Kachelofen- und Thonwaaren-Fabrik Heinrich Schöffel

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 31,19″ N: 6° 48′ 22,38″ O 50,90866°N: 6,80622°O
Koordinate UTM 32.345.768,78 m: 5.641.960,26 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.556.748,79 m: 5.641.795,49 m
Der Töpfer Heinrich Schöffel war „kein gebürtiger Frechener“, wie Göbels (1971, S. 192) schrieb. Er wurde 1814 in Stadthof geboren, bereiste zu seiner Ausbildung Deutschland (Göbels 1971, S. 193) und war zunächst in Köln tätig. Seine Werbeannonce in der Kölnischen Zeitung vom 09.12.1841 informierte über die Porcellan-Ofen-Fabrik im Rothgerberbach 5 zu Köln: „Ich erlaube mir die Anzeige zu machen, daß ich nunmehr meiner Fabrik eine solche Ausdehnung gegeben habe, daß ich im Stande bin, allen Anforderungen zu genügen. Porcellan-Oefen jeder Größe stehen bei mir zur Auswahl. Auch führe ich jede Bestellung aus. Italienische Porcellan-Camine, als Prachtmöbel, so wie Porphier-Oefen, dieselben zu sehr geringen Preisen, darf ich besonders empfehlen. Durch die Schönheit, Billigkeit und Dauerhaftigkeit meiner Waare, wofür ich garantiere, so wie durch ein reelles Benehmen, hoffe ich mir die Gunst meiner Abnehmer zu erhalten und zu vermehren“.

Schulte (2014, S. 73) spekuliert: „(...) vermutlich haben ihn die seit 1846 verstärkt in vier noch primitiven Schächten geförderten Tonvorräte Frechens in diese Gemeinde gelockt“. Im Jahr 1852 wurde er in Frechen aktenkundig. Er produzierte architektonische Bauartikel und Kachelöfen und „sonstige einschlagende Gegenstände; für die K. Militair-Verwaltung, für Corporationen etc. hat er hauptsächlich seine Waaren fabriziert (…)“ (Stadtarchiv Frechen Akte 190 fol. 37 in Göbels 1971, S. 193). Zudem gehörte er zu den Hauptinitiatoren zur Gründung der Frechener Töpferinnung und wurde deren Schriftführer aufgrund seiner „ausgezeichneten Handschrift“ (Göbels 1971, S. 193). Laut einer Werbeanzeige empfahl sich die „Thonwaaren & Kachelofen-Fabrik von Heinrich Schöffel zu Frechen bei Coeln am Rhein in der Anfertigung von Thon-Mosaik-Fußböden, Wandplättchen und besonders Porcellan- und Thon-Kachelöfen“.

Schöffel suchte in den Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs des Töpferhandwerkes nach alternativen Keramikprodukten - im Gegensatz zu seinen scheinbar ideenlosen Kollegen. Als 1873 in Wien die Weltausstellung stattfand, schlug der Frechener Bürgermeister Anton Franz den Töpfer Heinrich Schöffel vor, der zu seiner Fortbildung die dortige Ausstellung besuchen sollte. Franz stellte zu diesem Zweck ein Empfehlungsschreiben aus, welches auch Hinweise auf den allgemeinen Stand des Töpfergewerbes enthielt: „Bekanntlich wird hier in Frechen viel Thonwaarenfabrikation betrieben, allein, obgleich das Gewerbe schon sehr alt ist, so hat es doch hier verhältnismäßig sehr geringe Fortschritte gemacht, und zwar, wie es scheint, einzig aus dem Grunde, weil es den hiesigen Gewerbetreibenden an der nöthigen Erfahrung und Intelligenz mangelt. Unter allen den Thonwaarenfabrikanten - circa 40 an der Zahl - ist wohl der (…) Heinrich Schoeffel der aufgeweckteste und strebsamste und bei seiner Lernbegierde ganz dazu geeignet, die Wiener Weltausstellung mit Nutzen zu besuchen“ (Stadtarchiv Akte 190 fol. 37 zitiert in Göbels 1971, S. 193).

Seine Lebensdaten lauten (Göbels 1971):
SCHÖFFEL, HEINRICHTöpfermeister - 1814 geb. zu Stadthof; Eltern unbekannt. Sterberg. 51/1886 - 1852 Aug. 16 zeigt den Tod des Friedrich Wilhelm Grohe an, ebd. 100/1852 - 1854 Febr. 13 unterzeichnet eine Bittschrift an den Bürgermeister, in bestehende Streitigkeiten innerhalb des “Kath. Kranken-Unterstützungsvereins zu Frechen„ einzugreifen, StaF Akt. 223 fol. 5 - 1856 Hauptinitiator zur Gründung einer Töpferinnung in Frechen, unterschreibt das Gesuch um Errichtung einer Innung, StaF Akt. 187 fol. 19 - 1856 aufgeführt in einer Töpferliste, ebd. fol. 21 - 1856 unterzeichnet die Statuten der Töpferinnung, StaF Akt. 186 - 1857 unterschreibt eine Beschwerde an den Bürgermeister, weil mehrere Berufsgenossen ihre Meisterprüfung außerhalb des Landkreises Köln ablegen, StaF Akt. 187 fol. 37 - 1857 Mai 17 stellt als Schriftführer der Innung die geforderten Meisterstücke zusammen, StaF Akt. 186 fol. 48 - 1873 der Bürgermeister befürwortet beim Landrat für ihn einen Zuschuß zum Besuch der Kunstgewerbe-Ausstellung in Wien, StaF Akt. 190 fol. 37 - 1877 zeigt den Tod des Sohnes, des Töpfers Gottfried Heinrich Sch., an; seine Ehefrau Katharina Lückel ist bereits verstorben, Sterbereg. 133/1877 - 1886 Apr. 25 stirbt zu Frechen, ebd. 51/1886“.

Heinrich Schöffel produzierte nacheinander an zwei Standorten in Frechen. Zunächst wohnte er laut einer Töpferliste aus dem Jahr 1856 in der Hausnummer 507 (StAF 187/21), die sich in der Breitestraße befand. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um ein Haus des Friedrich Ceelen auf den Flurstücken Z 235, 236 (LA NRW R 7211 / 1851 / 5), wo sich heute die Breitestraße 6 befindet. Im Jahr 1867 verstarb seine Ehefrau Catharina Schöffel, geborene Lückel; in der Kölnischen Zeitung vom 5.12.1867 erschien hierzu eine Todesanzeige (Kölnische Zeitung 05.12.1867).
Am 29.07.1872 erwarb Heinrich Schöffel von der Witwe Friedrich Ceelen die Grundstücke Y 686/137 und 687/137 beziehungsweise das Haus Nummer 418 (LA NRW R 7214 1874 / 3), welches sich auf dem ehemaligen Gelände der Frechener Burg befand (heute Hauptstraße 138). Auch Schöffels Sohn Gottfried Heinrich (geboren 1841 in Köln) war Töpfer. Er verstarb 1877 (Göbels 1971). Heinrich Schöffel verkaufte seine Grundstücke um das Jahr 1880/1881 an den Rentner Friedrich Thiele (LA NRW R 7215 1880/81 / 46) und stellte vermutlich um diese Zeit auch seine Produktion ein.

Von der Töpferei Schöffel sind keine oberirdischen Zeugnisse an beiden bekannten Standorten erhalten.

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2026)

Quellen
Stadtarchiv Frechen
  • StAF 187/21
Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
  • LA NRW R 7211 / 1851 / 5
  • LA NRW R 7214 1874 / 3
  • LA NRW R 7215 1880/81 / 46

Internet
zeitpunkt.nrw: Werbenannonce für die Porcellan-Ofen-Fabrik, Kölnische Zeitung vom 09.12.1841 (abgerufen am 23.07.2026)
zeitpunkt.nrw: Todesanzeige der Catharina Schöffel, Kölnische Zeitung vom 05.12.1867 (abgerufen am 23.07.2026)
zeitpunkt.nrw: Werbeannonce für die Schöffel´sche Kachelofen- und Thonwaaren-Fabrik, Kölnische Zeitung vom 22.07.1875 (abgerufen am 23.07.2026)

Literatur

Göbels, Karl (1971)
Rheinisches Töpferhandwerk. gezeigt am Beispiel der Frechener Kannen-, Düppen- und Pfeifenbäcker. o. O.
Heeg, Egon / Förderverein des Keramikmuseums der Stadt Frechen e.V. (Hrsg.) (1992)
Die Köln-Frechener Keramik des Toni Ooms 1919-1934. Köln.
Schulte, Klaus Erich (2014)
"Im Namen des Königs". Eine Frechener "Lokalposse" aus dem Jahre 1893. (Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins e.V., Band 10, 2014.) S. 45-118. Frechen.

Kachelofen- und Thonwaaren-Fabrik Heinrich Schöffel

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hauptstraße 138
Ort
50226 Frechen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1874, Ende 1880 bis 1886

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Nicole Schmitz (2026): „Kachelofen- und Thonwaaren-Fabrik Heinrich Schöffel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360370 (Abgerufen: 22. September 2026)
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