Lohgerberei in Sankt Goar
Vieh, Eichenwälder und Wasser waren über Jahrhunderte hinweg die Voraussetzung für eine erfolgreiche Lederindustrie, welche die Stadt Sankt Goar bestens erfüllte. Das Vieh weidete auf den Wiesen am Rhein und in den Seitentälern, die Eichenwälder reichten am steilen Rheinhang bis unmittelbar an die Stadtgrenzen heran und Wasser floss der Stadt über verschiedene Seitenbäche zu. Mehrere Jahrhunderte bildeten daher Lohgerbereien eine der Haupterwerbsquellen der Stadt. Die Häute der Tiere wurden von den Gerbern mittels der aus Eichenrinde gewonnenen Lohe unter ständigem Wässern zu Leder verarbeitet. Das Trocknen der gegerbten Häute erfolgte auf den Lohspeichern, die als mächtige Gebäude Jahrhunderte das Stadtbild prägten. Die Sankt Goarer Lederwaren wurden mit Schiffen und später mit der Bahn vertrieben und hatten einen hervorragenden Ruf. Mit der Entdeckung synthetischer Gerbstoffe und der Einführung der Chromgerbung verlor die Sankt Goarer Lederindustrie an Bedeutung, in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stellten die letzten Firmen ihren Betrieb ein.
Die Napp'sche Gerberei
In der Oberstraße siedelte sich um 1780 die Familie Napp mit ihrer Gerberei an, wobei sie große Teile des kurz zuvor aufgelösten alten Kirchhofs bebaute. Der hier durch die Stadt fließende Wocherbach trägt seither auch den Namen Lohbach, da er mit seinem Wasser die Napp‘sche Lohgerberei versorgte.
(Stadtarchiv Sankt Goar, 2026)
Internet
www.stadt-st-goar.de: Stadtrundgang // Lohgerberei (abgerufen 22.06.2026)