Atombunker Goßberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Wüschheim
Kreis(e): Rhein-Hunsrück-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Die 494 Meter hohe Kuppe Goßberg bei der Ortsgemeinde Wüschheim im Rhein-Hunsrück-Kreis mit dem ehemaligen Atombunker (2008).

    Die 494 Meter hohe Kuppe Goßberg bei der Ortsgemeinde Wüschheim im Rhein-Hunsrück-Kreis mit dem ehemaligen Atombunker (2008).

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Der Goßberg, eine heute 494 Meter hohe Bergkuppe, beherbergte seit 1956 eine Radaranlage der US-Streitkräfte. Von 1984 bis 1989 wurde diese zu einem 30 Meter tiefen atombombensicheren Bunker ausgebaut, der aber nie in Betrieb genommen wurde.

Der Standort Hunsrück im „Kalten Krieg“
Bereits unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich ab 1945 der Kalte Krieg zwischen West und Ost (bzw. den Supermächten USA und UdSSR mit ihren militärischen Bündnissen NATO und Warschauer Pakt), der erst 1989/90 endete.
Die Bundesrepublik Deutschland stand dabei nicht nur als Grenzstaat zwischen den politischen Blöcken, sondern diente auch als militärischer Stützpunkt für die NATO und insbesondere das US-amerikanische Militär.
Im Hunsrück finden sich neben den überregional bekannten von der US-Air Force betriebenen Militärflugplätzen Hahn Air Base (seit 1951/52, seit 1993 ziviler Flughafen Frankfurt-Hahn) und Ramstein Air Base (seit 1951, zugleich europäisches US-Hauptquartier) weitere Relikte des Kalten Krieges, darunter auch der frühere Atombunker Goßberg.

Zweck und Funktion des Atombunkers
Der Goßberg ist eine heute 494 Meter hohe Kuppe, auf der bereits seit 1956 eine Radaranlage der US-Streitkräfte betrieben wurde. Von 1984 bis 1989 wurde die Anlage zu einem atombombensicheren Bunker ausgebaut.
Die von 1978 bis 1992 von den US-Streitkräften geführte NATO-Aufklärungsbasis Metro Tango (MT) sollte in den neuen Bunker umziehen. Die MT war etwa 4 Kilometer westlich des Goßbergs in Richtung Kappel an der Bundesstraße B 327 stationiert.
Daneben sollte vom neuen Atombunker aus auch die rund 3 Kilometer nördlich zwischen Bell und Hasselbach gelegene Raketenbasis Pydna mit abschussbereiten Cruise-missile-Marschflugkörpern (raketengetriebene Lenkwaffen mit Atomsprengköpfen) geleitet werden, die bis zu ihrer offiziellen Auflösung 1990 von der NATO unter dem Decknamen Wüschheim Air Station betrieben wurde. Bis März 1986 sollen hier bis zu 64 Marschflugkörper von geplanten 96 gemäß NATO-Doppelbeschluss stationiert worden sein (de.wikipedia.org, NATO-Doppelbeschluss).

Die Bunkeranlage
Die von ihrer Nordseite her zugängliche Anlage ist am Haupteingang mit einem äußeren und einem inneren Schiebetor sowie druckdichten Türen gesichert. Ein äußeres Schildbauwerk umschließt das eigentliche Bunker-Schutzbauwerk im Inneren, das bis zu 30 Meter tief in den Boden reicht. Der ursprünglich 486 Meter hohe Goßberg wuchs durch den Bau der Anlage bis 1989 um 8 Meter in die Höhe.
In seinem inneren Aufbau besteht der Atombunker aus drei Ebenen, von denen die „Ebene 0“ die Versorgungstechnik mit einem Wasservorratstank samt Versorgungssystem, Schmutzwassertanks und ein Diesel-Lager beherbergt. In der „Ebene 1“ befinden sich neben der Gebäudetechnik (Klima- und Lüftungsanlagen) der Reinigungsbereich sowie Lager- und Umkleideräume. Ferner sind hier die technischen Anlagen für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung und die Feuerlöschzentrale untergebracht. In der „Ebene 2“ sollten die Rechner und die Elektrotechnik installiert werden; die Ebene war ferner für die Verwaltung vorgesehen.
Als Gesamtbaukosten bis zu seiner Fertigstellung 1989 werden etwa 80 Millionen US-Dollar für den Bau des Bunkers angesetzt, was seinerzeit rund 150 Millionen Deutschen Mark entsprach.

„Das Bunkergebäude hat ein äußeres Schildbauwerk sowie ein inneres Schutzbauwerk, jeweils in Stahlbetonbauweise. Das äußere Schildbauwerk hat eine Stärke von 1,60 m, der innere Schutzbau von 0,80 m. Zwischen beiden Bauten befindet sich ein Hohlraum mit einer Breite von 2,00 m, vorgesehen als Kontrollgang und Fluchtweg. Dieser Hohlraum sollte auch zur Belüftung der inneren Räume dienen.
Die Bodenplatte hat eine Dicke von 1,00 m, die der Abschlussdecke des inneren Schutzbauwerks ist zwischen 1,00 m und 1,20 m stark. Die Abschlussdecke des äußeren Schildbauwerks besteht aus einer Betondecke von 1,05 m und einer darüber liegenden Zerschellerschicht mit Quarzitblöcken und Fließbeton von 1,10 m. Darauf befindet sich eine Erdüberschüttung von 0,40 m als “Gründach„.
Das gesamte Bunkergebäude ragt ca. 13,30 m tief in die Erde hinein und ca. 10,35 m aus der Erde heraus. Die gesamten Gebäudeabmessungen betragen: Länge x Breite = 50,30 m x 45,80 m“
(de.wikipedia.org, Goßberg).

Infolge der atomaren Abrüstung der Supermächte seit Mitte der 1980er Jahre und dem zeitlich daran anschließenden politischen Wandel mit dem faktischen Ende des Kalten Krieges in den Jahren 1989/1990 wurde die Anlage nie in Betrieb genommen.
Später wurde das Gelände an eine Firma Aero Sea Group verkauft, die angeblich um 1999/2000 plante, hier eine Art Geldspeicher als europäisches „Fort Knox“ einzurichten. Ähnlich dem für die Verwahrung von Notgeld gebauten Bundesbankbunker in Cochem-Cond, sollten im Goßberg angeblich die Druckplatten und eine Reserve der neuen Euro-Währung sicher verwahrt werden (Rhein Zeitung vom 21.10.1999; nach de.wikipedia.org, Goßberg, dort jedoch ohne weiteren Beleg).

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2015)

Internet
de.wikipedia.org: Goßberg (Hunsrück) (abgerufen 20.07.2015)
de.wikipedia.org: NATO-Doppelbeschluss (abgerufen 18.08.2015)

Atombunker Goßberg

Schlagwörter
Ort
55471 Wüschheim
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
keine Angabe
Historischer Zeitraum
Beginn 1984 bis 1989, Ende nach 1990
Koordinate WGS84
50° 01′ 9,54″ N, 7° 25′ 19,86″ O / 50.01932°, 7.42218°
Koordinate UTM
32U 386970.24 5541971.05
Koordinate Gauss/Krüger
2601965.73 5543526.9

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„Atombunker Goßberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-132609-20150720-2 (Abgerufen: 11. Dezember 2018)
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