Grube Silberwiese in Oberlahr

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Oberlahr
Kreis(e): Altenkirchen (Landkreis Altenkirchen / Westerwald)
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Die Grube Silberwiese des früheren Bergwerks in Oberlahr, erkennbare Gebäudereste im Hang (2014).

    Die Grube Silberwiese des früheren Bergwerks in Oberlahr, erkennbare Gebäudereste im Hang (2014).

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    Grendel, Jan
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  • Die Grube Silberwiese des früheren Bergwerks in Oberlahr, erkennbare Gebäudereste im Hang (2014).

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  • Die Grube Silberwiese des früheren Bergwerks in Oberlahr, erkennbare Gebäudereste im Hang (2014).

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Die Grube Silberwiese im Talort Oberlahr befindet sich nahe der angrenzenden Gemeinde Rott, zu der sie, laut Literatur, einst gehörte. Die dort geförderten Erze sollen einen silbrigen Glanz gezeigt haben und sind somit der verantwortliche Namensgeber dieser Grube. Des Weiteren wird literarisch wiedergegeben, dass sich der Name daher ableitet, dass einst ein wildgewordener Ochse mit seinen Hufen und Hörnern auf dem Gebiet der Grube Silberwiese an manchen Stellen die Grasnarbe zerstörte und dort silberhaltiger Bleiglanz zu Tage kam, den man zunächst für echtes Silbererz hielt. Zu den Minderalien, die dem Hülfe-Gottes-Stollen im Silberwiesental entnommen wurden, gehörten Brauneisenstein, Bleiglanz, Kupferkies, Bournonit, Antimon, Zinkblende und Spateisenstein. Letzteres war allerdings das wichtigste und am häufisten vorkommende.

Als Gründer des Grubenbetriebs kann man Heinrich Wilhelm Remy zu Neuwied und Konsorten nennen, welche nach einem Bericht vom 21. November 1801 am 23. Februar 1795 den Antrag auf Verleihung eines Bergwerkseigentums (Muthschein) zur genannten Grube stellten. Die Muthung wurde 1795 über das angeblich schon im Freien gelegene Bergwerk erteilt. Zuvor soll aber offiziell noch kein Erz gefördert worden sein.
Im Jahre 1839 wurde das nahegelegene Bergwerk Pitterholz (am 29. April) mit der Grube Silberwiese zusammengelegt.

Genauere Akten über die ehemals große Grube Silberwiese gingen im Zuge des Krieges verloren, so dass beim Oberbergamt Bonn, beim Amtsgericht Altenkirchen und beim Bergamt Siegen keine Unterlagen vorliegen. Nur vereinzelt findet die Grube in der Literatur Erwähnung, z.B. durch Schriften im Staatsarchiv Koblenz oder dem Hauptstaatsarchiv im Düsseldorf. Bekannt ist daraus, dass die Grube häufig ihren Besitzer wechselte, sei es aus Geldnot, unregelmäßigem Betrieb, Fachkräftemangel, oder einfach auf Grund von Misserfolgen.

Aufstellung der Besitzer:
  • 23.02.1975: Heinrich Wilhelm Remy zu Neuwied und Konsorten
  • 1813: Wilhelm Metzger aus der Wilhelmsruh bei Eitorf (Remy konzentrierte sich im Zuge der industriellen Abwärtsentwicklung auf Rasselstein)
  • 1844: Gebrüder Jates und Green aus Betzdorf
  • 1850: William Walker Drake aus Walthamstow bei London
  • 05.04.1855: F.W. Schöller zu Neuwied und Antonie Dassert zu Brüssel
  • 28.06.1883: Maschinen-Fabrikanten Friedrich Wilhelm Gilles und Kaufmann Alexander Doutrelepont, Köln
  • 15.10.1884: Anteil Doutrelepont auf Ingenieur Louis Poux in Paris übertragen
  • 04.05.1886: Gilles als Alleinbesitzer
  • 31.12.1892: Bankbeamter Wilhelm Zornow (zu 1/3) als Köln und Carl Döhring (zu 2/3) aus Neustettin (später Königsberg)

1895 wurde die Grube stillgelegt. In kurzer Zeit danach wurden vereinzelt kleine Säcke mit Erzen zur Bestimmung des Erzgehaltes nach Seifen zum Bahnhof gebracht.

1915 stellten Zornow und Döhring Muthung auf Antimonerze, allerdings an einer räumlich getrennten Verortung, welche man später als Neuer Stollen der Grube Silberwiese benannte. Weitere Besitzer der Gesamtheit „Grube Silberwiese“ sind unter dem „Neuen Stollen der Grube Silberwiese (Rott)“ nachzulesen.

Um 1850 wollte William Drake an der Grube Silberwiese vier Wind- und einen Treibofen errichten um die Erze an Ort und Stelle zu entsilbern. Die entstandenen giftigen Dämpfe wurden durch einen über 60 Fuß hohen Schornstein abgeführt. Da vor mittlerweile mehr als 160 Jahren der Umweltgedanke auch schon eine Rolle spielte, legten die Gemeinden Rott, Oberlahr und Flammersfeld Protest ein, welcher allerdings erfolglos ausgegangen zu sein scheint, da auf historischen Fotos eine große Anlage samt Schornstein zu erkennen ist. Weiterhin kann man anhand vieler Tongefäße und Scherben aus den alten Steinhalden entnehmen, dass das Erz vor Ort aufbereitet wurde.

Ab 1850 werden die Arbeitszeiten mit durchschnittlich acht Stunden beschrieben und einem Hauerlohn von 2,20-3,00 Mark. Weiter wurde vermerkt, dass Tagesarbeiter an die 12 Stunden bei einem Schichtlohn von 1,50-2,40 Mark schafften. Jugendliche Arbeiter verdienten 0,80-1,20 Mark pro Tag.

(Jan Grendel, Universität Koblenz-Landau, 2014)

Internet
www.vgflammersfeld.de: Förderverein Bergbau- und Hüttentradition in der Verbandsgemeinde Flammersfeld,] Wandern auf den Spuren des ehemaligen Eisenerzbergbaus in der Verbandsgemeinde Flammersfeld (abgerufen 25.08.2014)

Literatur

Schäfer, Albert (2012)
Von Berg- und Hüttenleuten, Köhlern und Fuhrknechten. (Heimatkundliche Buchreihe zum östlichen Rheinischen Schiefergebirge, Band 7.) Weilburg.
Strickhausen, Heinrich (1975)
Die Grube Silberwiese bei Oberlahr. In: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen (Westerwald) und der angrenzenden Gemeinden, S. 97-109. Altenkirchen.

Grube Silberwiese in Oberlahr

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1795, Ende nach 1895
Koordinate WGS84
50° 37′ 29,95″ N, 7° 30′ 37,92″ O / 50.62499°, 7.51053°
Koordinate UTM
32U 394646.84 5609181.89
Koordinate Gauss/Krüger
3394679.66 5610985.63

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„Grube Silberwiese in Oberlahr”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-102017-20140902-3 (Abgerufen: 24. Mai 2018)
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