Lotsenmuseum Bingen am Rhein

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Bingen am Rhein (Rheinland-Pfalz)
Kreis(e): Mainz-Bingen
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 58′ 13,02″ N: 7° 53′ 56,18″ O 49,97028°N: 7,89894°O
Koordinate UTM 32.421.042,38 m: 5.535.907,68 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.421.085,94 m: 5.537.682,67 m
  • Gruppenbild der Lotsen von Bingen am Rhein (1965)

    Gruppenbild der Lotsen von Bingen am Rhein (1965)

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  • Lotsenhaus, später Lotsenmuseum Bingen am Rhein (1966)

    Lotsenhaus, später Lotsenmuseum Bingen am Rhein (1966)

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  • Gewässerprofil des Rheins bei Bingen am Rhein (o.J)

    Gewässerprofil des Rheins bei Bingen am Rhein (o.J)

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  • Lotsenboot in Bingen am Rhein (1960er Jahre)

    Lotsenboot in Bingen am Rhein (1960er Jahre)

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  • Steuerrad am Lotsenmuseum Bingen am Rhein (2026)

    Steuerrad am Lotsenmuseum Bingen am Rhein (2026)

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  • Flaggenmast am Lotsenmuseum Bingen am Rhein (2026)

    Flaggenmast am Lotsenmuseum Bingen am Rhein (2026)

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  • Lotsenmuseum Bingen am Rhein im alten Lotsenhaus (2026)

    Lotsenmuseum Bingen am Rhein im alten Lotsenhaus (2026)

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  • Maschinentelegraf im Lotsenmuseum Bingen am Rhein (2026)

    Maschinentelegraf im Lotsenmuseum Bingen am Rhein (2026)

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  • Schiffsglocke am Lotsenmuseum Bingen am Rhein (2026)

    Schiffsglocke am Lotsenmuseum Bingen am Rhein (2026)

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In der Hafenstraße 2 in Bingen am Rhein, unmittelbar am Rheinufer und unweit vom Museum am Strom, befindet sich das Lotsenmuseum Bingen am Rhein, in dem einst die Binger Lotsen auf Schiffe warteten, die sie durch die Gefahren des Mittelrheintals steuerten.

Bingen - ein gefährliches Revier für die Schifffahrt
Bingen liegt am Eingang des gefährlichen „Gebirges“. So bezeichnet man die Mittelrheinstrecke, in der 82 Gefahrenstellen die Schiffe gefährdeten. Direkt hinter dem auf einer Insel erbauten Mäuseturm zog sich ein Riff durch den Rhein, welches die Schifffahrt auf dem Rhein oft ganz unmöglich machte. Um 1720 wurde dort ein Loch hineingesprengt - das Binger Loch. 100 Jahre später wurde es erweitert. Aber noch andere Riffe, Sandbänke und Strudel bis hinauf zur Loreley und weiter machten eine Fahrt schwierig.

Die Entwicklung des Lotsenwesens
Wohl schon seit der Römerzeit waren es lokale Schiffsleute, die fremden Schiffen halfen diese Schwierigkeiten zu meistern. Ab 1452 kann man in Bingen eine Bruderschaft der Schiffsleute nachweisen. 1844 wurde der Lotsenstand durch das Reglement über den Lotsendienst auf dem Rhein innerhalb Preußens geschaffen: geprüfte Schiffsführer, die nach festen Regeln diese Arbeit bei allen Wetterlagen und Jahreszeiten ausführten. 1870 folgte das sogenannte Lotsenregulativ, das Lotsenbezirke vorsah. Diese waren zwischen Mainz und Bingen, Bingen und Kaub sowie Kaub nach St. Goar und wieder zurück. Binger Lotsen lotsten von Bingen nach Kaub, Kauber lotsten von Kaub nach Bingen, ebenso Binger Lotsen von Bingen nach Mainz und Kauber Lotsen nach St. Goar.

Lotsenpatente
Lotsen waren Binnenschiffer, die zunächst zwei Jahre als Schiffsjungen arbeiteten. Nach bestandener Bootsmannprüfung musste der junge Schiffer dann als Matrose gefahren sein, um sich zum Steuermann ausbilden zu lassen. Nach 200 (unentgeltlichen) Lehrfahrten mit einem Lehrlotsen und einer Prüfung vor dem Wasser- und Schifffahrtsamt bekam er dann das Lotsenpatent für die Strecke, für die er ausgebildet worden war. Eine Lotsenpflicht gab es nie - aber wer sein Schiff versichern wollte und nicht wirklich ständig fuhr, der tat gut daran, einen Lotsen zu haben der die auch täglich wechselnden Umstände auf dem Rhein kannte.

Lotsenalltag
Die Lotsen waren selbstständige in Genossenschaften zusammengeschlossene Unternehmer. Wer einen Lotsen brauchte, zeigte dies durch Setzen der Lotsenflagge an. Die Lotsen wurden nach der Lotsenfahrt sofort auf den Schiffen ausgezahlt. Jeder Lotse bediente vorzugsweise seine Stammkunden. Die jüngeren mussten nehmen, was übrigblieb. Wer vorbeikam, konnte er nach Abhören der „Schifffahrtsnachrichten“ im Radio hören, andere Schiffe riefen im Lotsenhaus an oder schickten ein Fernschreiben. Weil die Schiffe nach Sonnenuntergang nicht mehr fahren durften, legten viele auch in Bingen an und trafen in den lokalen Wirts-häusern „ihre“ Lotsen. Denn wer am Morgen keinen hatte, der musste warten, wenn alle Schiffe aufbrachen. Jeder Lotse musste mit seiner Schaluppe, der sogenannten „Schlupp“, einem kleinen „Ein-Mann-Boot“ zum Schiff rudern und dann anschließend nach der Lotsenstrecke „im Schlepptau“ eines Schiffes oder zu Tal mit eigener Kraft zur Lotsenstation zurückkehren. 1958 schafften sich die Binger Genossenschaft Lotsenversetzboote an, die die Lotsen zu den Schiffen brachten und am Ende ihrer Fahrt wieder zurück ans Ufer brachten. Bis zu fünf Fahrten konnte ein Lotse am Tag machen - wenn er denn schnell genug wieder von Kaub nach Bingen zurückkam, per Anhalter oder später mit einem Lotsenbus.

Französische Lotsenstationen
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Rheinland von den Alliierten besetzt und von deutschen Truppen geräumt. Die Härten des Versailler Vertrages führten schließlich zum Boykott in den besetzten Gebieten. So verweigerten auch die Lotsen am Mittelrhein den Dienst auf französischen Schiffen, worauf Frankreich eigene Stations de Pilote einrichtete. Diese gab es dann noch einmal nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst durch einen Vertrag mit der Bundesrepublik Deutschland wurden die Pilotes 1964 in die deutschen Verbände eingegliedert.

Das gefährliche Gebirge
Die Arbeit als Lotse war auch gefährlich, speziell wenn man mit einem Ruderboot an ein motorisiertes Schiff heranfahren musste. Fiel man ins Wasser und wurde vom Schaufelrad eines Raddampfers erfasst, ging es tödlich aus. Im Winter bei der Kälte froren die Seile zum Festmachen an den Schiffen. Die Lotsen hatten ein trockenes Ersatzseil vorrätig und trockneten die Seile über Nacht zu Hause. Trotz Hunderter von Lotsen brachte der immer steigende Schiffsverkehr immer mehr Probleme. Havarien bedrohten nicht nur das betroffene Schiff, sondern blockierten auch alle anderen. Daher beschloss man, den Rhein auszubauen, Riffe zu beseitigen, und tiefere Fahrrinnen zu schaffen, die größere Schiffe erlaubten. Mit der Fertigstellung des Rheinausbaus 1974 waren viele Gefahren gebannt, die Lotsen wurden überflüssig. Das Museum im historischen Binger Lotsenhaus am Kulturufer erzählt von den Herausforderungen, Havarien und dem Alltag der Lotsen, um das Gedächtnis aufrecht zu erhalten. Wie zu vielen Stellen gibt es auch hier eine lokale Geschichte.

Die Sage von der Entstehung des Rheinadels
Ein braver, aber armer Binger Schiffer war einmal mit seinem Boot schon frühmorgens auf dem Rhein und fischte. Auf einmal zog es mächtig an seinem Netz, er konnte es kaum einbringen. Schließlich sah er, dass er eine Rheinnixe gefischt hatte. Er fürchtete sich sehr, denn er wusste, dass man mit diesem Volk nicht spaßen sollte. Aber die Nixe sprach zu ihm „Hilf mir bitte, und du wirst es nicht bereuen!“ Sie war sehr lieblich anzuschauen, und der Schiffer hatte ein gutes Herz. „Was soll ich tun?“ fragte er. „Ich bin eine Tochter des Flusskönigs, aber vor vielen Jahren von einer bösen Hexe verzaubert worden. Nun warte ich, dass ich auf einen guten Menschen treffe. Wenn Du so einer bist und die entscheidenden Worte kennst, so kannst Du mich erlösen“. Der Schiffer wollte gerne helfen, er fragte „was sind die Worte?“ „Was ist das Wichtigste für einen Binger Bürger, damit er leben kann?“ fragte die Nixe. Das war nun eine leichte Frage: „Weck, Worscht und Woi“ (Brötchen, Wurst und Wein für unsere norddeutschen Freunde) rief der Binger Bub, und die Nixe warf ihren Schuppenschwanz ab und ein hübsches junges Mädchen kletterte ins Boot. Sie gefiel dem Fischer wohl und die beiden heirateten und hatten viele Kinder, die alle wackere Rheinschiffer wurden. Und weil ihre Mutter eine Königstochter war, legten sie so den Grundstein des Rheinadels, denn so werden die Schiffer genannt, die in den gefährlichen Untiefen des Rheines ihre Schiffe mit sicherer Hand ins Ziel steuern.

Das Museum
Anhand von Karten, Fotos, Modellen und bringen erfahrene Schiffer die Geschichte der der Lotsen und der Binnenschifffahrt auf dem Rhein näher. Es gibt die Bereiche Binger Loch, Wahrschau-Signale, Havarien, Lotsenalltag, Wasserschutzpolizei, Schlepp-Schifffahrt und Personenschifffahrt. Als „Erzählmuseum“ gibt es Veranstaltungen zu bestimmten Themen, z.B. die Entwicklung der Schifffahrt, den Rheinausbau oder der Rhein als Grenze und Verbindung. Die Rheinkarte an der Außenwand und die Lotsenschaluppe sind rund um die Uhr frei zugänglich, Erklärungen sind über QR-Codes mehrsprachig gegeben. Ein großes Spielschiff für Kinder liegt direkt neben dem Museum und ist ebenfalls frei zugänglich. Eintritt frei. Barrierefrei zugänglich. Das Museum wirbt mit dem Spruch: „Erleben Sie Geschichte, die zum Anfassen nah ist - wir freuen uns auf Ihren Besuch!“

(Binger Schifferverein 1895 e.V., Bingen am Rhein, 2026 / Freundliche Hinweise von Herrn Johannes Heidecker)


Internet
www.lotsenmuseum.de: Binger Schifferverein 1895 e.V. - Schiffer- und Lotsenmuseum (abgerufen 08.07.2026)

Lotsenmuseum Bingen am Rhein

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Hafenstraße 2
Ort
55411 Bingen am Rhein
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Vor Ort Dokumentation

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Binger Schifferverein 1895 e.V. (2026): „Lotsenmuseum Bingen am Rhein”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360336 (Abgerufen: 9. Juli 2026)
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