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Innenansicht von Schloss Sien
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Rüdiger von Luxburg
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Schloss Sien befindet sich in der Ortsmitte von Sien auf einer Höhe von 345 m ü. NN unmittelbar neben der (heute) evangelischen Pfarrkirche.
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Die Aufnahme im Innenbereich zeigt den Flur- und Treppenbereich in Schloss Sien.
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Schloss Sien befindet sich in der Ortsmitte von Sien auf einer Höhe von 345 m ü. NN unmittelbar neben der (heute) evangelischen Pfarrkirche, die ebenso wie das Schloss einige Jahre zuvor von Johann Thomas Petri im barocken Stil erbaut worden war. Sien liegt im Nordpfälzer Bergland an der Bundesstraße 270 zwischen Idar-Oberstein bzw. Kirn und Lauterecken und ist Sitz der Verbandsgemeinde ist Herrstein. Die Lage von Sien auf der Wasserscheide zwischen Nahe und Glan verlieh dem Ort seine historische Bedeutung, die sich bereits durch keltische und römische Siedlungsspuren (Villa Rustika) nachweisen lässt.
Beschreibung Der dreigeschossige, durch einen breiten Mittelrisalit aufgelockerte Barockbau mit Mansarddach und aufgesetzten Gauben erhält seine Ausgewogenheit durch regelmäßig angeordnete Sichtbogenfenster mit Keilstein in allen vier Wandseiten. Die Kanten des Gebäudes und des hervorspringenden flachen, giebelgekrönten Mittelrisalits sind durch Lisenen betont; die Horizontalgliederung wird durch sich verkröpfende Gurtgesimse hervorgehoben. Das Giebeldreieck des Mittelrisalits enthält einen mit barockem Zierrat versehenen querovalen bzw. ellipsenförmigen Oculus. Im Erdgeschoss des Mittelrisalits befindet sich ein mit rustizierten Pilastern gefasstes Sandsteinportal, über dem das von zwei Wilden Männern gehaltene fürstliche Wappen des Erbauers eingelassen ist. Geschaffen wurde dieses Relief von Johann Philipp Maringer, der auch den Altar der benachbarten Pfarrkirche angefertigt hat. Zum Eingang des Hauses führt eine heute pyramidal angelegte Treppe.
Auffallend bei der Struktur der Vorderfront ist die Identität mit der Westfassade des ebenfalls von Johann Thomas Petri stammenden Piaristenkollegs in Kirn (heute Rathaus). Der auf 2,50 m dicken Fundamenten ruhende Gewölbekeller des Schlosses lässt sich über einen Seiteneingang erreichen. Der Keller besteht aus zwei rechteckig angelegten Räumen, die durch einen Bogendurchbruch miteinander verbunden sind. Kleine Außenfenster sorgen über Lichtschächte für Helligkeit. Ein Teil des Schlosses ist nicht unterkellert, dennoch sind außen Blindfenster angebracht, um die Symmetrie der Ansicht zu wahren. Im zweiten Kellerraum befindet sich ein Brunnen.
Neben dem Kellereingang befindet sich der Seiteneingang, der zu einer mächtigen, aus Eichenholz angefertigten Wendeltreppe führt, die bis in die Mansarde reicht. Ursprünglich hatte diese Treppe keinen Zugang zum Erdgeschoss und zum ersten Stockwerk. Vermutlich diente sie dem Personal bzw. der Jagdgesellschaft, die sich im großen Festsaal des zweiten Obergeschosses, der fast den gesamten Gebäudekomplex einnahm, versammeln konnte. Der Eingang durch das Hauptportal führt in eine großzügige Vorhalle (Vestibül), um die herum sich die einzelnen Räume gruppieren. Unter einem Deckenbogen hindurch gelangt man zu einer breiten Steintreppe, die in die Beletage führt, deren drei zur Straße weisende vordere Räume durch Flügeltüren zu einer Enfilade miteinander verbunden sind. Trotz der schlichten Ausführung lässt die bauliche Ausstattung die Räume durchaus als Repräsentationsräume erkennen.
Historischer Hintergrund Nach einem Rechtsstreit um das Erbe der im Mannesstamm 1738 erloschen Linie Salm-Neufville, erhielt Johann Dominik zu Salm Teile von Kirn und der wildgräflichen Exklave Sien. Aus der Ferne - Johann Dominik hatte seinen Sitz in Wien genommen - regierte er den neuen, 1745 zum Fürstentum erhobenen Besitz. Doch in Kirn, seiner Residenzstadt, wollte er nicht leben. Schon bei seinem ersten Besuch 1745 hatte er an seinen Bruder geschrieben: „selbst wenn es ein Schloss in Kirn gäbe, möchte ich doch keine 3 Wochen im Jahr dort zubringen!“
Diese Ansicht hatte sich auch 18 Jahre später nicht geändert, als Johann Dominik in sein Fürstentum zog. Er verzichtete konsequent auf den Bau eines Schlosses in Kirn, und auch die Kyrburg, die 30 Jahre zuvor im Polnischen Erbfolgekrieg zerstört worden war (1734), ließ er nicht mehr als Herrschaftssitz herrichten. Stattdessen fiel seine Wahl für den Bau eines „herrschaftlichen Hauses“ auf die außerhalb von Kirn gelegene Exklave Sien, die bei Antritt seiner Erbschaft noch in zwei Herrschaftsgebiete geteilt war: Die eine Hälfte gehörte der von ihm geerbten Wildgräflichen Linie, die andere den Herren von Sickingen, einst Lehnsmänner der Wildgrafen. Deren Besitz kaufte Johann Dominik im Jahre 1764 ab und beendete somit das 500 Jahre währende Kondominat über Sien. Nun war Johann Dominik alleiniger Herr über Sien, während er die offizielle Residenzstadt Kirn zu 3/8 mit seinen Anholter Neffen teilen musste.
Dieser Umstand bestärkte seinen Entschluss, das geplante Schloss in Sien zu errichten - und zwar als Jagdschloss, wo sich der passionierte Jäger abseits der Amtsgeschäfte und unbeobachtet von den Untertanen dem Jagdvergnügen widmen konnte.
Standortwahl Als Standort wählte Johann Dominik nicht die auf ehemals Sickinger Gebiet liegende, 1504 im Bayrisch-Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstörte Wasserburg - heute im Ortsteil Sienerhöfe gelegen -, sondern das auf Ur-Wildgräflichem Areal befindliche Grundstück direkt neben der Kirche. Als barockes Pendant zur Kirche wurde das Jagdschloss schließlich 1771 fertiggestellt. Dort, in diesem Jagdschloss, verbrachte Johann Dominik die meiste Zeit des Jahres, wenngleich er offiziell in Kirn residierte, wo er im rechten Seitenflügel des Fürstlichen Kellereigebäudes wohnte. Auf diese Weise wurde Schloss Sien gewissermaßen zur „zweiten Residenz“ des Fürstentums Salm-Kyrburg, da Johann Dominik auch von hieraus Amtsgeschäfte tätigte.
Nutzungen Während der Jagd hat sich der Erbauer mit seiner Jagdgesellschaft in Schloss Sien aufgehalten, aber das Gebäude diente ihm auch als Refugium. Da das Schloss während seiner Abwesenheit leer stand und eine Jagdgesellschaft zu groß war, erhielt der katholische Pfarrer die Erlaubnis, einige abgetrennte Räume auf der Westseite des Schlosses als Pfarrwohnung zu nutzen.
Nach dem Tode von Johann Dominik (1778) übernahm sein Bruder Philipp Joseph das Schloss, der allerdings schon ein Jahr später in Paris starb, ohne je nach Sien gekommen zu sein. Dessen ältester Sohn Friedrich III. führte einen verschwenderischen Lebensstil. Für seine Jagdgesellschaften benötigte er das ganze Schloss, weshalb er sofort nach seinem Regierungsantritt den katholischen Pfarrer ausquartierte. Wenige Tage vor dem Ende der „Schreckensherrschaft“ und der Enthauptung Robespierres starb Friedrich III. am 23. Juli 1794 in Paris unter der Guillotine. Sein minderjähriger Sohn Friedrich IV., nun Erbe des Schlosses, bzw. dessen Vormünder Prinz Moritz zu Salm-Kyrburg und Prinzessin Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen (geb. Salm-Kyrburg) konnten das Schloss nur kurz in Besitz nehmen, da französische Revolutionstruppen im Spätherbst 1794 Sien während des Ersten Koalitionskrieges besetzten und das Schloss requirierten.
Mit dem Frieden von Campo Formio wurde Sien 1798 dem französischen Staat einverleibt, das Fürstentum aufgehoben, die Besitzungen 1802 zu französischem Nationaleigentum erklärt und meistbietend versteigert. Der „Herrschaftliche Garten“ hinter dem Schloss wurde in mehrere Parzellen aufgeteilt und von den Neueigentümern teilweise überbaut. Das Schloss selbst blieb zunächst noch Verwaltungssitz der nach französischem Vorbild neu gegründeten Mairie Sien, die sich im Kanton Grumbach des zum Départements de la Sarre gehörenden Arrondissements Birkenfeld befand, bis es schließlich vor dem Ende der Franzosenzeit einen neuen Eigentümer fand.
Nach dem Wiener Kongress fiel Sien an das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld (nach 1826 Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha) und gehörte zum Fürstentum Lichtenberg. Schloss Sien blieb Bürgermeisterei, auch nachdem der Ort 1834 durch Kauf an Preußen gekommen war. In dieser Zeit ließ die Gemeinde ein eigenes Amtshaus erbauen (1860). Das Schloss, welches schon zu französischer Zeit in den Privatbesitz des Amtmanns, Neffe des letzten im Schloss wohnenden Pfarrers, übergegangen war, diente noch einige Zeit als Verwaltungssitz, bis es im Laufe der Zeit durch mehrfachen Besitzer- und Funktionswechsel unterschiedlichen Nutzungen zugeführt wurde. In diesem Zusammenhang wurden Gebäude angefügt, Wände verändert, Räume umgebaut. Derzeit wird das Schloss unter Beachtung der Denkmalschutzvorgaben in Teilen wieder weitgehend in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Einige Räume des inzwischen privat genutzten Objekts dienen kulturellen Veranstaltungen (Ausstellungen, Lesungen, Konzerte).
Kulturdenkmal Zum Schloss Sien findet sich ein Eintrag im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler des Kreises Birkenfeld (Stand Januar 2025). Der Eintrag lautet: „Fürst-Dominik-Straße 29 sog. Schloss, dreigeschossiger Mansardwalmdachbau, übergiebelter Mittelrisalit, 1771, Arch. Johann Thomas Petri, Kirn“
Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1771
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