Obere Hessenmühle, B275 (Usingen/Eschbach)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Usingen
Kreis(e): Hochtaunuskreis
Bundesland: Hessen
Zu den Hessenmühlen liegen weitere Unterlagen im Hessischen Hauptstaatsarchiv vor, die nicht ausgewertet wurden. Kompliziert werden alle Recherchen durch die 1510 (oder 1570) erfolgte Teilung der Hessenmühle in eine obere und eine untere Hessenmühle. Beide waren stets in der Hand einer Familie und wurden oft als wirtschaftliche Einheit angesehen. So zahlt im Verzeichnis von 1694 nur eine Familie Pacht, ebenso im Verzeichnis von 1713. Daher ist eine Zuordnung einzelner Akten und Eigennamen oft unmöglich. Die Hessenmühle wird 1854 als Privatmühle geführt, früher aber in Erbleihe vergeben. Sie war Bannmühle für Eschbach, angeblich auch für Michelbach.

Erstmals taucht die Mühle 1367 auf, als Hartmann Snelle von Michelbach und sein Bruder Ludemann die aus der Mühle abzuliefernden Gülten verkaufen. Müller ist damals Konze Keuchner. 1400 erscheint der Name Hermann Lange, derselbe Name taucht auch 1489 in einer Zinsurkunde auf, ebenso in der Abschrift eines 1489 erteilten Erbleihbriefs. Philipp von Nassau-Saarbrücken schreibt darin, dass er die Mühle von Herta (?) Müller zinshaftig bekommen habe und gibt sie in Erbleihe an Hermann Langen weiter. Ob der in der Zinsurkunde erwähnte verstorbene Müller Hirt auf der Hessenmühle tätig war, ist unklar. Anfang des 16. Jh. hat die Mühle Hen Nopp inne. 1510 erfolgt die bereits erwähnte Teilung der Mühle. 1571 erteilt Philipp von Nassau einen Erbleihbrief. Darin berichtet er, dass Gottfried V. von Hattstein die Mühle 1514 in Erbleihe an das Ehepaar Heinrich und Grete gegeben habe. 1577 ist die Mühle im (Teil-?)Besitz von Konrad von Hattstein. In einem Streit mit der Königsteiner Herrschaft heißt es, dass Konrad die Mühle von einem Müller Alt Henn gekauft habe, ohne dass davon die Königsteiner Rechte geschmälert worden seien. Demnach wäre die Hessenmühle unter den Hattsteinern in eine private Erbleihmühle umgewandelt worden. 1655 ist ein Georg Niclas Diel Hessenmüller, 1697 wird ein Dönges Heß als Müller genannt. Sein Vorgänger auf der Hessenmühle sei Johann Jacob Jimmel (Juclin?)gewesen.

Nach einer Abschrift des Erbleihbriefs von 1712 war die Hessenmühle geteilter hattsteinischer Besitz. Ein Teil gehörte Philipp Georg von Hattstein, der ihn an Wolf Dietrich Meyentzer verkauft hatte. Der wiederum trat den Besitz an Johann Jacob Juclin (Jimmel?) ab und dieser wiederum übergab ihn an den Darmstädter Rat Johann Jacob Stetter. Dessen Frau, eine geborene Cramer, hat bereits über ihre Familie die Güter des Marquard von Hattstein in Besitz. Demnach gehört die Mühle jetzt vollständig der Familie von Stetten. 1718 erhalten Johann Georg und Johann Philipp Müller von der Witwe Stetten die Erbleihe. In einer Archivalie, deren Datum nicht gesichert ist, wird ebenfalls für 1718 Vater Johann Christian Müller und Sohn Andreas Müller genannt, die einen Erbleihbrief von den Stettischen Erben erbitten. 1730 werden die erstgenannten Johann Georg und Johann Philipp Müller wegen Mast und Beholzigung in den Hunstadter und Eichelbacher Waldungen beklagt. 1771 werden als Hessenmüller Jacob und Christian Müller genannt. 1781 ist Johannes Trautmann als Beständer der
oberen Hessenmühle überliefert. Er war aber wohl nur Temporalbeständer, denn 1803 sind die beiden Erbbeständer der Hessenmühlen Johann und Andreas Müller; 1854 Privatmühlen von Jac. und Philipp Müller. Zu den beiden Hessenmühlen gehören im Jahr 1808 insgesamt 6 Morgen Wald, 68 Morgen Ackerland, 22 Morgen Wiesen, jeder Müller besitzt die Hälfte. Wegen Wassermangels können die Mühlen nur 6 Monate betrieben werden. Die Hessenmühle(n) hatte(n) nur rund 45 Mahlgäste, die Müller suchten daher nach weiteren Erwerbsmöglichkeiten wie dem Branntweinausschank. 1844 war Georg Friedrich Lehr von der Schlappmühle wohl kurzzeitig Müller auf einer der Hessenmühlen. 1889 bis 1913 ist Adolf Wagner der Hessenmüller.

Im Verzeichnis der Wohnplätze für 1880: die Hessenmühlen 2 Wohnhäuser, 12 Einwohner.

Weiter Namen sind Mühle vor der Kuhhard, Heckenmühle und Wernborner Mühle. Heute wird die Oberschächtige Mühle als Privathaus genutzt.

(Universität Koblenz-Landau, Geographie / Kreisarchiv des Hochtaunuskreises und Förderverein des Kreisarchivs e.V., 2012)

Quelle
Recherche Berg; Wächterhäuser (Mühlensignatur 01.M12)

Literatur

Kreisarchiv des Hochtaunuskreises (Hrsg.) (2012)
Mühlen im Hochtaunuskreis: Einführung, Statistik, Usa, Erlenbach, Eschbach. (Mühlen im Hochtaunuskreis: Historische Standorte, Wasserläufe, Betriebe und Betreiber, eine Dokumentation - begründet von Reinhard Michel, fortgeführt von von Ingrid Berg und Alexander Wächtershäuser, Band 1.) Bad Homburg v.d. Höhe.

Obere Hessenmühle, B275 (Usingen/Eschbach)

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1367, Ende 1920
Koordinate WGS84
50° 20′ 47,23″ N, 8° 34′ 9,05″ O / 50.34645°, 8.56918°
Koordinate UTM
32U 469346.94 5577240.88
Koordinate Gauss/Krüger
3469409.43 5579032.55

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„Obere Hessenmühle, B275 (Usingen/Eschbach)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-57452-20121124-7 (Abgerufen: 19. August 2018)
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