Klause bei Kastel

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Kastel-Staadt
Kreis(e): Trier-Saarburg
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Der mächtige Sandsteinfelsen, der sich bei Serrig hoch über dem Tal der Saar wie eine Bastion erhebt, wird urkundlich bereits um 1098 erstmals erwähnt. Er war frühe Kult- und Begräbnisstätte und Festung zugleich. In mittelalterlicher Zeit waren in den Felsen zahlreiche Höhlen als Eremitenwohnungen geschlagen worden, in Erinnerung an die heiligen Stätten auf dem Golgathafelsen bei Jerusalem, und in einer Wandnische ein Relief mit Darstellung des Heiligen Grabes. Um 1600 hatte der Franziskanermönch Roméry auf dem obersten Felsplateau einen kleinen, zweistöckigen Kapellenbau erbaut. Über dem nachgotisch gewölbten, einschiffigen Sakralraum hatten sich Reste des Obergeschosses mit Rundbogenfenstern erhalten.

Die Klause und der „blinde König“
Nachdem dieser heilige Ort über Jahrhunderte das Ziel frommer Wallfahrer gewesen und von der Abtei St. Maximin in Trier betreut worden, ab 1794 aber zunehmend verfallen war, schenkte ihn die Gemeinde Kastel im Jahre 1833 dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm anlässlich seiner Reise durch die Rheinprovinz. Bei gleicher Gelegenheit waren ihm in Mettlach von Johann Franz Boch, dem Inhaber der keramischen Werke, die Gebeine König Johanns von Böhmen zum Geschenk gemacht worden. Als Graf von Luxemburg hatte Johann die Erbin Böhmens geheiratet. Sein Sohn Karl war 1349 als Karl IV. zum Kaiser des Heiligen Römischen reiches deutscher Nation gewählt worden. Dem 1346 in der Schlacht von Crécy in Frankreich gefallenen blinden König war seitdem der Ruf des „edlen Ritters“ gefolgt. Seine Gebeine waren in den Wirren der Französischen Revolution in die Obhut der Industriellenfamilie Boch gegeben worden, um sie vor den französischen Truppen zu schützen. Sowohl das Haus Hohenzollern wie das Haus Wittelsbach betrachtete König Johann als Vorfahren. Der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm, der die Herrschaft der Preußen im Rheinland auch genealogisch legitimieren wollte, bestimmte die Klause zur Ruhestätte für diesen „blinden König“ und wollte sie nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel zum Mausoleum ausgebaut wissen. Dies sollte zum einen ein Beweis der Pietät für diesen ritterlichen, in der Schlacht gefallenen Vorfahren sein. Zum anderen sollte hiermit der Anspruch des Hauses Hohenzollern auf die ehemals geistlichen Territorien an Rhein und Mosel legitimiert werden.

Ausbau zum Mausoleum
Schinkel nahm eine behutsame Umgestaltung des Kapellenbaus vor, gab ihm aber gerade durch den Rückgriff auf romanische Bauformen den Gesamteindruck eines Denkmals eines romantisch verklärten mittelalterlichen Rittertums: Der Sakralbau blieb unangetastet, erhielt aber eine neue Verglasung mit Scheiben in leuchtendem Blau mit gelben Sternen, die den Raum in eine Art mystische Stimmung versetzen. An Johanns Todestag im Jahr 1838 wurden seine Gebeine dort in einem schwarzen Marmorsarkophag bestattet. Seine Platte trägt Nachbildungen der böhmischen Königskrone und des Reichsapfels in Bronze. 1946 wurden die Gebeine des Königs in die Kathedrale von Luxemburg überführt. Auf die Innenseite der Eingangswand wurde nach einem Entwurf von Baron Rudolf von Stillfried-Rattonitz der Stammbaum des Kronprinzen und seiner Gattin Elisabeth von Bayern aufgemalt. Das Obergeschoss der Kapelle, durch Treppen mit den Felsenkammern verbunden, erhielt statt der schlichten Rundbogenfenster auf beiden Seiten eine Folge von Arkaden.

(Paul Georg Custodis, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 2014)

Internet
www.danke-berlin-2015.de: 200 Jahre Preußen am Rhein (abgerufen 09.09.2014)

Literatur

Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.) (2014)
Rheinland: Denkmal, Landschaft, Natur - 2015 (Jahreskalender 2015, 44. Jahrgang). Köln.

Klause bei Kastel

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1590 bis 1610
Koordinate WGS84
49° 34′ 5,07″ N, 6° 34′ 14,46″ O / 49.56807°, 6.57068°
Koordinate UTM
32U 324351.46 5493444.24
Koordinate Gauss/Krüger
2541325.32 5492524.61

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„Klause bei Kastel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-102298-20140906-2 (Abgerufen: 24. Februar 2018)
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