Beschreibung
Das Anwesen in der Raiffeisenstraße 7 bestand aus einem Wohnhaus mit angrenzendem Stall, der links des Wohngebäudes lag. Es war als Wohn- und Arbeitsstätte eines Viehhändlers genutzt. Fotografische Überlieferungen dokumentieren das Gebäudeensemble. Weitere bauliche Details sind nicht überliefert.
Geschichte
Max Frank (geb. 4. Februar 1883 in Neuenhaus, Niedersachsen) war als Viehhändler tätig. In zweiter Ehe heiratete er Emma Frank, geb. Gunzenhäuser (geb. 31. Oktober 1883 in Hamm). Das Ehepaar bewohnte das Haus in der Raiffeisenstraße 7. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor: Lieselotte Frank (geb. 23. Dezember 1920) und Elsbeth Frank (geb. 23. Mai 1923).
Emma Frank verstarb noch vor dem Novemberpogrom 1938 in Hamm. Die ältere Tochter Lieselotte Frank meldete sich am 10. November 1937 in Hamm ab und zog nach Köln. Nach dem Pogrom meldeten sich Max Frank und seine jüngere Tochter Elsbeth am 1. Februar 1939 ebenfalls aus Hamm ab und zogen nach Köln. Von dort wurden Max Frank und Elsbeth Frank am 7. Dezember 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet. Lieselotte Frank war bereits am 22. Oktober 1941 nach Lodz/Litzmannstadt deportiert worden und wurde im Vernichtungslager Chelmno/Kulmhof ermordet.
Nach der Deportation der Familie wurde das Haus von den nationalsozialistischen Behörden beschlagnahmt. Der Hammer Ortsvorstand vermietete das Anwesen wenig später an die Familie Otto Pick. Die Tochter Elfriede Pick berichtete später, dass das Haus bei ihrem Einzug vollständig leer gewesen sei. Ein geplanter Kauf des Hauses durch Otto Pick wurde von der NS-Partei nicht genehmigt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Miete an eine Treuhandgesellschaft abgeführt. Das Gebäude blieb im Besitz der Ortsgemeinde, wurde später abgerissen, und das Grundstück zu einem Parkplatz umgestaltet.
Bedeutung
Das Haus Max Frank besitzt hohe orts-, wirtschafts- und zeitgeschichtliche Bedeutung. Es dokumentiert jüdisches Wirtschaftsleben in Hamm sowie die systematische Verfolgung, Enteignung und Ermordung jüdischer Familien im Nationalsozialismus. Der Abriss des Hauses und die heutige Nutzung als Parkplatz verdeutlichen den vollständigen Verlust dieses historischen Ortes.
Zeitliche Einordnung
- frühes 20. Jahrhundert: Nutzung als Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Familie Frank
- 1937: Wegzug der Tochter Lieselotte
- 1939: Abmeldung von Max Frank und Tochter Elsbeth aus Hamm
- 1941: Deportation und Ermordung der Familienangehörigen
- nach 1941: Beschlagnahmung und Vermietung des Hauses
- nach 1945: Treuhandverwaltung
- 1960er Jahre: Abriss des Gebäudes
Redaktioneller Hinweis
Der Beitrag behandelt ein nicht mehr erhaltenes Gebäude mit zentraler Bedeutung für die lokale Erinnerungskultur. Die Darstellung basiert auf archivalischen Quellen, zeitgeschichtlicher Forschung und mündlicher Überlieferung. Begriffe aus der NS-Zeit werden ausschließlich in quellenkritischer Distanz verwendet.
(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)
Quelle
- Personenstands- und Melderegister Hamm
- Deportationslisten Köln – Lodz/Litzmannstadt – Riga
- Zeitzeugenberichte (Familie Pick)
- Ortsgeschichtliche Forschungen zur jüdischen Gemeinde Hamm
- Fotografische Überlieferungen zur Raiffeisenstraße