Beschreibung
Das Gebäude befindet sich in zentraler Lage an der Scheidterstraße 11. Eine Fotografie aus dem Jahr 1938 zeigt das Haus mit der Tochter Ilse David vor der Haustür; eine weitere Aufnahme dokumentiert das Gebäude nach dem Novemberpogrom. Überlieferungen zur ursprünglichen baulichen Gestaltung sind nur eingeschränkt vorhanden. Das Gebäude ist erhalten und wurde im Laufe der Zeit erweitert; heute dient es als Kulturhaus der Ortsgemeinde Hamm.
Geschichte
Das Haus ist erstmals im Kataster von 1860 erwähnt. Zu welchem Zeitpunkt es in den Besitz von Leopold David gelangte, ist nicht bekannt. Leopold David (geb. 1864 in Oberpleis, † 29. Januar 1933 in Hamm) ließ sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Hamm nieder. Er heiratete Jetta David, geb. Bär (geb. 20. Juni 1865 in Hamm, † 5. Januar 1938 ebenda), eine Tochter aus der Familie des Viehhändlers Herz Bär. Das Ehepaar gründete seine Familie in dem Haus in der Scheidterstraße. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: Heinrich, Klara, Karl, Thekla und Emilie. Alle Kinder wuchsen im Elternhaus auf. Die Söhne Heinrich und Karl wurden wie ihr Vater erfolgreiche Viehhändler. Nach dem Tod der Eltern übernahm der älteste Sohn Heinrich David (geb. 9. Februar 1894 in Hamm) das Haus. Er heiratete Hedwig David, geb. Trumpf (geb. 16. Juni 1901 in Gau-Odernheim). Aus der Ehe ging die Tochter Ilse David hervor, die am 21. Februar 1931 im Krankenhaus in Wissen geboren wurde.
Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde die Familie David durch den örtlichen NS-Ortsgruppenleiter zum Verkauf des Hauses gedrängt. Heinrich David meldete seine Familie am 17. Dezember 1938 in Hamm ab; sie zog nach Köln. Von dort wurde die Familie im Sommer 1942 nach Theresienstadt deportiert und anschließend in das Vernichtungslager Auschwitz überführt. Das Todesjahr der Familienmitglieder wurde auf 1944 festgesetzt. Das Haus ging zunächst in den Besitz der Ortsgemeinde über und wurde anschließend an die Familie Neuser verkauft. Seit dem Jahr 2006 wird das baulich erweiterte Gebäude als Kulturhaus Hamm genutzt.
Bedeutung
Das Haus Heinrich David besitzt hohe orts-, sozial- und zeitgeschichtliche Bedeutung. Es steht für jüdisches Familien- und Wirtschaftsleben über mehrere Generationen sowie für die systematische Entrechtung, Vertreibung und Ermordung jüdischer Bürgerinnen und Bürger während der nationalsozialistischen Herrschaft. Die heutige Nutzung als Kulturhaus verleiht dem Gebäude eine besondere Funktion für die Erinnerungskultur der Region.
Zeitliche Einordnung
- 1860: Erste Erwähnung im Kataster
- Ende 19. Jahrhundert: Niederlassung der Familie David in Hamm
- 1933/1938: Tod der Eltern Leopold und Jetta David
- 1938: Zwang zum Verkauf und Wegzug der Familie
- 1942–1944: Deportation und Ermordung der Familie David
- 2006: Nutzung als Kulturhaus
Redaktioneller Hinweis
Der Beitrag behandelt ein Gebäude mit zentraler Bedeutung für die lokale Erinnerungskultur. Die Darstellung basiert auf archivalischen Quellen, fotografischen Zeugnissen sowie orts- und familiengeschichtlicher Forschung. Begriffe und Zitate aus der NS-Zeit werden ausschließlich in quellenkritischer Distanz verwendet.
(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)
Quellen
- Katasterunterlagen Hamm, 1860
- Personenstands- und Melderegister Hamm
- Deportationslisten Köln – Theresienstadt – Auschwitz
- Ortsgeschichtliche Forschungen zur jüdischen Gemeinde Hamm
- Fotografische Überlieferungen (Haus David 1938)