Pfarrkirche St. Nikolaus in Aremberg

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Aremberg
Kreis(e): Ahrweiler
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 24′ 57,14″ N: 6° 48′ 28,52″ O 50,41587°N: 6,80792°O
Koordinate UTM 32.344.266,69 m: 5.587.167,55 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.557.467,06 m: 5.586.979,38 m
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Die Pfarrkirche St. Nikolaus in Aremberg wurde von 1783 bis 1785 auf den Fundamenten älterer Gotteshäuser errichtet und prägt mit ihrem barocken Erscheinungsbild bis heute das Ortsbild. Besonders sehenswert ist ihre außergewöhnliche Ausstattung mit Altären aus dem ehemaligen Augustinerinnenkloster Marienthal sowie einer historischen Orgel im Stil der französischen Klassik. Der helle Kirchenraum verbindet barocke Architektur mit späteren neugotischen und kunstvollen Ausmalungen und erzählt eindrucksvoll die Geschichte des Ortes und seiner langen kirchlichen Tradition.
Das Dorf Arembergverdankt seine Entstehung der Burg der Herren von Arenberg. Im Mittelalter hatte die Siedlung als sogenanntes ‚Dhal' eine Rechtsstellung zwischen Dorf und Stadt. Sie besaß rechtliche Freiheiten und eine Ummauerung mit Tor und Türmen.
Das erste Gotteshaus war zweifellos eine Burgkapelle, die urkundlich 1306 erwähnt wird.

Eine eigene Kirche im Dorf bestand sicher schon im 15. Jahrhundert. Im Jahr 1483 wurde vom bekannten Glockengießer Johann van Alfter die älteste noch vorhandene Glocke der Kirche gegossen.
Umfangreiche Bauarbeiten fanden in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts statt. In einer Zeichnung ist die Kirche als einfacher Bau mit einem Dachreiter überliefert.
Die heutige Kirche wurde 1783 bis 1785 vollständig neu gebaut. Baumeister war wahrscheinlich der damals in Adenau ansässige Thomas Ladner aus Tirol. Bedingt durch das Gelände ist sie nach Norden ausgerichtet. An der Südseite erhebt sich der fast quadratische, viergeschossige Glockenturm mit dem Rundbogenportal aus rotem Sandstein. Die barocke Farbigkeit des Äußeren wurde bei der letzten Renovierung nach Befund wiederhergestellt.

Sie betreten die Kirche durch die Vorhalle im Erdgeschoss des Turms, in der das neugotische Missionskreuz hängt. Es erinnert an die Durchführung sogenannter Volksmissionen im 19. und 20. Jahrhundert, die eine spirituelle Erneuerung der Gemeinde waren.
Der Innenraum wird von einer Flachtonne mit großen Stichkappenbögen auf Wandpilastern überspannt.
Die großen Rundbogenfenster werden von Stuckprofilen gerahmt, deren Scheitelpunkt von Blumenornamenten geziert ist.

Der besondere Schatz der Kirche ist ihre Ausstattung. Der Hochaltar, die beiden Seitenaltäre mit den seitlichen Durchgängen, Teile der Kanzel, der Kommunionbank und der Emporenbrüstung wurden 1811 aus der Kirche des 1802 von der französischen Verwaltung aufgehobenen Augustinerinnenklosters Marienthal an der Ahr übernommen. Dabei musste der Hauptaltar erheblich verkürzt werden, was die Proportionen verfälschte.
Die Entwürfe für den Hochaltar und die Seitenaltäre, die wohl zwischen 1773 und 1775 entstanden sind, werden Johann Georg Leydel (*1721, +1785) zugeschrieben. Er war Mitarbeiter von Johann Conrad Schlaun und Balthasar Neumann, den großen Meistern des Barock. Im Zentrum des Hauptaltars steht eine Verkündigungsgruppe. Der Jungfrau Maria wird vom Erzengel Gabriel die Botschaft gebracht, dass sie Jesus empfangen und gebären wird (Lk 1,26-38). Umgeben von einem Strahlenkranz schwebt eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Der rechte Seitenaltar ist dem Hl. Apostel und Evangelisten Johannes geweiht, der linke dem Hl. Augustinus, einem der lateinischen Kirchenväter. Skulpturen dieser beiden Heiligen stehen über den seitlichen Durchgängen. Die Figur des Hl. Nikolaus und der Gruppe mit dem Jesuskind, der Gottesmutter Maria und deren Mutter Anna, Anna Selbdritt genannt, wurden erst nach der Aufstellung in Aremberg angebracht.
Von der früheren Ausstattung der Kirche sind noch Skulpturen und Kirchenbänke erhalten. Ein aufgefrischtes Chronogramm auf zwei Bänken weist sie als Stiftungen des ersten Herzogs von Arenberg Philipp Franz von 1663 aus: „ HAS TIBI PRAESENTES LARGO DVCIS PHILIPPI FRANCISCI SEDES CERNERE LECTOR HABES“ (Das dir gegenwärtige Gestühl sollst du, Leser, als großzügige Stiftung des Herzogs Philipp Franz erkennen).

Auch aus der ehemaligen Kapelle des ab 1809 abgerissenen Schlosses Arenberg wurden Ausstattungsstücke übernommen, so der Überlieferung nach die beiden breiten, hinter den Seitenaltären aufgestellten Chorsitze aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und möglicherweise Teile der Wandvertäfelung aus Eichenholz.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Kirchenorgel. Herzogin Pauline-Louise von Arenberg (* 1755, † 1812), die Gemahlin des letzten in der Eifel regierenden Herzogs Ludwig Engelbert (* 1750, † 1820) erteilte 1789 den Auftrag, eine Orgel für Aremberg zu beschaffen. Die Disposition des 13 Register umfassenden Werks entspricht ganz dem Stil der französischen Klassik des 18. Jahrhunderts. Zwischen 1987 und 1989 wurde der originale Pfeifenbestand restauriert, die verlorenen Teile rekonstruiert.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche neugotisch überformt. Die Kirchenfenster erhielten aufwendige Kunstverglasungen und der Boden einen Belag aus Mosaikfliesen im Stil der Zeit. Die Veränderungen der Neugotik nahmen dem barocken Raum leider viel von seiner strahlenden Helligkeit.
Die Ausmalung schuf 1934 der Kirchenmaler Johann Scharding aus Trier. Die großen Bilder im Mittelfeld verweisen mit Kreuz jeweils auf Jesus Christus, vorne mit Kelch, Hostie, Rebstöcken und den griechischen Buchstaben Alpha und Omega auf seine Gegenwart im Sakrament der Eucharistie, in der Mitte mit Anker, Palmzweig und den Worten „Ad Caelum“ (Zum Himmel) als Grund der christlichen Hoffnung sowie hinten mit Weltkugel, dem Tuch der Kreuzabnahme und der Abkürzung I.N.R.I. (lateinisch: Iesus Nazarenus Rex Iudeorum; deutsch: Jesus von Nazareth, der König der Juden). Die kleinen Bilder über den Wandpilastern sind auf der linken Seite Verweise auf die göttliche Trinität in den Personen von Vater, Sohn und Heiligem Geist, auf der rechten Seite auf die Heilige Familie mit Monogrammen von Jesus Christus, Maria und Josef.

(Pfarrer Rainer Justen, Adenau, 2026)

Pfarrkirche St. Nikolaus in Aremberg

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kirchstraße 1
Ort
53533 Aremberg
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation

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Rainer Justen: „Pfarrkirche St. Nikolaus in Aremberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360288 (Abgerufen: 22. Juni 2026)
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