Geschichte
Aron Salomon und seine Ehefrau Auguste, geborene Stern (*16.01.1863; +16.01.1932, Hamm) betrieben um die Jahrhundertwende ein Kurzwaren-Geschäft im Haus. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten geriet Aron Salomon in Zahlungsschwierigkeiten. Im Zuge einer Zwangsvollstreckung wurde das Haus 1904 versteigert. Der Konkursverwalter Peil verkaufte am 14. und 23. November 1904 im Saal des Gasthofs Tönges Waren aus der Konkursmasse. Der Kaufmann Adolf Stern aus Bonn erwarb das Haus und übertrug es ab 1922 wieder an seine Tochter Auguste und deren Ehemann Aron Salomon. Das Ehepaar hatte fünf Kinder, die sich zwischen 1931 und 1934 in Hamm abmeldeten und auswanderten: Lilly Salomon (*08.02.1900) emigrierte in die USA. Max Salomon (*03.06.1907) emigrierte nach Palästina. Ebenfalls wanderten Johanna (*07.08.1895), Erna (*14.12.1897) und Hermann (*02.05.1902) aus – die Zielorte sind allerdings unbekannt. Über das Schicksal von Aron Salomon nach 1934 ist nichts bekannt. Im Jahre 1925 erwarb die Dentistin Emma Schellenberg das Haus und betrieb dort eine Zahnarztpraxis bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Später kaufte die Ortsgemeinde das Gebäude, das 2006 abgerissen wurde.
Bedeutung
Das Haus verdeutlicht die wirtschaftliche Situation kleiner jüdischer Kaufmannsfamilien in Hamm, die sozialen und finanziellen Zwänge sowie die Emigrationsbewegungen jüdischer Familien vor der NS-Verfolgung. Das Gebäude ist ein Zeugnis der jüdischen Präsenz in der Bergstraße und der Veränderungen während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Zeitliche Einordnung
- Um 1900: Nutzung durch Aron und Auguste Salomon
- 1904: Zwangsversteigerung und Erwerb durch Adolf Stern
- 1922: Rückübertragung an Auguste und Aron Salomon
- 1931–1934: Abmeldung und Emigration der Kinder Salomon
- 1925–nach 1945: Zahnarztpraxis Emma Schellenberg
- 2006: Abriss des Hauses
Redaktioneller Hinweis
Die Angaben zu Eigentümern, Lebensdaten und Schicksalen der Familie Salomon beruhen auf archivalischen Quellen, historischen Zeitungsartikeln und amtlichen Katasterunterlagen. Lebenswege und Ereignisse wurden soweit nachweisbar recherchiert, insbesondere die Emigration und Verfolgung während der NS-Zeit. Die Angaben sind auf historische Genauigkeit geprüft.
(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)
Quellen
- Altenkirchener Kreisblatt, 23. Februar 1904
- Kataster- und Grundbuchunterlagen Hamm
- Familienarchiv Salomon
- Zeitzeugenberichte und historische Fotos