Beschreibung
Das Haus ist ein Wohn- und Geschäftshaus, in dem mehrere Generationen der Familie Simon lebten und wirtschafteten. Die erste urkundliche Erwähnung des Hauses im Kataster erfolgt 1867. Das Gebäude war Mittelpunkt der Aktivitäten der Familie Simon, die sich durch Handel und Viehzucht ein wirtschaftliches Standbein in Hamm geschaffen hatte.
Geschichte
Der Stammvater der Simon-Familie in Hamm war David Simon (*20.08.1770 Altenkirchen), der 1800 nach Hamm zog und mit Hannchen Leser verheiratet war. Sie hatten vier Kinder: Callmann, David, Ettelchen und Isaak. Die Söhne Callmann und David gründeten eigene Familien in Hamm, aus deren Linie Simon Simon II hervorging.
Simon Simon II (*21.05.1854 in Hamm) übernahm das elterliche Haus und das Geschäft seines Vaters. Er war Kaufmann und Viehhändler. In erster Ehe heiratete er Gella Levy aus Erndtebrück; das Paar hatte zwei Kinder: Julius (*10.01.1885) und David (*07.01.1888). Nach dem frühen Tod seiner ersten Ehefrau heiratete Simon Simon II Amalie Samuel (*03.12.1863, Linz), mit der er einen weiteren Sohn, Louis (*23.01.1897, Hamm), bekam. Das Haus blieb bis zur Emigration der Familie 1939 in Familienbesitz. Simon Simon II und seine Ehefrau Amalie wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet. Sein Sohn Julius wurde 1938 in Dachau in Schutzhaft genommen und 1942 nach Maly Trostinec deportiert und ermordet. Das Schicksal des Sohnes David ist unbekannt. Der Halbbruder Louis heiratete Erna Rosenthal (*1906), aus deren Ehe die Tochter Hermine (*1928) hervorging. Louis und seine Familie emigrierten 1939 nach Belgien, wurden jedoch 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Vor der Emigration hatten Louis und seine Familie das Haus weiterhin bewohnt und den Handel der Familie unterstützt, bevor die NS-Verfolgung zur endgültigen Vertreibung führte.
Bedeutung
Das Haus dokumentiert die wirtschaftliche und familiäre Kontinuität der Simon-Familie in Hamm und die systematische Zerstörung jüdischer Lebenswelten während der NS-Zeit. Es zeigt, wie eng Familie, Handel und Wohnort miteinander verbunden waren und wie die NS-Verfolgung zu Vertreibung und Ermordung führte.
Zeitliche Einordnung
- 1867: Erstmalige Katastererwähnung des Hauses
- 1854–1939: Nutzung durch die Familie Simon
- 1938–1939: Emigration der Familienmitglieder nach Köln und Belgien
- 1942: Deportation und Ermordung von Familienmitgliedern in Theresienstadt und Auschwitz
Redaktioneller Hinweis
Die Darstellung berücksichtigt die familiären und wirtschaftlichen Strukturen der Simon-Familie in Hamm. Die Ereignisse während der NS-Zeit werden sachlich und quellenkritisch dokumentiert.
(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)
Quellen
- Katasterunterlagen Hamm, 1867
- Familienarchive Simon/Hirsch
- Deportations- und Schutzhaftakten (Dachau, Theresienstadt, Auschwitz, Maly Trostinec)
- Historische Fotos nach der Reichspogromnacht von 1938