Als 1857 der nahe gelegene Pulverturm explodierte, führte dies auch an St. Stephan zu schweren Beschädigungen und die reiche barocke Ausstattung war nicht mehr vorhanden. Ebenfalls führte der Zweite Weltkrieg zu großen Schäden an St. Stephan. Besonders der große Westturm musste nach Kriegsende aufwendig restauriert werden. Die Wiederaufbauarbeiten dauerten bis 1959 an, allerdings wurde das Gewölbe von Langhaus und Chor nicht wieder hergestellt, sondern durch eine flache Holzdecke ersetzt. Umfassende Sanierungsarbeiten an den Außenmauern wurden erst Mitte der 1990er Jahre zum Abschluss gebracht.
Bauweise
Erzbischof Willigis ließ an der Stelle der heutigen Pfarrkirche St. Stephan um 990 eine doppelchörige Basilika im ottonisch-vorromanischen Stil errichten. Zwischen 1290 und 1338 ließ das Kollegiatstift, eine Gemeinschaft von Weltpriestern, die Kirche im gotischen Stil neu erbauen. Der Turm war ursprünglich nur eingeschossig, erhielt jedoch 1495 eine Glockenstube mit Maßwerkfenstern. Im Jahr 1740 wurde der Turm um eine sogenannte Türmerwohnung erhöht, gleichzeitig fand die Erhöhung der Glockenhaube auf 66 Meter statt. Am Außenbau sind große Maßwerkfenster und gestaffelte Strebepfeiler zu erkennen, die der Jochteilung im Inneren entsprechen. Das Satteldach des Mittelschiffes ist mit Walmdächern gedeckt, die entsprechend der jeweiligen Jochteilung emporragen. Der zwischen 1462 und 1499 hinzugefügte Kreuzgang befindet sich an der Südseite der Kirche und besteht aus vier etwa gleichlangen Flügeln, die einen Innenhof umschließen.
Heutiges Erscheinungsbild
Die Kirche stellt sich heute als klar gegliederte gotische Hallenkirche mit drei Schiffen dar, mit Chören im Osten und im Westen. Ein großer achteckiger Glockenturm ragt über dem Westchor. Die Wände sind in heller Farbe gehalten, dies bildet einen guten Kontrast zu dem roten Sandstein der tragenden Architekturteile. Der 66 Meter hohe Turm des Bauwerkes stammt, Vermutungen zufolge, bis zur Höhe des Spitzbogenfrieses noch von der Willigiskirche. 1947 wurde ein breiter Riss im Turm geschlossen. 1962 fand in Mainz die 2000-Jahr-Feier statt, zu der der St. Stephanskirche Kuppel und Laterne wieder aufgesetzt wurden. Die auf der südwestlichen Anhöhe gelegene Pfarrkirche St. Stephan prägt mit dem hohen Turm das Mainzer Stadtbild. St. Stephan gilt als größter Kirchenbau nach dem Mainzer Dom. Zudem ist die Kirche die älteste doppelchörige kreuzförmige Hallenkirche am Mittelrhein. Die einzigartige Baugestalt entsteht durch das bei Hallenkirchen sonst eher untypische Querhaus und ebenso durch den Turm, der sich über dem westlichen Mittelschiffsjoch befindet.
Chagallfenster
Die von dem berühmten Maler Marc Chagall in den Jahren zwischen 1978 und 1985 geschaffenen neun Fenster für den Ostchor und das Querschiff von Sankt Stephan sind die einzigen Glasfenster des jüdischen Künstlers in Deutschland. Das letzte vollendete der Mainzer Ehrenbürger Marc Chagall, der die Stadt Mainz jedoch nie kennen lernte, kurz vor seinem Tod im 98. Lebensjahr. Die Fenster setzen ein Zeichen für Völkerverständigung und Frieden, indem sie in biblischen Darstellungen die Verbundenheit zwischen jüdischem und christlichem Glauben zeigen. Die blau leuchtenden Glasfenster machen St. Stephan zu einer Attraktion, was durch die Zahl von 200.000 Touristen pro Jahr belegt wird, die auf den Stephansberg hinauf wandern.
(Nina Pfeiffer, Universität Koblenz-Landau, 2015)
Quelle
Informationstafel vor Ort
Internet
www.st-stephan-mainz.de: Katholische Pfarrgemeinde St. Stephan Mainz (Abgerufen: 22.03.2015)
www.mainz.de: St. Stephan - Chagalls Mystik des blauen Lichts (Abgerufen: 22.03.2015)