Evangelische Christuskirche in Mainz-Neustadt

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Mainz
Kreis(e): Mainz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Christuskirche in Mainz (2014)

    Christuskirche in Mainz (2014)

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Der Mainzer Stadtbaumeister Eduard Kreyßig hat in den Jahren von 1867–1897 die Entwicklung der Stadt Mainz entscheidend geprägt. Planung und Bauausführung der Mainzer Neustadt und des Zoll- und Binnenhafens gehören ebenso zu seinen Leistungen wie der Neubau von Schulen, Bädern, Polizeidienststellen und einer Stadthalle. Vieles wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Doch sein wichtigstes Werk, die Christuskirche mit Türmen und einer hohen Kuppel, die er als privaten Auftrag ausführte, ist geblieben.
Im Bebauungsplan für die Neustadt hatte Kreyßig als Endpunkt der breiten, zum Rhein verlaufenden Kaiserstraße einen Standort für eine evangelische Hauptkirche der Stadt vorgesehen. 1886 beschloss der Mainzer Stadtrat, der evangelischen Gemeinde diesen Bauplatz unentgeltlich zu überlassen, allerdings mit der Bedingung, dass die zukünftige Kirche „eine angemessene monumentale Ausbildung“ erhalten und die Gemeinde spätestens in zehn Jahren mit dem Bau beginnen müsse.

1802 wurde in Mainz eine evangelische Gemeinde gegründet, deren Gottesdienste zum Teil in der Johanniskirche gefeiert wurden. Im Jahr 1886 erhielt die evangelische Gemeinde von der Stadt einen kostenlosen Bauplatz in der Mainzer Neustadt. Die Abgabe des Baugeländes unterlag jedoch der Bedingung, dass ein Wettbewerb für den Kirchenbau ausgeschrieben und innerhalb von zehn Jahren mit dem Bau begonnen wird.
Von den Teilnehmern des Wettbewerbs, der 1894 stattfand, erhielt schließlich der Stadtbaumeister Eduard Kreyßig den Auftrag. Dieser bestellte den Schweden Franz Frederiksson als Bauleiter. Kreyßig verstarb im Jahr 1897, sodass die Christuskirche von Frederiksson zwar nach Entwürfen von Kreyßig, jedoch in etwas abgewandelter und vereinfachter Form fertiggestellt wurde. Am 2. Juni 1903 wurde die evangelische Christuskirche geweiht.

Für die evangelische Bevölkerung von Mainz musste ein Kuppelbau im Stil der Neorenaissance zwangsläufig Verbindungen zur Peterskirche in Rom wachrufen. Kreyßigs Kuppelbau spaltete die Mainzer Presse in zwei Lager. Die einen nannten ihn „zu katholisch“, dem „Land der Reformation“ nicht entsprechend. Die anderen lobten den „organischen Aufbau“, die „edlen Verhältnisse“ und die „glanzvolle Würde“.

Die Kirche wurde während des Zweiten Weltkriegs am 27. Februar 1945 stark beschädigt und brannte aus. Zwischen 1951 und 1954 fand der Wiederaufbau der Christuskirche unter Leitung von Otto Vogel statt, 1954 wurde sie neu geweiht.

Lage
Die Christuskirche befindet sich in der Kaiserstraße 56 und steht als monumentaler Einzelbau am Straßenende, welches sich in der Nähe des Rheins befindet. Die Pfarrhaus- und Gemeindebauten im Osten sind Teil der Christuskirche und durch einen Arkadengang miteinander verbunden. Die Kirche prägt mit ihrer hohen Kuppel den Straßen- und Stadtteil und stellt als auffallendes Bauwerk die Überleitung von der Alt- in die Neustadt dar. Im Mainzer Uferpanorama stellt die Christuskirche durch Höhe und Bauvolumen das evangelische Pendant zum katholischen Dom dar. In ihrer kunst- und baugeschichtlichen Bedeutung gehört sie zu den großen evangelischen Kirchenbauten des späten 19. Jahrhunderts.

Bauweise
Der Grundriss der Christuskirche weist einen monumentalen Zentralbau über griechischem Kreuz auf. Die Kirche wurde im Stil der Neurenaissance errichtet und besitzt eine Tambourkuppel. Der westliche Kreuzarm wurde etwas länger gestaltet, er besteht aus Langhaus mit vorgelegter Eingangshalle sowie Hauptportal. An den Kreuzarmen sind Giebelfronten vorhanden. Ebenfalls deuten die seitlichen Turmaufbauten sowie Obeliskenkrönungen auf die italienische Hochrenaissance, die wohl bei den Entwürfen als Vorbild diente, hin.

Der Wiederaufbau veränderte jedoch das Bild von außen und innen, was sich besonders in der Kuppel der Christuskirche zeigt. Sie ist gestreckt und nur noch mit senkrechten Rippen bestückt. Ursprünglich wies der Innenraum eine stuckierte Kuppel und eine plastische Ausgestaltung auf, ebenso war er unter anderem mit Kanzel und Orgel ausgestattet. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde die historische Innenausstattung herausgenommen und durch eine den 1950er-Jahren typische Innenausstattung (schlicht-purifizierend) ersetzt.

(Nina Pfeiffer, Universität Koblenz-Landau, 2015; Paul-Georg Custodis, Rheinischer Verein, 2016)

Quelle
Inschriftentafel vor Ort

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2014)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreisfreie Stadt Mainz (Denkmalverzeichnis Mainz, 31. März 2014). S. 3, o. O. Online verfügbar: http://www.denkmallisten.gdke-rlp.de/Mainz.pdf, abgerufen am 21.02.2015
Schumacher, Angela / Wegner, Ewald (Bearb.) (1986)
Stadt Mainz, Stadterweiterungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. (Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 2.1.) S. 32, Düsseldorf.

Evangelische Christuskirche in Mainz-Neustadt

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kaiserstraße 56
Ort
55118 Mainz - Neustadt
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Fernerkundung, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1897 bis 1903
Koordinate WGS84
50° 00′ 26,27″ N, 8° 16′ 1,08″ O / 50.0073°, 8.26697°
Koordinate UTM
32U 447473.83 5539699.47
Koordinate Gauss/Krüger
3447527.87 5541476.09

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„Evangelische Christuskirche in Mainz-Neustadt”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-118738-20150320-3 (Abgerufen: 17. August 2018)
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