Wolfssteine in Bad Marienberg

Großer und Kleiner Wolfsstein

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Kirburg
Kreis(e): Westerwaldkreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 39′ 42,56″ N: 7° 56′ 15,35″ O / 50,66182°N: 7,9376°O
Koordinate UTM 32.424.911,83 m: 5.612.757,85 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.424.956,56 m: 5.614.563,20 m
Lange galt, dass sich der Vulkanismus im Westerwald auf die Zeit vor etwa 25 Millionen Jahren beschränkte. Doch auch deutlich später kam es hier zu Eruptionen, und sogar im Quartär tat sich noch einmal die Erde auf.
Aber zweifellos lässt sich das intensivste Ausbruchsgeschehen auf den Übergang vom Oligozän zum Miozän datieren. Aus dieser Kernzeit stammen Großer und Kleiner Wolfsstein beim heutigen Bad Marienberg. Allerdings zeugen sie auch für den unerbittlichen Zahn der Zeit. Hinterließ der Basaltlavastrom zunächst eine geschlossene Decke, griffen die extremen Temperaturwechsel während der Eiszeit das Gestein an. So brach der Verbund auseinander, und es blieben die sicher spektakulären Felsformationen von Großem und Kleinem Wolfstein. Bei genauerem Hinsehen lässt sich ihr ursprünglicher Zusammenhang im Gelände noch erkennen. Mit anderen (verstürzten) Blöcken bilden sie den Wolfsrücken.
Ihre Wirkung auf den Betrachter lässt schon der Name ahnen. Über ganz Deutschland verstreut heißen beträchtlich viele Felsen Wolfstein oder Wolfsstein. Der Wolf stand für Furcht und Schrecken. Seit je hing dem „grauen Räuber“ der Ruf des Unheimlichen und Dämonischen an. Was die Marienbader Wolfssteine angeht, setzt die hiesige Überlieferung noch eins drauf. In einer Urkunde von 1048 erscheint nicht nur der Westerwald erstmals in seiner heutigen Schreibweise, sondern als Grenzmarke auch der Große Wolfsstein, der hier „Drutgerestein“ heißt. Beim Wortteil „Drut“ leuchten die Augen der Wort(v)erklärer. Mindestens muss hinter diesem Drut ein Druide stecken, womit auch gleich ein keltischer Geschichtshorizont aufgerissen ist.

Noch eine Windung mehr auf der Spekulationsschraube, und „Drut“ lässt sich auf die „Druden“ oder „Truden“ zurückführen. Sie geistern entweder als Naturgöttinnen oder als hexenartige Wesen noch heute durch die einschlägige Literatur. Am bekanntesten sind sie als Wesen, die sich nachts auf die Brust des Schlafenden setzen und so das Alpdrücken verursachen.
Und selbst damit ist im Fall dieser Wolfssteine das Reich des Bösen noch nicht ganz erkundet. Eine Lokalsage verbindet sie mit dem Teufel selbst. Der habe einen Turm (oder eine Treppe) bis in den Himmel bauen wollen, zu dieser ambitionierten Architektur natürlich viel Material gebraucht und deshalb aus allen Gegenden die Felstrümmer zusammengeholt. Als er mit seiner Last durch die Lüfte fuhr, seien eben hier die Weidenruten gerissen, mit denen er die gewaltigen Brocken zusammengebunden habe. Und wo sie damals hingefallen seien, da liegen sie heute noch – eben als Großer und Kleiner Wolfsstein.
Ungewöhnliche Erscheinungsformen regen die Phantasie an. Offenbar hatte es seinen Reiz, sie mit übersinnlichen Mächten zu verbinden. Ein gutwilliger Interpret könnte die Teufelssage als ahnungsvollen Reflex auf die Dynamik deuten, die in den realen erdgeschichtlichen Abläufen lag. Eigentlich aber ist die Geschichte des Vulkanismus im Westerwald so spannend, dass auf solche erzählerischen Zutaten leicht verzichtet werden kann. Imposante Zeugen dieser Geschichte sind die Wolfssteine.

(Detlev Arens, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e. V., 2019)

Literatur

Rheinischer Verein (Hrsg.) (2019)
Rheinland Kalender 2020. Denkmal - Landschaft - Natur. (Rheinland Kalender.) Wermelskirchen.
Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. (Hrsg.) (2002)
Rheinland: Denkmal, Landschaft, Natur - 2003 (Jahreskalender 2003, 33. Jahrgang). Köln.

Wolfssteine in Bad Marienberg

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Kulturlandschaftspflege
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„Wolfssteine in Bad Marienberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-54164-20120917-5 (Abgerufen: 23. August 2019)
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