Blumbergs-Mühle in Weselerwald

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Schermbeck
Kreis(e): Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Das Müller-Ehepaar der Mühle in Schermbeck-Weselerwald Fritz und Johanna Zillig im Jahre 1934.

    Das Müller-Ehepaar der Mühle in Schermbeck-Weselerwald Fritz und Johanna Zillig im Jahre 1934.

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  • Die auf der historischen Aufnahme von 1927 etwa 90 Jahre alte Weselerwalder Mühle, davor der Müller Fritz Zillig.

    Die auf der historischen Aufnahme von 1927 etwa 90 Jahre alte Weselerwalder Mühle, davor der Müller Fritz Zillig.

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  • Ein gedrungener Turmstumpf ist der heute verbliebene Rest der Weselerwalder Windmühle, deren Baugenehmigung im Jahre 1837 erteilt wurde (2014).

    Ein gedrungener Turmstumpf ist der heute verbliebene Rest der Weselerwalder Windmühle, deren Baugenehmigung im Jahre 1837 erteilt wurde (2014).

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  • Blick von Norden auf die Reste der ehemaligen Windmühle in Schermbeck-Weselerwald (2014).

    Blick von Norden auf die Reste der ehemaligen Windmühle in Schermbeck-Weselerwald (2014).

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Steinerne Zeugen der Schermbecker Geschichte
Teil 15: Mühle in Weselerwald

Mehr als der untere Teil des gedrungenen Turmes ist von der alten Weselerwalder Mühle nicht übriggeblieben, und würde nicht die Straßenbezeichnung „An der Windmühle“ den Spaziergänger aufmerken lassen, so fiele vielleicht nicht einmal der Backsteinbau besonders ins Auge, der vor über 175 Jahren der wohl wichtigste außerlandwirtschaftliche Gewerbebetrieb im ländlichen Weselerwald gewesen ist.

Baugeschichte
Die Konzession zum Bau dieser Mühle wurde in einer Zeit erteilt, als die preußische Wirtschaftspolitik im Gefolge der napoleonischen Befreiung vom Mühlenbann durch das Edikt vom 28. Oktober 1810 die endgültige Aufhebung des Mühlenbanns beschloss. Mühlen schossen wie Pilze aus dem Boden. Schließlich sah sich der preußische Staat genötigt, in einem Gesetz vom 23. Oktober 1826 die Konzessionserteilung für den Neubau davon abhängig zu machen, „ob ein Bedürfnis vorhanden war und ob die bestehenden Betriebe für den Bedarf nicht ausreichten. Bis zum Jahre 1845 behielt das Gesetz seine Gültigkeit.“
In diese Zeit einer an bestimmte Bedingungen gebundenen Gewerbefreiheit fiel der Antrag des Weselerwalder Käthers Bernhard Kleinsteinbeck, genannt Blumberg. Am 15. März 1836 trug er dem Schermbecker Bürgermeister Maassen sein Anliegen vor, auf dem bei seinem Hause gelegenen 21 Morgen umfassenden Heidegrund eine „hölzerne sogenannte holländische Windmühle zum Getreide- oder Kornmahlen und Gerstengraupen“ zu errichten. Der Auffassung des Antragstellers, dass es „in der Nähe an ähnlichen Mühlen fehle“, konnte Bürgermeister Maassen indessen nicht ohne weiteres zustimmen. Maassen verwies auf die Mühlen in Peddenberg, Haus Esselt, im Dorf Brünen, auf die Mühlen bei Gut Venninghausen, in Lackhausen, Marienthal und schließlich sogar auf jene in Raesfeld und fasste die vom Landrath Bernuth erbetene Stellungnahme zusammen mit dem Hinweis: „Hinsichtlich der Anlage selbst kann ich mich nun dahin aussprechen, dass sie als nothwendig in keiner Beziehung erscheint.“

Der Antragsteller ließ sich durch die Stellungnahme des Bürgermeisters wenig beeindrucken. Mit Nachdruck hielt er an seinem Vorhaben fest, revidierte seine ursprüngliche Planung, indem er nun die Genehmigung für eine massive Mühle mit zwei Mahlgängen plante. Als mögliche Mahlinteressenten führte Bernhard Kleinsteinbeck Bauern der Umgebung auf, nannte Weselerwalder, Dämmerwalder und Dammer Bauern ebenso wie jene aus Lackhausen, Drevenack und Brünen. Die Bestimmtheit seines Vorgehens, vor allem aber die Tatsache, dass innerhalb eines Zweimonatszeitraumes nach der öffentlichen Bekanntgabe des Bauvorhabens kein benachbarter Müller Widerspruch einlegte, bewogen die Regierung in Düsseldorf offensichtlich, die Bedenken des Bürgermeisters zurückzuweisen. In einem Schreiben vom 24. August 1837 deutete der Sachbearbeiter Hatzfeld dem Landrat bereits an, dass nur „etwa unbemerkt gelassene anderweitige Umstände“ einer Realisierung der Mühlenanlage noch im Wege stehen könnten.
Des Bürgermeisters Auflistung solcher Mühlen, die teilweise über zwei Stunden von Weselerwald entfernt lagen, hielt man in Düsseldorf für wenig überzeugende Gegenargumente. Da weitergehende Einwände aus Schermbeck nicht in Düsseldorf gemeldet wurden, erteilte die Königliche Regierung am 26. Oktober 1837 endgültig die Konzession zum Bau der Mühle.

Besitzgeschichte
In den darauffolgenden 100 Jahren hat die Mühle mehrfach den Besitzer gewechselt. Die Revisionsberichte der Schermbecker Polizeidiener Dahlhaus und Gühnemann weisen vorübergehend einen Besitzer namens Paß aus, der schon um 1895 eine Dampfmaschine als weitere Antriebskraft der Weselerwalder Getreidemühle meldete. Kurz nach der Jahrhundertwende pachtete der Louisendorfer Fritz Zillig die Weselerwalder Mühle. 1908 kaufte er sie von dem Drevenacker Ernst Paß. Neben der Landwirtschaft, die der Müller zusammen mit seiner aus Bislich stammenden Frau Johanna betrieb, diente das Mahlen des Getreides zum Broterwerb. 30 Pfennig erhielt der Müller in den 1920er Jahren für das Mahlen eines Zentners Getreide. Bisweilen behielt er anstatt des Geldes einen Teil des Mehls zurück für die Aufzucht seiner Schweine und Kühe, deren Qualität in der Umgebung bekannt war.

Als Mitte der 1920er Jahre Weselerwald an das Stromnetz des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerkes angeschlossen wurde, bedeutete dies für den Müller Fritz Zilli eine wesentliche Beeinträchtigung seines Gewerbes. Weselerwalder Landwirte begannen, Getreide auf eigenen Walzen- oder Steinmühlen zu schroten. Anfang der 1930er Jahre gingen die Mahlaufträge derart zurück, dass die mühselige Arbeit des Segeltuch-Spannens und der Ausrichtung des Mühlenturmes nach der jeweiligen Windrichtung unrentabel wurde. Mühlenbauer Hüser aus Drevenack baute die Mühlenflügel ab. Gleichzeitig wurde die Dampfmühle im hinteren Anbau durch eine elektrische Mühle ersetzt. Lediglich der Schornstein erinnerte noch bis 1944 daran, dass in der Mühle Zillig einmal Getreide mit der Dampfmühle gemahlen wurde.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Müller Fritz Zillig bis zu seinem Tode im Jahre 1951 nur noch mit der Elektromühle gemahlen, ebenso wie Heinrich und Werner Tinnefeld, die das Wohnhaus seit 1946 bewohnten und bis 1955 Getreide für den Futterbedarf des eigenen landwirtschaftlichen Betriebes schroteten. Mühlsteine und Balken, die der Erweiterung von Stallungen weichen mussten, waren schon den frühen 1970er Jahren nicht mehr vorhanden. Wahrscheinlich waren sie irgendwo zum Brunnenbau oder als Brennholz verwendet worden.

Heute kündet nur noch der gedrungene Turmstumpf der alten Windmühle als steinerner Zeuge vom einstmals florierenden Weselerwalder Mühlengewerbe. Der sich konisch nach oben verjüngende Backsteinbau mit seinem runden Querschnitt gilt als typisches Beispiel für eine holländische Turmwindmühle.

(Helmut Scheffler, Schermbeck, 2015)

Blumbergs-Mühle in Weselerwald

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
An der Windmühle 27
Ort
46514 Schermbeck
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1837
Koordinate WGS84
51° 42′ 11,26″ N, 6° 44′ 14,07″ O / 51.70313°, 6.73724°
Koordinate UTM
32U 343644.35 5730443.59
Koordinate Gauss/Krüger
2551009.12 5730129.77

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„Blumbergs-Mühle in Weselerwald”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-124290-20150505-2 (Abgerufen: 20. August 2018)
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