Naturschutzgebiet de Manteling bei Oostkapelle

Manteling van Walcheren

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Gemeinde(n): Veere
Provinz(en): Zeeland
Koordinate WGS84 51° 34′ 44,05″ N: 3° 32′ 43,16″ O 51,5789°N: 3,54532°O
Koordinate UTM 31.537.786,72 m: 5.714.345,23 m
Koordinate Gauss/Krüger 1.537.812,15 m: 5.716.192,18 m
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Das Naturschutzgebiet De Manteling zwischen Domburg, Oostkapelle und Vrouwenpolder gehört zu den außergewöhnlichsten Küstenlandschaften der Niederlande. Seine Besonderheit liegt in der seltenen Verbindung von unmittelbarer Meeresnähe, Dünenlandschaft und altem Laubwald: Kaum irgendwo in Europa reichen Laubwälder so nahe an die Nordsee heran wie hier. Der Name „Manteling“ verweist auf die ursprüngliche Funktion des Gebietes - es bildete seit Jahrhunderten einen schützenden „Mantel“ gegen die salzhaltigen Nordwestwinde und Sturmfluten, die auf die Nordküste Walcherens trafen. Heute umfasst das Schutzgebiet etwa 740 Hektar Fläche und erstreckt sich entlang der Dünenkette zwischen Domburg und Oostkapelle. Das Wald- und Dünengebiet ist eines der bedeutendsten Schutzgebiete der niederländischen Provinz Zeeland. Es steht als Natura-2000-Gebiet unter europäischem Naturschutz und war bereits zuvor als niederländisches Naturmonument geschützt.
Das Gebiet besteht aus einer außergewöhnlichen Kombination von Küstendünen, feuchten Dünentälern, Gebüschen und alten Laubwäldern. Besonders bemerkenswert sind die oft niedrigwüchsigen, vom Seewind geformten Eichenbestände, die unmittelbar hinter den Dünen liegen - eine in Europa seltene Landschaftsform.

Historisch entstand die Landschaft aus einem Zusammenspiel natürlicher Küstendynamik und menschlicher Eingriffe. Bereits im Mittelalter bestanden auf den höher gelegenen Dünensäumen bewaldete Bereiche, die wegen ihres Windschutzes geschätzt wurden. Seit dem 17. und besonders im 18. Jahrhundert ließen wohlhabende Kaufleute aus Middelburg hier Landsitze und Sommerresidenzen errichten. Zu den bedeutendsten Anwesen zählen das Schloss Westhove sowie die Landgüter Duinbeek, Berkenbosch und Overduin. Alleen, künstlich angelegte Sichtachsen, Teiche und Parklandschaften prägten das Gebiet zunehmend nach dem Ideal englischer Landschaftsgärten, ohne jedoch den Charakter des Küstenwaldes zu verdrängen.

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Manteling erhebliche Eingriffe. Im Zuge des deutschen Atlantikwalls wurden Küstenbereiche militarisch bebaut; zahlreiche Bäume wurden gekappt oder gefällt, um freies Schussfeld zu schaffen oder Holz zu gewinnen. In den Niederlanden hatte insbesondere Zeeland strategische Bedeutung, weil hier die Scheldemündung und damit der Zugang zum Hafen von Antwerpen kontrolliert wurde. Deshalb wurde Walcheren intensiv in das deutsche Küstenverteidigungssystem eingebunden; insgesamt entstanden mehrere hundert größere und kleinere Bunkerbauwerke.

Im Raum Domburg verlief der Atlantikwall unmittelbar entlang der Dünenkante. Die „Verteidigungsstellung“ zog sich von den Dünen südlich des Ortes über die Strandabschnitte bei Domburg bis in die bewaldeten Dünen von de Manteling in Richtung Oostkapelle. Der Verlauf folgte der natürlichen Topographie: Die hohen Dünen dienten als natürliche Schutzlinie und wurden durch Bunker, Beobachtungsposten, Stellungen und Schützengräben ergänzt. Zwischen den Stellungen bestanden Laufgräben und gedeckte Verbindungen. Mehrere Anlagen lagen im Bereich der heutigen Manteling und in der Nähe von Schloss Westhove. Einzelne Betonreste und überwachsene Bunker sind bis heute im Gelände erhalten, viele wurden jedoch nach 1945 gesprengt oder vom Sand bedeckt. Heute sind die Spuren des Atlantikwalls um Domburg oft unscheinbar und liegen teils versteckt in den Dünen oder im Wald der Manteling.

Viele der heute auffällig bizarr verformten, niedrigkronigen Eichen und Buchen gehen teilweise auf diese Eingriffe, hauptsächlich jedoch auf jahrzehntelangen Einfluss salzhaltiger Seewinde zurück. Die Überflutung Walcherens nach Bombardierung der Deiche 1944 richtete zwar in tiefer liegenden Gebieten schwere Schäden an, doch blieben die höher gelegenen Dünenwälder der Manteling vergleichsweise verschont, so dass wertvolle Altbestände bis heute erhalten blieben. Seit dem 20. Jahrhundert wurde das Gebiet schrittweise unter Schutz gestellt und wird heute überwiegend naturnah durch die niederländische Forstverwaltung (Staatsbosbeheer) betreut.

Ökologisch ist de Manteling außerordentlich vielfältig. Charakteristisch sind die vom Wind gezeichneten Küstenwälder aus Stieleiche, Rotbuche und Esche, die im Schutz der Dünen gedeihen. In den Dünen wachsen salz- und trockenheitsresistente Pflanzenarten wie Sanddorn, Dünenrose, Weißdorn und Liguster. In offenen Dünentälern finden sich Kräuter- und Grasgesellschaften mit Strandhafer, Helmgras, Wildem Thymian und stellenweise Orchideen. Besonders auffällig ist der Übergang vom feuchten Waldklima in trockene, sonnenexponierte Dünenbereiche auf engstem Raum - ein Grund für die hohe Biodiversität des Gebietes.

Auch die Tierwelt ist artenreich. Zu den häufigsten größeren Säugetieren zählen Rehe, Damwild, Kaninchen und Füchse; die Rehpopulation gilt als charakteristisch für die Wald-Dünen-Übergangsbereiche. Unter den Vogelarten sind Mäusebussard, Waldkauz, Buntspecht, Grünspecht und verschiedene Singvögel typisch. In den offenen Dünenbereichen treten zudem Greifvögel und Zugvogelarten auf. Die Kombination aus Wald, Feuchtbereichen und Küste schafft außerdem günstige Lebensräume für Amphibien, zahlreiche Insektenarten - darunter Schmetterlinge und Wildbienen - sowie kleine Säugetiere.

Ein interessanter Sonderaspekt von de Manteling ist die kleine Population halbwild lebender Konik-Pferde („Konikpaarden“), die oft als „Wildpferde“ bezeichnet werden. Zoologisch handelt es sich nicht um echte Wildpferde, sondern um eine robuste, ursprünglich aus Polen stammende Hauspferdrasse, die dem ausgestorbenen europäischen Wildpferd (Tarpan) in Erscheinungsbild und Verhalten angenähert ist. Die Tiere wurden in verschiedenen niederländischen Naturschutzgebieten angesiedelt, um durch extensive Beweidung natürliche Landschaftsprozesse zu fördern. Auch in De Manteling erfüllen die Koniks in erster Linie eine landschaftspflegerische Funktion. Durch ihr Fraßverhalten verhindern sie, dass offene Dünenflächen und lichte Grasgesellschaften vollständig verbuschen oder durch Gehölze überwachsen werden.

Die landschaftliche Eigenart inspirierte früh auch Künstler; besonders bekannt wurde der von den Küstenwinden verformte Baum, den Piet Mondriaan 1908 in der Manteling als Motiv seines Gemäldes „Der rote Baum“ aufgriff. Kulturhistorisch ist de Manteling deshalb nicht nur ein Naturschutzgebiet, sondern zugleich eine historische Kulturlandschaft, in der sich adelige und bürgerliche Sommerfrische, Küstenschutz, Kriegsgeschichte und außergewöhnliche Naturentwicklung überlagern. Gerade die ungewöhnliche Verbindung von Dünen, altem Laubwald und historischen Landgütern macht das Gebiet zu einer der eigenständigsten Landschaften Zeelands.

(Karl Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2026)

Internet
www.zeeland.com: Manteling van Walcheren (abgerufen 25.06.2026)
de.wikipedia.org: Manteling van Walcheren (abgerufen 25.06.2026)
info-zeeland.de: Naturschutzgebiet „de Manteling“ auf Walcheren (abgerufen 25.06.2026)
www.staatsbosbeheer.nl: Natuurgebied Walcheren (abgerufen 25.06.2026)
www.youtube.com: Video „Natuurgebied De Manteling van Walcheren“ (abgerufen 25.06.2026)
www.natura2000.nl: Manteling van Walcheren (abgerufen 25.06.2026)
www.zeeuwseankers.nl: Atlantikwall (abgerufen 25.06.2026)
www.liberationroute.com: Küstenroute Atlantikwall in Zeeland (abgerufen 25.06.2026)

Literatur

van den Berge, René (2014)
Domburg. Bergschenhoek.

Naturschutzgebiet de Manteling bei Oostkapelle

Schlagwörter
Ort
Oostkapelle / Niederlande
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger

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Karl Peter Wiemer (2026): „Naturschutzgebiet de Manteling bei Oostkapelle”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360304 (Abgerufen: 13. Juli 2026)
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