Ehemalige katholische St. Christophskirche in der Altstadt

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Mainz
Kreis(e): Mainz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Geschichte
Die ehemalige Pfarrkirche St. Christoph wurde erstmalig 893 als Kapelle erwähnt. Der romanische Nordturm mit den Doppelfenstern wurde bereits 1240 erbaut und ist somit das älteste Bauteil der Kirche. Zwischen 1280 und 1330 fand die Errichtung des Chores sowie des Schiffes statt. Die Jesuiten kamen 1561 nach Mainz und erhielten die Christophskirche im Jahre 1563 für ihre Gottesdienste. Nach 1687 und 1761 wurde der Kirchenbau renoviert und im Barockstil umgestaltet. Bei Ausschachtungsarbeiten im Jahr 1761 wurden unter dem Chor Reste einer Krypta vorgefunden, deren gotische Freskenmalerei bis heute erhalten ist.

Durch die nächtlichen Fliegerangriffe im August 1942 brannte die Kirche ab, die Gewölbe konnten diesen Angriffen vorerst Stand halten. Durch Sprengbomben am 27. Februar 1945 wurde der Kirchenbau allerdings bis auf die Grundmauern zerstört. Die Gewölbe der Kirche stürzten ein, ebenfalls nahm der Turm großen Schaden.

1950 erfolgten bereits Ausbesserung und Sicherung des Turmes, 1954/55 wurden diese Arbeiten am Mittelschiff und an der Mauerkrone vorgenommen. Die Giebel des Turmes wurden allerdings beseitigt, er erhielt daraufhin einen geraden Abschluss. Das Baugefüge ist, bis auf das nördliche Seitenschiff, in den einstigen Umfassungsmauern erhalten. Ein Wiederaufbau der ursprünglichen Chorkapelle aus dem 15./16. Jahrhundert sowie der Valentinuskapelle aus dem Jahr 1768 fand nicht statt.

St. Christoph zählt zu den ältesten Kirchen Deutschlands, die den Namen des Heiligen Christophs tragen. Eine weitere Bedeutung kommt der ehemaligen Kirche zu, da sie die Taufkirche von Johannes Gutenberg (Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern) war.

Die ehemalige Kirche als Mahnmal
In den Jahren 1963/64 fand die Herrichtung der Ruine als Mahnmal statt. An der Stelle des zerstörten Seitenschiffes wurde eine stützende Konstruktion aus Beton mit Sturzrelief errichtet. Das Strebewerk von dem Bildhauer Heinz Hemrich wurde mit symbolischen Darstellungen, die die Mainzer Geschichte abbilden, versehen. Ursprünglich war die Kirche um Chor und Westseite von Häusern bebaut, die Ruinen der Häuser wurden jedoch beseitigt. Auf Grund dieser Beseitigung entstand ein neuer Platz. Seit 1963 erinnert die Ruine als Mahnmal für alle Opfer des Zweiten Weltkrieges an die furchtbaren Geschehnisse der nationalsozialistischen Herrschaft. Auf einem Gedenkstein, der in den Boden eingearbeitet ist, stehen die Worte „Den Toten zum Gedenken – Den Lebenden zur Mahnung“. Teile der Kirche werden seit 1964 als Kapelle genutzt.

Bauliche Struktur
Ursprünglich bestand die dreischiffige Basilika aus einem Langhaus mit vier Jochen. Die heute vorhandenen Strebepfeiler sind entsprechend der Jochteilung angebracht. Der Turm wurde einst mit Architekturgliedern aus Kalkstein kombiniert und im 14./15. Jahrhundert um ein Geschoss erhöht. Die weiteren romanischen Turmgeschosse sind schlicht in Form von Geschossgesimsen, Eckvorlagen sowie spitzbogigem Fries gegliedert.

Lage
Die Ruine St. Christoph befindet sich in der Christofsstraße 8 in der Mainzer Altstadt. Die Christofsstraße schließt an den Karmeliterplatz an.

(Nina Pfeiffer, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Quelle:
Informationstafel vor Ort

Internet:
www.regionalgeschichte.net: St. Christoph in Mainz (Abgerufen: 17.03.2015)

Literatur

Falck, Ludwig (1984)
Mainz ehemals, gestern und heute. S. 86, Stuttgart.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2014)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreisfreie Stadt Mainz (Denkmalverzeichnis Mainz, 31. März 2014). S. 3, o. O. Online verfügbar: http://www.denkmallisten.gdke-rlp.de/Mainz.pdf, abgerufen am 21.02.2015
Wegner, Ewald (1990)
Stadt Mainz, Altstadt. (Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 2.2.) S. 94, Düsseldorf.

Ehemalige katholische St. Christophskirche in der Altstadt

Schlagwörter
Ort
55116 Mainz - Altstadt
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 983 bis 1330
Koordinate WGS84
50° 00′ 6,68″ N, 8° 16′ 20,23″ O / 50.00185°, 8.27229°
Koordinate UTM
32U 447849.07 5539090.65
Koordinate Gauss/Krüger
3447903.27 5540867.03

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„Ehemalige katholische St. Christophskirche in der Altstadt”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-118770-20150320-6 (Abgerufen: 21. November 2018)
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