchronik von 1861/62 wird der Müllermeister und Kirchenvorstand Christian Löber genannt. 1862 ist die Mühle im Stockbuch (noch) auf Philipp Löber (auch: Leber) und Maria Margarete Becker eingetragen. 1870 stellt der Besitzer Christian Löber einen Antrag auf Aussetzung des Wasserlaufzinses wegen unregelmäßigen Betriebs verursacht durch nicht ausreichenden Wasserfall. Er weist darauf hin, dass die Ölmühle nicht mit der Mahlmühle verbunden sei. In den Akten der Unfallversicherung der Müller-Berufsgenossenschaft von 1886 wird Gustav Löber (Getreidemühle) genannt, der einen Beschäftigten mitversichert.

Noch 1900 sind beide Oberemser Mühlen im Staats- und Adreßhandbuch des Herzogtums Nassau verzeichnet. In den Akten der Brandversicherungsanstalt 1914 wird die Getreidemühle als Kleinbetrieb geführt, der Ölgang ist nicht mehr in Betrieb. Durch Einheirat (Karl Moog aus Wüstems heiratet Caroline Löber) kommt die Mühle in den Besitz der Familie Moog. Der Mühlbetrieb wird circa 1919 eingestellt. Moog betreibt eine Schmiede (elektrisch); der Mühlgraben wird zugeschüttet. 1928 wird Karl Moog als Besitzer genannt, der nach einem Brand die Scheune wieder aufbaut. Das ehemalige Mühlengebäude wird 1963 abgerissen und ein neues Wohngebäude errichtet.

Im Verzeichnis der Wohnplätze 1880: 1 Wohnhaus, 11 Einwohner.

(Universität Koblenz-Landau, Geographie / Kreisarchiv des Hochtaunuskreises und Förderverein des Kreisarchivs e.V., 2012)

Quelle
Recherche von Berg (Mühlensignatur 09.M02)

Literatur

Emminghaus, Friedrich (1862)
Die zehn Thäler und Wasserkräfte des Taunus; Der Taunusbote Nr. 14-21. o. O.
Kreisarchiv des Hochtaunuskreises (Hrsg.) (2012)
Mühlen im Hochtaunuskreis: Urselbach, Westerbach, Rentbach, Rombach/Liederbach, Dattenbach, Emsbach, Weil, Wiesbach, Literatur- und Abbildungsverzeichnis. (Mühlen im Hochtaunuskreis: Historische Standorte, Wasserläufe, Betriebe und Betreiber, eine Dokumentation - begründet von Reinhard Michel, fortgeführt von von Ingrid Berg und Alexander Wächtershäuser, Band 2.) Bad Homburg v.d. Höhe.

Untermühle am Mühlweg in Oberems

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Mühlweg 1
Ort
61479 Glashütten - Oberems
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1732 bis 1919
Koordinate WGS84
50° 14′ 10,33″ N, 8° 24′ 16,11″ O / 50.2362°, 8.40448°
Koordinate UTM
32U 457530.16 5565062.92
Koordinate Gauss/Krüger
3457588.03 5566849.67

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„Untermühle am Mühlweg in Oberems”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-59538-20130122-3 (Abgerufen: 23. Februar 2018)
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