Das Kloster Porta coeli war Anfang des 13. Jahrhunderts im Ort Rahden (Gemeinde Lamstedt bei Cuxhaven) gegründet worden. Man verlegt es um 1255 auf das Gebiet des Ortes Eulsete, des späteren Himmelpforten. Es war ein Zisterzienserinnenkloster für Nonnen adliger Herkunft, das sehr reich dotiert war. Für das Kloster wurde um 1330 eine Kirche errichtet und der Heiligen Maria geweiht. Sie war wohl von Beginn an eine Kloster- und Pfarrkirche.
Kloster und Kirche liegen auf einem Sandrücken inmitten sumpfiger Landschaft. Heute ist das Gelände des Ortes aufgeschüttet, im Westen fließt die Horsterbeck, die die Mühle bediente und bei Horst in die Oste mündet.
Die ursprüngliche Kirche war länger, höher und besaß ein Kreuzgewölbe. Der frühgotische Bau hatte ein Langhaus mit vier Jochen und einen westlichen Vorbau. Im Osten schloss sich der 3/6 Chor an. Der Bau war außen rund 40,5 Meter lang und 13,5 Meter breit, der Innenraum maß etwa 38 mal 9 Meter. Von außen war der Bau durch die Vorlagen und die einfachen Kirchenfenster gekennzeichnet. Auf dem Dach erhob sich der Dachreiter, es gab keinen Kirchturm.
1556 wurde das Kloster aufgelöst, die Kirche reformiert. Das Kloster blieb als Stift erhalten, die Kirche diente als Stifts- und Gemeindekirche.
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Der Innenraum war entsprechend den zisterziensischen Regeln schlicht und schmucklos. Die Wände waren gekalkt, die Decke hatte Kreuzgewölbe. Der Chor wies ein 8-strahliges Gewölbe auf. Außer dem Hochaltar gab es zwei weitere Altäre. Der Zugang erfolgte im Langhaus von Norden und Süden her. An der Westseite gab es ein erhöhtes Podest, zu dem eine mittige Treppe führte; es besaß einen separaten Zugang von Norden her. Dieser Raum diente vermutlich den Nonnen des Stiftes.Im Laufe der Zeit war die Kirche baufällig geworden. 1684 wurden daher größere Reparaturen an der Kirche vorgenommen. Da die Schäden zunahmen, riss man 1737 große Teile der alten Kirche ab. Erhalten blieben vor allem Mauererteile im Bereich der Apsis und der Nordwand. Auch verwendete man Bausteine der alten Kirche wieder. Das Schiff wurde verkürzt und verschmälert mit einer flachen Holzdecke im Innern. Die neue Kirche weihte man 1738.
Der Neubau weist nun drei Joche im Langschiff aus sowie den 5/9 Chor im Osten. Die Länge misst außen 23,5 mal 11,6 Meter, im Innern 21,2 mal 9,4 Meter. Die Holzdecke ist flach. Auf dem Kirchdach erhebt sich wiederum ein kleiner Dachreiter.
1759 richtete man den Dachboden für die Aufnahme des herrschaftlichen Zinskorns ein. Der kleine Vorbau an der Südwand stammt von 1877.
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Im Innern der schlichten Kirche fällt der Kanzelaltar von 1737/1738 von J. A. Relling auf. Zur damaligen Zeit war die Predigt von der Kanzel wichtiger als die Handlung beim Abendmahl vom Altar aus. Die beiden ovalen Schilder am Altar tragen die Inschrift: Vere hic est nihil allud nisi domus die et porta coeli (Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und die Pforte des Himmels). Über dem Altar hängt ein Strahlenkranz, darin ein gleichseitiges Dreieck als Symbol der Dreieinigkeit Gottes mit der hebräischen Inschrift „Jahwe“.
An der Südwand findet sich ein Epitaph (Totengedenkmal) zum Andenken an die Priorin des Klosters, Maria von Weyhe (1591-1616).
Am Turmausgang findet sich ein Wappen Georgs II. (1683-1760), seit 1727 Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg und König von Großbritannien und Irland. Das Herzogtum Bremen hatte die Verpflichtung, Kirche, Pfarrhaus und Schule zu unterhalten. Aus dieser historischen Verpflichtung heraus finanzierte der Staat unter Georg II. den Neubau der Kirche.
An der Westseite der Kirche erhebt sich die Orgel auf einer Empore. Sie wurde 1587-1590 unter Verwendung älterer Teile von Hans Schere dem Älteren und Antonius Wilde für die Stader Kirche St. Nicolai gebaut. Ein Umbau 1677 erfolgte unter der Leitung von Arp Schnittger. Nach Aufgabe der Stader Kirche verbrachte man 1834/35 die Orgel nach Himmelpforten. Die Orgel mit 24 Registern und 1.500 Pfeifen erhielt 2014 eine aufwändige Restaurierung durch den Orgelbauer Paul Ott aus Göttingen.
An der begehbaren Empore von 1794 hängen 15 Passionsgemälde, die aus der ehemaligen Kirche St. Nicolai in Stade stammen.
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Grabkammern im KircheninnernBei der Ausschachtung für einen Heizungskeller fand sich 1964 eine Gruft vor dem alten Hochaltar. Sie lag etwa einen Meter unter dem Bodenniveau und bestand aus Ziegelsteinen. Sie maß 1,6 mal 2,3 mal 0,8 Meter. Die Deckplatte fehlte. Die Innenwände waren geglättet und gekalkt, auf dem Boden fanden sich große Ziegelfliesen. In der Verfüllung konnten noch Sargbeschläge, Skelettreste und ein Haarknoten geborgen werden. Vermutlich war hier eine Frau mittleren Alters bestattet worden.
Auffallend war die tiefe Lage der Gruft. Offenbar hatte man beim Abriss der alten Kirche die Mauerteile und den Bauschutt in den Innenraum fallen lassen. Damit erhöhte sich der Fußboden um etwa 0,9 Meter.
Bei weiteren Grabungen fanden sich eine weitere Grabkammer, die ursprünglich genau in der Mitte der alten Kirche lag. In der Umgebung fanden sich weitere Skelettreste. Es ist davon auszugehen, dass es sich um Bestattungen der Stifterfamilie von Brobergen handelt, die hier ein Erbbegräbnis besaßen.
Eine weitere Gruft, das Amts-Begräbnis, fand sich 1964 in der Mitte der Kirche in Höhe des Einganges. Sie war 4,7 mal 2,4 mal 2,3 Meter groß und besaß ein Tonnengewölbe. Dies könnte eine Erklärung für die Erhöhung des Fussbodenniveaus beim Neubau sein. In der Gruft fanden sich sechs gut erhaltene Särge mit Blei- und Zinkverzierungen. Es handelt sich um Bestattungen von Amtsträgern und deren Angehörigen des Amtes Himmelpforten. Die Bestattungen datieren in die Mitte und 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, darunter zwei Kindergräber. Die Gruft ist heute verschlossen.
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KirchhofIm Kirchhof, der die Kirche vor allem auf der West- und Südseite umgibt, finden sich Grabsteine der ehemaligen Bestattungen. An der Kirche wurde ein Klostergarten neu angelegt, in Erinnerung an die Traditionen der Zisterzienserinnen.
Hinweis
Die Kirche St. Marien in Himmelpforten ein geschütztes Einzeldenkmal (Baudenkmal).
(Claus Weber, Redaktion KuLaDig, 2026)
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QuellenInformationsschriften der Kirchengemeinde, vor Ort erhältlich.
Internet
en.wikipedia.org: St. Mary's Church, Himmelpforten (englisch, abgerufen 6.5.2026)
himmelpforten.wir-e.de: Kirchengemeinde Himmelpforten (abgerufen 12.5.2026)