Reiterstellwerk Bingerbrück, unter dem Bauwerk (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, Unterseite des Bauwerks (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, links der turmartige Treppenbau, daneben das Zugangsbauwerk (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, Stellwerksbau mit einem von zwei Aussichtserkern (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, Zugangsbauwerk mit zwei Treppenanlagen rechts und links (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, Brücke über die Gleise unterhalb des Stellwerks (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, Blick von der Brücke auf die Gleise (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, abgerundetes Ende des Stellwerks, unten der Brückendurchgang (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, Brücke über die Gleise., im Hintergrund Ruine Rheinfels auf dem rechten Rheinufer (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, Weg über die Brücke zum abgerundeten Ende des Stellwerks (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, Blick vom Stellwerk auf die Gleise (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, Treppenaufgang zum Zugangsbauwerk (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, Ansicht von Nord-Westen (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, Ansicht von Süd-Osten (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück, links das Zugangsbauwerk, in der Mitte die Stellwerksanlage, rechts die Fußgängerbrücke (2026)
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Reiterstellwerk Bingerbrück von Süd-Osten, links die Bundesstraße 9 (2026)
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Das Reiterstellwerk (genauer: Brückenstellwerk) in Bingerbrück gehört zu den markantesten erhaltenen Zeugnissen der Eisenbahngeschichte am Mittelrhein. Es entstand im Zuge des Bahnhofausbaus Bingerbrück zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt und wurde nach Entwürfen des Architekten und Reichsbahnbaubeamten Hans Kleinschmidt errichtet. Die Entwurfszeichnung datiert von 1934; das Richtfest fand am 11. Januar 1936 statt, die Fußgängerbrücke wurde am 30. Mai 1936 freigegeben. Das Stellwerk war spätestens 1937 in Betrieb. Es trug die Bezeichnung Bingerbrück Kreuzbach Befehlsstellwerk (Bkb).
Seine Entstehung steht im Zusammenhang mit der außergewöhnlichen verkehrstechnischen Bedeutung Bingerbrücks. Der 1859 eröffnete Bahnhof entwickelte sich zu einem wichtigen Knotenpunkt zwischen der linksrheinischen Strecke, der Nahetalbahn und den Verbindungen in Richtung Koblenz und Mainz. Im frühen 20. Jahrhundert verfügte der Bahnhof über einen umfangreichen Rangier- und Güterbahnhof mit rund 30 Gleisen und einer Gesamtlänge von etwa 25 Kilometern. Bis zu 1.000 Beschäftigte waren zeitweise bei der Eisenbahn in Bingerbrück tätig.
Die Bezeichnung „Reiterstellwerk“ ist aus konstruktiver Sicht nicht ganz zutreffend. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein Brückenstellwerk: Der eigentliche Stellwerksraum liegt als langgestreckter Baukörper hoch über den Gleisanlagen und überspannt diese quer. Der Stellwerksraum ist als Stahlskelettkonstruktion ausgeführt und besitzt eine Länge von rund 21 Metern. An der westlichen Seite schließt ein turmartiger, in Bruchsteinmauerwerk ausgeführter Bauteil an, der den Zugang sowie weitere Betriebsräume aufnimmt. Unter dem Stellwerksraum verläuft eine rund 70 Meter lange Fußgängerbrücke, die die Gleisanlagen vollständig überquert. Damit verband das Bauwerk die Funktionen eines Stellwerks mit denen einer innerbetrieblichen Gleisüberquerung.
Architektonisch ist das Bauwerk den sachlich-funktionalen Formen der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen. Die Verbindung von industrieller Stahlskelettkonstruktion, klar gegliedertem Stellwerkskörper und massivem Bruchsteinturm verbindet technische Zweckmäßigkeit mit einer für die Reichsbahnarchitektur der 1930er Jahre charakteristischen, bewusst repräsentativen Gestaltung. Die Konstruktion machte es möglich, den Bedienraum unmittelbar über dem ausgedehnten Gleisfeld anzuordnen und damit einen umfassenden Überblick über den Rangier- und Zugverkehr zu gewährleisten.
Die zentrale Aufgabe des Stellwerks bestand in der Steuerung und Sicherung des Zug- und Rangierbetriebs im nördlichen beziehungsweise westlichen Bereich des Bingerbrücker Bahnhofes. Als Befehlsstellwerk koordinierte es insbesondere die umfangreichen Rangierbewegungen des Güterbahnhofs, die Zugbildung und Zugauflösung sowie die Fahrwege der Züge. Die Stellwerkstechnik war für ihre Zeit modern: Eingebaut war eine elektromechanische Stellwerksanlage mit einer Hebelbank von 184 Hebelplätzen. Über die Stellhebel wurden Weichen und Signale gestellt und damit die Fahrwege der Züge und Rangierfahrten gesichert. Das Stellwerk war als Fahrdienstleiter- beziehungsweise Weichenwärterstellwerk besetzt.
Mit dem zunehmenden technischen Wandel des Eisenbahnbetriebs verlor das auf die örtliche Bedienung des großen Gleisfeldes ausgerichtete Stellwerk seine ursprüngliche Bedeutung. Am 2. Februar 1996 wurde das Bingerbrücker Befehlsstellwerk außer Betrieb genommen. An seine Stelle trat die zentrale elektronische Stellwerkstechnik, mit der die Bedienung und Sicherung des Bahnhofs wesentlich stärker zentralisiert werden konnte.
Nach der Aufgabe des Rangierbetriebs blieb das Bauwerk als bedeutendes Zeugnis der Bingerbrücker Eisenbahngeschichte erhalten. Es steht unter Denkmalschutz und gehört zum historischen Bestand des Bahnknotens Bingerbrück im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Seine besondere Bedeutung liegt nicht allein in der erhaltenen Stellwerkstechnik und der ungewöhnlichen Brückenkonstruktion, sondern auch darin, dass sich an ihm die Dimensionen des einstigen Rangierbahnhofs und die technische Organisation des Eisenbahnbetriebs unmittelbar ablesen lassen. Das Bauwerk dokumentiert damit eine Epoche, in der Bingerbrück zu den bedeutenden Eisenbahnknoten am Rhein gehörte und der Rangier- und Güterverkehr das Ortsbild und die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes entscheidend prägte.
(Karl Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2026)
Internet denkmalgesellschaft.de: Reiterstellwerk (abgerufen am 06.10.2026) youtube.com: Video Reiterstellwerk in Bingen - Bingerbrück am ehemaligen Verschiebebahnhof (abgerufen am 06.10.2026) de.wikipedia.org: Eintrag in der Route der Industriekultur Rhein- Main Bringen am Rhein (abgerufen am 06.10.2026) stellwerke.info Bingerbrück Bkb (abgerufen am 06.10.2026)
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Vor Ort Dokumentation
Historischer Zeitraum
Beginn 1934 bis 1936
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