Die Pfalzgrafen und Burg bzw. Schloss Alzey
Hof und Residenz Alzey
Werner Pfeifer von Alzey
Wer war Werner von Alzey?
Kulturdenkmal
Quellen
Die Pfalzgrafen und Burg bzw. Schloss Alzey
Im Jahr 1214 gelangte die rheinisch-staufische Pfalzgrafschaft über eine kurze welfische Zwischenphase an das Haus Wittelsbach. Die Wittelsbacher, seit 1180 Herzöge in Bayern, wurden damit für fast 600 Jahre zugleich Pfalzgrafen am Rhein. Zu den territorialen Schwerpunkten der Pfalzgrafschaft gehörte ihr Besitz in und um Alzey mit der Burg. Die ältesten Teile der 1689 stark zerstörten und erst um 1900 im Nachklang der Burgen- und Mittelalter-Romantik wieder errichteten Burg- bzw. Schlossanlage bilden die mächtige, etwa 61 x 63 Meter umfassende Ringmauer der Kernburg und der untere Bereich des Torturms. Beide stammen vermutlich noch aus dem 13. Jahrhundert.
Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Burg sukzessive zu einem repräsentativen und komfortablen Schloss ausgebaut. Trotzdem nahm die Zahl der Aufenthalte der Pfalzgrafen in Alzey ab. Lediglich zu Jagdaufenthalten z.B. anlässlich einer Hasenjagd Kaiser Maximilians 1495, in der Zeit von Umbaumaßnahmen am Heidelberger Schloss oder während dort grassierender Krankheiten kamen sie hierher. So war eine Epidemie in Heidelberg verantwortlich, dass Friedrich II. die letzten Wochen seines Lebens in Alzey verbrachte, wo er Ende Februar 1556 verstarb. Und auch der letzte mehrmonatige Aufenthalt des pfalzgräflichen Hofes in Alzey wurde 1601 von einer in Heidelberg umlaufenden Krankheit verursacht. Im Südbau des Schlosses hatte man aus diesem Anlass für Friedrich IV. sogar eine kleine Privatkapelle eingerichtet, deren wappengeschmückter Schlussstein noch heute zu sehen ist. Der Plan, die Alzeyer Nebenresidenz der rheinischen Pfalzgrafen und Sitz der Oberamtsverwaltung zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges nochmals militärisch als Festung aufzurüsten unterblieb ebenso wie die Errichtung einer barocken Schlossanlage nach der Zerstörung im Pfälzer Erbfolgekrieg Ende des 17. Jahrhunderts.
Hof und Residenz Alzey
Bis ins 14. Jahrhundert wies die Hofhaltung des Pfalzgrafen noch Züge einer nur temporär sesshaften Reiseherrschaft auf. Erst gegen Ende des Jahrhunderts deutet sich der Übergang zur Ausbildung fester Residenzen mit Heidelberg als zentraler Residenzstadt an. Für Pfalzgraf Ruprecht II. (1325-1398), der von den Zeitgenossen auch als „Herzog von Alzey“ bezeichnet wurde, bildeten Alzey und seine Burg gleichwohl einen bevorzugten Aufenthaltsort mit Residenzcharakter. Unter seinem Sohn Ruprecht III. (1352-1410) - als Ruprecht I. war er von 1400 bis 1410 deutscher König - galt Alzey mitunter sogar als „Kanzleiort des Reiches“. Zumindest während des Aufenthalts des Hofes musste in Alzey nicht nur der herrschaftliche Regierungs- bzw. Verwaltungsapparat verfügbar sein, sondern auch umfangreiches Dienstpersonal, das die standesgemäße Versorgung ermöglichte. Nur wenig weiß man allerdings über die Hofhaltung in Alzey. Hof-, Küchen- und Kammermeister sind überliefert; zudem werden Schreiber, Ärzte und Rechtsgelehrte sowie ein Burgkaplan, dem eine heute nicht mehr existierenden Burgkapelle an diesem Standort zur Verfügung stand, erwähnt. Aber auch Musiker, wie der Pfeifer Werner von Alzey, gehörten zum pfalzgräflichen Hofgesinde.
Werner Pfeifer von Alzey
Es ist nur eine sehr schmale geschichtliche Spur, die uns zu Werner von Alzey führt. Ein bislang einziger Quellenbeleg dokumentiert den Nachweis seiner Existenz. In der Kopie einer Urkunde aus dem Jahr 1393 des Pfalzgrafen Ruprecht II. findet sich ein Eintrag im Kopialbuch von 1393. (GLA Karlsruhe 67_808)
So knapp der Urkundentext auch ist und so wenig Informationen er zur Person Werners selbst liefert, er eröffnet gleichwohl interessante Ausblicke auf die Welt der Spielleute des Mittelalters.
Angesprochen wird der Alzeyer Spielmann in der Quelle in einer durchaus zeittypischen Kombination aus dem eigentlichen Rufnamen – Familiennamen waren damals noch nicht die Regel - und einem zusätzlichen Bei- oder Übernamen. Letzterer nimmt, wie bei Spielleuten durchaus häufig, Bezug auf die musikalischen Fertigkeiten bzw. verweist auf das von seinem Träger gespielte Instrument. Noch heute verbreitete Familiennamen wie Fiedler, Geiger, Schallmeier oder Flöter leiten sich von entsprechenden Beinamen ab. Im Falle des Beinamens Pfeifer, der dem genannten Werner aus Alzey zugesprochen wurde, kann man davon ausgehen, dass dieser verschiedene Arten von (Holz-)Blasinstrumenten wie Pfeifen, Flöten, Schalmei, Krummhorn sowie vielleicht auch die Sackpfeife, den Dudelsack spielte.
Wer war Werner von Alzey?
Werner gehörte, auch dies ist der Quelle zu entnehmen, zum Hofgesinde des Pfalzgrafen Ruprecht II. Vermutlich hatte dieser einen ihm bekannten und geschätzten hiesigen Musiker in den höfischen Dienst seiner Alzeyer Residenz übernommen.
Er wird dort – sicherlich nicht allein - bei den verschiedensten alltäglichen Gelegenheiten, bei Festen und Feiern für Unterhaltung und Kurzweil gesorgt haben; er wusste sicherlich auch den Ansprüchen einer durchaus kunst- und musikverständigen Hofgesellschaft zu entsprechen; möglicherweise wurde er zeitweilig aber auch für das Heeresaufgebot seines Herrn verpflichtet – auf jeden Fall jedoch war er als Musiker Teil der höfischen Repräsentation, der durchaus verpflichtenden Selbstdarstellung des Herrschers und seines Hofes.
Die Anstellung am pfalzgräflichen Hof wirkte sich sicherlich auch auf das Selbstverständnis des Alzeyer Pfeifers aus. Sie schuf eine soziale Distanz zu den Spielleuten, die als Teil des fahrenden Volkes zahllos die mittelalterlichen Wege bevölkerten, von Marktplatz zu Marktplatz, von Dorf zu Dorf, von Wirtshaus zu Wirtshaus ziehend. Die Spielleute befriedigten das vorhandene Bedürfnis der Menschen nach Unterhaltung; als Unehrliche waren sie aber sozial stigmatisiert und marginalisiert.
Gleichwohl waren die Spielleute regional organisiert. Der Alzeyer Pfeifer Werner stand mit der ihm vom Pfalzgrafen auf Lebenszeit übertragenen Stellung eines „farnlude-kunigs“ einem wie auch immer gestalteten Zusammenschluss kurpfälzischer Fahrender vor, worunter in diesem Fall Spielleute, insbesondere aber Musiker zu verstehen sind.
Ihm oblag dabei die Aufgabe, „alle furgabe und recht zu haben vor allen farnluden“. D.h. er übte als „König über die fahrenden Leute“ wahrscheinlich den Vorsitz in der Gerichtsbarkeit seines „Königreiches“ aus. Im Unterschied zum Elsaß, wo es ein genossenschaftlich verfasstes „Pfeiferkönigreich“ gab, in dem Musiker einen Pfeiferkönig als Vorsteher ihrer Gerichtsbarkeit jährlich selbst wählten, wurde Werner von Alzey hingegen vom Pfalzgrafen als ihm vertrauter und verpflichteter Hofmusikant ausgewählt und in seiner Stellung als Pfeiferkönig eingesetzt. Das Königreich der fahrenden Leute stand in der Kurpfalz unter der Kontrolle des Landesfürsten.
Kulturdenkmal
Das Alzeyer Schloss wird im Nachrichtlichen BVerzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis Alzey-Worms geführt (Stand 2025). Der Eintrag lautet:
„Schloss Schlossgasse 32/34 (Denkmalzone)
im Kern mittelalterliche Anlage (gegründet 2. Hälfte 12. Jh.), 1689 tlw. zerstört, 1901-03 in späthistoristischen Formen wiederaufgebaut, Arch. Oberbaurat Karl Hofmann, Darmstadt; älteste Bauteile wohl Ringmauer und unterer Bereich des Torturms, im obersten Geschoss ehemals bez. 1538 (Umbau/Erhöhung); mehrphasiger Nordflügel, im Kern 15./16. Jh., ein Fenstersturz bez. 1527, im Erdgeschoss aufwendiger Wappenschlussstein bez. 1528, übriges Erscheinungsbild bestimmt vom Wiederaufbau (Wappenschild am Treppengiebel bez. 1903), Ausstattung von 1903; zwischen Torturm und Nordbau Wendeltreppe mit spätgotischem Portal; Bollwerkturm, ehemals bez. 1476, viergeschossiger Wiederaufbau mit Schieferdach mit Fachwerklaterne 1903; ursprünglich dreigeschossiger Südflügel, ehemals bez. 1546, weitgehend späthistoristischer Neubau; ehem. Wärterhaus, im Kern 16. Jh., seit 18. Jh. mit Mansarddach, um 1903 verändert; südlich davon Reste der spätgotischen Kapelle (?); innerer Schlossgraben seit 1820/30er Jahren tlw. bebaut (Schlossgasse 30, 30A, 36, 38, 40; Kästrich 3-15, 19), Teil der baulichen Gesamtanlage, ebenso der Schlosskeller; zugehörig auch Am Schlosspark 18 (nach 1950); Vorburg: Teile der nördlichen Vorburgmauer an Schlossgasse 35 und Schlossgasse 31; im Ostabschnitt Stichbogenpforte (15./16. Jh.?), Mauerzug nach der Straße Am Wall mit teils vollständig erhaltenen Wandbögen“.
(Rainer Karneth, Alzey, 2025)
Quellen
- Eintrag im Kopialbuch von 1393, Generallandesarchiv Karlsruhe, Signatur: GLA Karlsruhe 67_808.