Beschreibung
Das Gebäude, ein Fachwerkhaus, ist auf historischen Fotografien um 1937/38 dokumentiert. Auf diesen stehen Bertha Bär und Rosa Bär, geborene Hirsch, vor der Tür, links neben ihnen Willi Bär mit Tochter Wilma. Das Haus hatte über die Jahrzehnte verschiedene Besitzer und blieb über Generationen im Familienbesitz.
Geschichte
Bei der Erstellung des Urkatasters von 1831 wird das Haus im Besitz von Raphael Abraham aufgeführt. Später wechselte es mehrmals den Besitzer, darunter Ibrahim Abraham, Hermann Hirsch und Moses Hirsch. Auf einer Flurkarte von 1873 ist der Viehhändler August Bär als Eigentümer verzeichnet. Sein Sohn Willi Bär (*30.05.1898 in Hamm) übernahm das Haus. Er heiratete am 30.07.1900 Bertha Kuhn. Am 28.09.1934 wurde ihre Tochter Wilma Wilhelmine in Hamm geboren. 1938 verließ die Familie Hamm aufgrund der repressiven und judenfeindlichen Politik Nazideutschlands und emigrierte nach Argentinien. Vor ihrer Ausreise verkauften sie das Haus am 13.01.1938 an den Schreinermeister Paul Krämer und seine Frau Elfriede. Anschließend eröffnete der Friseurmeister Gustav Krämer, genannt „Buttchen“, in dem Haus seinen Friseurladen. Aus der Familie Bär leben heute Nachkommen in Israel.
Bedeutung
Das Haus dokumentiert die Geschichte der jüdischen Familien in Hamm, ihre wirtschaftliche Tätigkeit und die Veränderungen durch Emigration im Nationalsozialismus. Es steht exemplarisch für die Lebenswege jüdischer Familien, die Hamm im 20. Jahrhundert verlassen mussten.
Redaktioneller Hinweis
Die Angaben zur Besitzfolge und Familiengeschichte basieren auf Katasterunterlagen, Flurkarten, historischen Fotografien und archivalischen Quellen. Der heutige Zustand des Hauses weicht vom historischen Fachwerkhaus ab, da Umbauten und Eigentümerwechsel im 20. Jahrhundert stattgefunden haben.
Zeitliche Einordnung
- 1831: Nachweis im Urkataster bei Raphael Abraham
- 1873: Eigentum August Bär
- 1934: Geburt von Tochter Wilma Wilhelmine
- 1938: Verkauf des Hauses vor der Emigration nach Argentinien
(Arbeitsgruppe jüdisches Gedenken der Ortsgemeinde Hamm und die Tourist-Information der Verbandsgemeinde Hamm, 2025)
Quellen
- Urkataster 1831, Hamm
- Flurkarte 1873, Hamm
- Historische Fotografien Hamm, 1937/38
- Archivmaterial zur jüdischen Gemeinde Hamm