Haus Heinrich David, Scheidterstraße 11 in Hamm (Sieg)

Kulturhaus Hamm (Sieg)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Hamm (Sieg)
Kreis(e): Altenkirchen (Landkreis Altenkirchen / Westerwald)
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 45′ 55,9″ N: 7° 40′ 14,91″ O 50,76553°N: 7,67081°O
Koordinate UTM 32.406.263,46 m: 5.624.593,44 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.406.300,77 m: 5.626.403,35 m
  • Das Haus David in der Scheidterstraße 11 in Hamm (Sieg) (1938)

    Das Haus David in der Scheidterstraße 11 in Hamm (Sieg) (1938)

    Copyright-Hinweis:
    Ortsgemeinde Hamm (Sieg)
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Das Haus David in der Scheidterstraße 11 in Hamm (Sieg) (1938)

    Das Haus David in der Scheidterstraße 11 in Hamm (Sieg) (1938)

    Copyright-Hinweis:
    Ortsgemeinde Hamm (Sieg)
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Der aus Hamm (Sieg) stammende Heinrich David als Schüler (um 1900)

    Der aus Hamm (Sieg) stammende Heinrich David als Schüler (um 1900)

    Copyright-Hinweis:
    Ortsgemeinde Hamm (Sieg)
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
  • Stolpersteine für Heinrich David, Ilse David und Hedwig David in Köln

    Stolpersteine für Heinrich David, Ilse David und Hedwig David in Köln

    Copyright-Hinweis:
    Ortsgemeinde Hamm (Sieg)
    Fotograf/Urheber:
    unbekannt
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Das Haus Heinrich David in der Scheidterstraße 11 ist ein historisches Wohn- und Geschäftshaus, das seit dem späten 19. Jahrhundert mit der jüdischen Familie David verbunden ist. Es dokumentiert jüdisches Familien- und Wirtschaftsleben in Hamm sowie Entrechtung, Zwangsverkauf und Deportation in der Zeit des Nationalsozialismus. Seit 2006 wird das erweiterte Gebäude als Kulturhaus genutzt.

Beschreibung
Das Gebäude befindet sich in zentraler Lage an der Scheidterstraße 11. Eine Fotografie aus dem Jahr 1938 zeigt das Haus mit der Tochter Ilse David vor der Haustür; eine weitere Aufnahme dokumentiert das Gebäude nach dem Novemberpogrom. Überlieferungen zur ursprünglichen baulichen Gestaltung sind nur eingeschränkt vorhanden. Das Gebäude ist erhalten und wurde im Laufe der Zeit erweitert; heute dient es als Kulturhaus der Ortsgemeinde Hamm.

Geschichte
Das Haus ist erstmals im Kataster von 1860 erwähnt. Zu welchem Zeitpunkt es in den Besitz von Leopold David gelangte, ist nicht bekannt. Leopold David (geb. 1864 in Oberpleis, † 29. Januar 1933 in Hamm) ließ sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Hamm nieder. Er heiratete Jetta David, geb. Bär (geb. 20. Juni 1865 in Hamm, † 5. Januar 1938 ebenda), eine Tochter aus der Familie des Viehhändlers Herz Bär. Das Ehepaar gründete seine Familie in dem Haus in der Scheidterstraße. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: Heinrich, Klara, Karl, Thekla und Emilie. Alle Kinder wuchsen im Elternhaus auf. Die Söhne Heinrich und Karl wurden wie ihr Vater erfolgreiche Viehhändler. Nach dem Tod der Eltern übernahm der älteste Sohn Heinrich David (geb. 9. Februar 1894 in Hamm) das Haus. Er heiratete Hedwig David, geb. Trumpf (geb. 16. Juni 1901 in Gau-Odernheim). Aus der Ehe ging die Tochter Ilse David hervor, die am 21. Februar 1931 im Krankenhaus in Wissen geboren wurde.

Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde die Familie David durch den örtlichen NS-Ortsgruppenleiter zum Verkauf des Hauses gedrängt. Heinrich David meldete seine Familie am 17. Dezember 1938 in Hamm ab; sie zog nach Köln. Von dort wurde die Familie im Sommer 1942 nach Theresienstadt deportiert und anschließend in das Vernichtungslager Auschwitz überführt. Das Todesjahr der Familienmitglieder wurde auf 1944 festgesetzt. Das Haus ging zunächst in den Besitz der Ortsgemeinde über und wurde anschließend an die Familie Neuser verkauft. Seit dem Jahr 2006 wird das baulich erweiterte Gebäude als Kulturhaus Hamm genutzt.

Bedeutung
Das Haus Heinrich David besitzt hohe orts-, sozial- und zeitgeschichtliche Bedeutung. Es steht für jüdisches Familien- und Wirtschaftsleben über mehrere Generationen sowie für die systematische Entrechtung, Vertreibung und Ermordung jüdischer Bürgerinnen und Bürger während der nationalsozialistischen Herrschaft. Die heutige Nutzung als Kulturhaus verleiht dem Gebäude eine besondere Funktion für die Erinnerungskultur der Region.

Zeitliche Einordnung
  • 1860: Erste Erwähnung im Kataster
  • Ende 19. Jahrhundert: Niederlassung der Familie David in Hamm
  • 1933/1938: Tod der Eltern Leopold und Jetta David
  • 1938: Zwang zum Verkauf und Wegzug der Familie
  • 1942–1944: Deportation und Ermordung der Familie David
  • 2006: Nutzung als Kulturhaus

Redaktioneller Hinweis
Der Beitrag behandelt ein Gebäude mit zentraler Bedeutung für die lokale Erinnerungskultur. Die Darstellung basiert auf archivalischen Quellen, fotografischen Zeugnissen sowie orts- und familiengeschichtlicher Forschung. Begriffe und Zitate aus der NS-Zeit werden ausschließlich in quellenkritischer Distanz verwendet.

(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)

Quellen
  • Katasterunterlagen Hamm, 1860
  • Personenstands- und Melderegister Hamm
  • Deportationslisten Köln – Theresienstadt – Auschwitz
  • Ortsgeschichtliche Forschungen zur jüdischen Gemeinde Hamm
  • Fotografische Überlieferungen (Haus David 1938)

Haus Heinrich David, Scheidterstraße 11 in Hamm (Sieg)

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Scheidterstraße 11
Ort
57577 Hamm (Sieg)
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1855 bis 1860

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC BY 4.0 (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm (2025), Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm (2025): „Haus Heinrich David, Scheidterstraße 11 in Hamm (Sieg)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360577 (Abgerufen: 9. September 2026)
Seitenanfang