Heilsteinquelle im Sauerbachtal

Sure Pütz, Sauerbrunnen

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Schleiden
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 34′ 26,44″ N: 6° 24′ 28,01″ O 50,57401°N: 6,40778°O
Koordinate UTM 32.316.456,53 m: 5.605.663,19 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.528.930,58 m: 5.604.337,45 m
Die Heilsteinquelle liegt im Sauerbachtal oberhalb von Einruhr. Ihr Austritt ist an eine geologische Störungszone in den anstehenden, unterdevonischen Ton- und Sandsteinen der Rurbergschichten gebunden. Entlang dieser tektonischen Schwächezone steigt hier eisen- und kohlensäurehaltiges Wasser auf und tritt an die Oberfläche (Ribbert et al. 2010, S. 131). Man spricht auch von einem seltenen „alkalischen Säuerling“. Bemerkenswert ist der vergleichsweise geringe Salz- und hohe Magnesiumanteil des Wassers.

Heiliger Ort der Römerzeit
Wiedererschließung als Mineralbrunnen ab 1822
Die Heilsteinquelle heute
Namensgebung
Kulturhistorische Bedeutung / Quellen

Heiliger Ort der Römerzeit
Die Heilsteinquelle wurde bereits in römischer Zeit genutzt, wie zahlreiche römische Keramikfunde aus der Umgebung der Quelle belegen. Die Lage in der Nähe regionaler und überregionaler Verkehrswege dürfte ihre Bekanntheit und Zugänglichkeit begünstigt haben. Denn wenige Kilometer oberhalb des Sauerbachtals verlief eine bedeutende Heerstraße von Köln über Zülpich und St. Vith in Richtung Reims. Ein römischer Verbindungsweg führte dicht an der Quelle vorbei. Er verlief von Schleiden Richtung Walberhof und weiter nach dem heutigen Einruhr und Kesternich in Richtung Konzen.
Unter den archäologischen Funden der Römerzeit ist ein Weihestein, der den Nymphen gewidmet war, von besonderer Bedeutung. Nymphen galten in der römischen Religion unter anderem als Gottheiten von Quellen und Gewässern. Der Weihestein zeigt daher, dass die Quelle nicht allein wegen ihres Wassers genutzt wurde, sondern auch eine religiöse Bedeutung besaß. Die Heilsteinquelle war damit in römischer Zeit zugleich Wasserstelle und sakraler Ort.
In nachrömischer Zeit wurde die Anlage zerstört. Altäre und andere Steine wurden als Baumaterial weiterverwendet. Für die fränkische Zeit ist eine Nutzung der Quelle bislang nicht belegt.
Um 1780 wurde ein neuer Brunnen etwas unterhalb der römischen Quellfassung errichtet. Die Quellschüttung war jedoch unbefriedigend. Genutzt wurde das Wasser unter anderem zum Gären von Buchweizenhefe (Schiffers 1936, S. 110).
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Wiedererschließung als Mineralbrunnen ab 1822
Im Zuge der gewerblichen Nutzung von Mineralwässern im Allgemeinen zu Beginn des 19. Jahrhunderts plante der Leiter der Rentei Monschau, Theodor Hons, ab 1822 die Wiedererschließung der Heilsteinquelle an ihrer ursprünglichen Stelle. Bei den Arbeiten für einen Brunnen wurden die archäologischen Funde aus der Römerzeit entdeckt. Für die Quellfassung und Überdachung zeichnete der Aachener Stadtbaumeister Leydel (1783-1838) verantwortlich. Er entwarf den Brunnen in klassizistischer Form nach Art eines kleinen Tempels, der allerdings im Jahr 1936 nicht mehr vorhanden war. Am 25.4.1826 wurde der Brunnen durch den Wollseifener Pfarrer Müller im Rahmen der Markusprozession eingesegnet und der Ort, wie bereits in der Römerzeit, wieder zu einem „heiligen Ort“. Hinter dem Brunnen wurde zudem über einer alten Grotte ein Kreuz errichtet. Vor dem Brunnen wurde ein Stein aufgestellt, auf dem der Weihetag als Chronogramm verewigt wurde. Die Inschrift lautete: „Deo Vivo, a qUo CUnCta Dona proCeDUnt“ (Dem lebendigen Gotte, von dem alle Gaben kommen). Der Stein wurde später in die Wand der benachbarten Sauermühle eingemauert (Schiffers 1936, S. 111). Die Tafel befindet sich heute, nach Abriss der Sauermühle, in der Mauer vor dem ehemaligen Pastorat von Einruhr.
Ein vereideter Brunnenwärter kümmerte sich fortan um die gewerbliche Nutzung des Brunnens. Das Wasser wurde in eigens hergestellte Krüge mit der Aufschrift „Heilsteiner Mineralwasser“ abgefüllt. Die Werbung für das Heilsteinwasser war so erfolgreich, dass es in kürzester Zeit bereits in Aachen, Bonn, Düren, Düsseldorf, Eschweiler, Eupen, Köln, Monschau und Uerdingen sowie Antwerpen, Berlin, Lüttich, Maastricht und Berlin angeboten wurde. Der Hauptabsatz ging jedoch nach Monschau. Ein Krug kostete drei Silbergroschen. In Aachen wurde das Wasser insbesondere als Nachgetränk zum Thermalwasser empfohlen, entweder pur oder gemischt mit Milch oder Wein. Auch für medizinische Zwecke unterschiedlichster Art kam es zum Einsatz.
Nur die abseitige Lage der Heilsteinquelle verhinderte, dass sie zu einem Bade- und Kurort ausgebaut wurde, denn entsprechende Ideen dazu hatte es gegeben. Die mangelhafte Erschließung durch eine Straße von Einruhr her, führte auch dazu, dass der Vertrieb des Wassers gering blieb. Zudem verringerte sich durch den langen Transportweg der Kohlensäuregehalt des Wassers (Schiffers 1936,S. 112).
Bis 1840 wurde die Quelle regelmäßig genutzt. Wiederholte Unterbrechungen bis in die 1920er Jahre standen unter anderem mit hygienischen Problemen in Zusammenhang (www.gv-mon.de).
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Die Heilsteinquelle heute
Nach einer Tiefenbohrung (1967; www.gv-mon.de) wird das Mineralwasser heute an wiederum anderer Stelle, nun südlich vom Sauerbach an einer Furt gelegen, aus 52 m Tiefe gefördert (Die Geometrie markiert dieses Brunnenhaus). 2003 wurde das Brunnenhaus neu erbaut. Musste noch im 19. Jahrhundert das Mineralwasser vom abgelegenen Quellstandort über schlechte Verkehrswege zu den Absatzmärkten transportiert werden, wird es heute unterirdisch gefasst und über eine Leitung zum Heilstein-Haus in Einruhr geführt, wo es verkostet werden kann.
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Namensgebung
Der Name Heilstein als Ortsbezeichnung wird erst ab 1825 benutzt, vorher lautete die Bezeichnung stets „Sauerbrunnen an der Sauermühle“ oder „Surpötz“ (Schiffers 1936, S. 110). In der näheren Umgebung finden sich zudem Flurbezeichnungen, die auf den heilenden Quell oder die heilige Quelle (Römerzeit) hinweisen, so den Helingsbach (Heilingsbach) und den Helingsberg (Heilingsberg).
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Kulturhistorische Bedeutung
Die natürliche Besonderheit des kohlensäurehaltigen Quellwassers führte bereits in römischer Zeit zu seiner Nutzung. Damit einher ging die assoziative Bedeutung als Heilquelle und Ort der religiösen Verehrung. Im 19. Jahrhundert wurde diese besondere Bedeutung durch die Wiedererschließung, die christliche Einsegnung und die Gestaltung des Brunnens erneut aufgegriffen. Zugleich wandelte sich die Quelle zu einer wirtschaftlich genutzten Ressource, deren Mineralwasser überregional vertrieben wurde. Mit der technischen Fassung des Wassers und seiner Ableitung zum Heilstein-Haus zu Beginn des 21. Jahhunderts hat sich die ursprüngliche Nutzung räumlich (neuer Brunnen) und technisch grundlegend verändert. Die Persistenz der Nutzung der Heilsteinquelle über rund zwei Jahrtausende hinweg spiegelt ihre gleichbleibende kulturelle Bedeutung über verschiedene Epochen hinweg, auch wenn sie religiös, wirtschaftlich und technisch jeweils zeitgenössisch neu angeeignet und in die Kulturlandschaft eingebunden wurde. Der Archivwert der Quelle/ des Brunnens erhöht sich durch die römerzeitlichen Funde. Der Zeugniswert ist durch die 2000-jährige Nutzungsgeschichte, den Funktionserhalt und die Ablesbarkeit hoch. Da es sich zudem um einen seltenen alkalischen Säuerling handelt, ist zusätzlich der Seltensheitwert als hoch einzustufen.
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(Martina Gelhar, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)

Internet
www.gv-mon.de: Einruhr (Geschichtsverein des Monschauer Landes e.V.) (abgerufen: 18.9.2026)

Literatur

Ribbert, Karl-Heinz (2010)
Geologie im Rheinischen Schiefergebirge.. Teil 1: Nordeifel. S. 131, Krefeld. Online verfügbar: Geologischer Dienst: Geologie im Rheinischen Schiefergebirge Teil 1: Nordeifel, abgerufen am 18.09.2026
Schiffers, H. (1936)
Was der "Heilstein" erzählt. In: Der Eremit am Hohen Venn. Mitteilungen des Geschichtsvereins des Kreises Monschau (Montjoie), Jhg. 11., S. 109-112. Monschau. Online verfügbar: Schriften aus dem Monschauer Land, abgerufen am 18.09.2026

Heilsteinquelle im Sauerbachtal

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
B266
Ort
53937 Simmerath - Einruhr-Heilstein / Deutschland
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn -27 bis 476

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Martina Gelhar (2026): „Heilsteinquelle im Sauerbachtal”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360634 (Abgerufen: 7. Oktober 2026)
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