Kapelle Sankt Sebastianus und Sankt Rochus in Adenau-Breidscheid

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Fachsicht(en): Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Adenau
Kreis(e): Ahrweiler
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 22′ 29,73″ N: 6° 57′ 4,93″ O 50,37492°N: 6,95137°O
Koordinate UTM 32.354.331,31 m: 5.582.324,05 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.567.720,56 m: 5.582.545,12 m
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    Kapelle Sankt Sebastianus und Sankt Rochus in Adenau-Breidscheid

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Als Patrone der Kapelle im Stadtteil Breidscheid werden die Heiligen Rochus von Montpellier und der von Pfeilen durchbohrte Märtyrer Sebastian verehrt. Beide gehören zu den Pestheiligen, die früher in Zeiten von Krankheitsepidemien um Schutz angerufen wurden.
Eine Pestepidemie, von der das Dorf zwischen 1626 und 1628 heimgesucht wurde, war der Anlass, 1630 diese Kapelle zu bauen. Das Baujahr ist auf dem Steinrahmen der Rundbogentür im Westen zu lesen.
Gebaut wurde die Kapelle als langgestreckter Verputzbau mit einem einspringenden und dreiseitig geschlossenen Chor im Osten. Auf den Längsseiten hat sie jeweils zwei Flachbogenfenster. Die Fenster im Chor sind rechteckig, außerdem gibt es hier in der Südwand noch eine Tür. Das im Übrigen hölzerne Gewände des nördlichen Chorfensters besitzt einen steinernen Sturz. Das Werkstück zeigt spätromanische Formen und könnte um 1200 entstanden sein. Offensichtlich wurde es aus einem älteren Gebäude übernommen.

Gedeckt ist die Kapelle mit einem steilen Satteldach, das vor dem Chor einen viereckigen Dachreiter mit achtseitigem Helm trägt. In ihm hängen zwei Glocken. Die ältere hat einen Durchmesse von 41 cm und trägt die Inschrift „SANCTE DONATE ORA PRO NOBIS ANNO 1764“. Die jüngere wurde 1952 geweiht und ist aus der Bronze ihrer Vorgängerin gegossen, die im Zweiten Weltkrieg abgeliefert und beschädigt wurde. Sie hatte einen Durchmesser von 45 cm und war den Kapellenpatronen geweiht.
Vor der Ostwand steht ein 2,90 Meter hohes Kreuz aus Basalt. Es trägt die Jahreszahl 1638. Der rechteckige Schaft ist mit langen spätgotischen Spitzbögen verziert. Die sechs Hausmarken auf dem quadratischen profilierten Sockel weisen auf Breidscheider Familien hin. Die Inschrift auf dem Kreuzbalken verrät, das es als Missionskreuz an eine gemeinsam durchgeführte geistliche Erneuerung der Gemeinde erinnert.

Das Innere der Kapelle bietet in seiner Geschlossenheit den authentischen Eindruck einer barocken Dorfkapelle. Das Kapellenportal hat alte Beschläge, einen Türklopfer und ein schweres Schloss mit dem alten Schlüssel. Das Schiff der Kapelle besitzt eine verhältnismäßig niedrige Flachdecke, während das Holzgewölbe im Chor mit vielteiligem Rippennetz etwas höher reicht. Die Deckengemälde aus dem 17. Jahrhundert wurden 1978 freigelegt und restauriert. Zwei Wandgemälde, ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert, zeigen Joachim und Anna mit ihrer Tochter Maria im Jerusalemer Tempel sowie den Tod des hl. Josef. Der qualitätvoll gearbeitete Aufsatz des Altars besteht in seinem unteren Teil aus Tuffstein, im oberen aus Holz. Er stammt aus der Erbauungszeit der Kapelle. Unten ist das Schweißtuch mit dem Gesicht Jesu dargestellt, das von Engeln gehalten wird. Darüber ist zwischen ionischen Säulen eine Figur der Muttergottes auf der Mondsichel zu sehen, in den Seitennischen der hl. Sebastian und der hl. Rochus. Die Seitenwangen sind mit Knorpelvoluten und Engelsköpfen verziert. Der obere Aufsatz ist mit einer kleinen Kreuzigungsgruppe bekrönt. Die beiden barocken Holzfiguren im Chorraum stellen die Kapellenpatrone dar. Eine Holzskulptur der Muttergottes mit dem Kind stammt aus dem 17. Jahrhundert. Ein ovales Bild des heiligen Aloysius von Gonzaga, Öl auf Leinwand, ergänzt die Ausstattung. Auf der Rückseite des in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstandenen Gemäldes ist Maria als Unbefleckte Empfängnis abgebildet. Die 20 Kirchenbänke stammen aus dem 18. Jahrhundert. Eine Inschrift verweist auf das Jahr 1738 und einen Schöffen Johann zu Breidscheid.
Ein Aufsatzschrank mit der Jahreszahl 1740 dient der Aufbewahrung der Paramente und Bücher, die für die Feier des Gottesdienstes gebraucht werden. Die zugehörige Kommunionbank ist nicht mehr vorhanden. Die heutige stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und ist das Meisterstück des Peter Baur aus Breidscheid.

Den Menschen in Breidscheid liegt der Erhalt ihrer Kapelle am Herzen. Die Spende einer Einwohnerin ermöglichte 1966 die stilgerechte Neueindeckung des Kapellendachs mit Naturschiefer. In den 70er Jahren konnte dank erheblicher Eigenleistung und Spenden der Außenputz erneuert werden. Die Wand- und Deckengemälde sowie das Altarretabel mit den Figuren wurden 1978 restauriert. Der Kapellenbrunnen wurde 1995 saniert. 1998 wurde das Engagement für die Erhaltung und Pflege der Kapelle mit einem Preis gewürdigt. Eine umfassende Erneuerung des Eingangsbereichs erfolgte 2003 und 2004. Einen vergoldeten Wetterhahn fertigte Hermann Dramafing aus Breidscheid an; er krönt seitdem den Dachreiter. 2020 wurden die drei neugotischen Terrakottaplastiken restauriert, eine Herz-Jesu- und eine Herz-Mariä-Figur sowie eine des hl. Sebastian.

Kulturdenkmal
Zur Kapelle Sankt Sebastianus und Sankt Rochus in Adenau-Breitscheid gibt es einen Eintrag im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler (Stand Juli 2026). Der Eintrag lautet:
Filialkapelle St. Rochus und St. Sebastian Trierer Straße/ Ecke In der Dell
Pestkapelle; Saalbau, bez. 1630, Chor evtl. 13. Jh.; Brunnen mit Pumpe; Kreuz, bez. 1638

(Pfarrer Rainer Justen, Adenau, 2026)

Kapelle Sankt Sebastianus und Sankt Rochus in Adenau-Breidscheid

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Trierer Straße
Ort
53518 Adenau - Breitscheid
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation

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Rainer Justen: „Kapelle Sankt Sebastianus und Sankt Rochus in Adenau-Breidscheid”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360481 (Abgerufen: 8. Oktober 2026)
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