Beschreibung
Das Gebäude umfasste Wohnräume und Stallgebäude für die geschäftliche Nutzung. Es war ein zentraler Bestandteil des Lebens der Familie Meyer und spiegelte deren soziale Stellung in Hamm wider. Nach dem Verkauf 1938 und der Emigration der Familie in die USA wurde das Haus um 1960 im Rahmen der Ortskernsanierung abgerissen.
Geschichte
Die Familie Meyer ist in Hamm bereits um das Jahr 1763 nachweisbar. Markus Meyer (20.01.1844 - 22.11.1904) war viele Jahre Vorsitzender der jüdischen Synagogengemeinde. Er heiratete Jette Simon (17.01.1857 - 19.02.1923), und das Paar hatte acht Kinder. Ihr Sohn Sally Meyer (22.06.1887 in Hamm - unbekannt) übernahm das Haus nach dem Tod seiner Eltern. Er heiratete Erna Michel aus Arenberg bei Koblenz; gemeinsam hatten sie zwei Kinder, Grete und Fritz. Sally Meyer führte wie sein Vater das Geschäft als angesehener Metzger und Viehhändler.
Im Jahr 1938 emigrierte die Familie Meyer in die USA aufgrund der repressiven Politik Nazideutschlands. Hedwig Meyer, die jüngste Schwester von Sally, heiratete Theodor Tobias und wohnte in Betzdorf. Sie wurde nach der Reichspogromnacht im Jahre 1938 nach Holland deportiert; ihr Vater und ihre Tochter wurden ermordet, Hedwig überlebte. Nach dem Verkauf an Friseurmeister Walter Lenz wurde das Gebäude schließlich von der Ortsgemeinde erworben und um 1960 abgerissen.
Bedeutung
Das Haus dokumentiert die wirtschaftliche und soziale Rolle jüdischer Familien in Hamm sowie deren Integration in das städtische Leben bis zur Entrechtung und Emigration während der NS-Zeit.
Zeitliche Einordnung
- 1763: Erste Erwähnung der Familie Meyer in Hamm
- 1844–1904: Markus Meyer, Vorsitzender der Synagogengemeinde, ist Besitzer des Hauses
- 1887: Geburt Sally Meyer
- 1938: Verkauf des Hauses, Emigration der Familie in die USA
- ca. 1960: Abriss des Hauses durch die Ortsgemeinde im Zuge der Ortskernsanierung
Redaktioneller Hinweis
Die Angaben zu Besitzfolge, Familiengeschichte und Schicksal der Familie Meyer basieren auf Katasterunterlagen, historischen Fotografien, Zeitungsarchiven und Dokumenten der jüdischen Gemeinde.
(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)
Quellen
- Urkataster Hamm, 1831
- Historische Fotografien Hamm, 1930er Jahre
- Ausgabe der „Volkswacht Hamm“ von 1938
- Archivmaterialien der jüdischen Gemeinde Hamm